Meinung

Prepping: Man kann sich nicht auf alles vorbereiten

Prepping-Firmen nutzen die Angst ihrer Kund:innen schamlos aus.
Prepping-Firmen nutzen die Angst ihrer Kund:innen schamlos aus.

Menschen haben unterschiedliche Methoden, mit Krisen umzugehen. Manche versuchen, sich so gut es geht abzulenken und manche bereiten sich so gut es geht darauf vor. Letztere, also die Vorbereiter:innen, sorgen auch hin und wieder für Aufmerksamkeit in den Medien. Man erinnere sich etwa an die große Klopapierknappheit 2020. Oder die kleine Sonnenblumenölknappheit 2022. Die Hamsterkäufe geben manchen zumindest das Gefühl, aktiv gegen die Krise vorgehen zu können. Andere bereiten sich  aber bereits seit Jahren auf eventuell eintretende Notfälle vor.

Auf neudeutsch wird der Vorgang auch prepping genannt und ist vom englischen be prepared, „vorbereitet sein“, abgeleitet. In den USA entstand die Prepper-Szene etwa in den 70er-Jahren, in der letzten Zeit erlebte sie dank Pandemie, Ukraine-Krieg und Inflation auch in Europa einen Aufschwung. Dabei gibt es nicht den oder die Prepper:in. Prepper:innen finden sich in allen Gesellschaftsschichten, manche sind besser, manche schlechter vorbereitet. Manche begnügen sich mit den Tipps des Innenministeriums, immer auf einen „vierzehntägigen Campingurlaub in den eigenen vier Wänden“ vorbereitet zu sein. Andere könnten wohl monatelang überleben, ohne einmal einen Supermarkt betreten zu müssen.

Das ist die eine Seite unserer Kommentar-Reihe „zweiseitig“. Jakob ist anderer Meinung, seinen Kommentar liest du hier:

Prepping ist keine Paranoia

Prepping: Das Geschäft mit der Angst

Doch hinter dem Prepping verbirgt sich auch ein Geschäft mit der Angst. Seit Jahren warnen Apologeten vor einem wochenlangen Blackout und verkaufen glücklicherweise gleich passende Lampen, Powerbanks und Kochgerät. Jede noch so kleine Bedrohung wird als möglicher Weltuntergang aufgebauscht, denn das spült Geld in die Kasse. Angst ist eine starke Emotion und das Gefühl von Sicherheit ist vielen ein tiefer Griff ins Börserl wert.

Auch das Vertrauen in öffentliche Institutionen und gesellschaftliche Grundsätze ist so klein wie nie. In einer Krise ist sich jede:r selbst der/die Nächste, auf Hilfe von außen will man nicht angewiesen sein. Man rennt in den Supermarkt, kauft sich zehn Flaschen Sonnenblumenöl und nimmt von der Apotheke noch 20 Packungen Jodtabletten mit. Die Folge: Die, die es wirklich brauchen, gehen leer aus und werden ebenso in Panik versetzt. Es ist eine Teufelsspirale.

Man kann sich nicht auf alles vorbereiten

Auch wenn es schwerfällt: Würden alle Ruhe bewahren und auf die Gesellschaft vertrauen, wäre so manche Krise gar nicht der Rede wert. Sicher schadet es nicht, für ein paar Tage auch ohne Supermarkt oder Energie überleben zu können. Ob man sich auf die richtige Krise vorbereitet hat oder das neue Survival-Kit doch nur Geldverschwendung war, sieht man erst, wenn ein echter Notfall eintritt. Gegen alle Eventualitäten kann man sich nicht rüsten. Sich damit abzufinden, nimmt aber einigen Druck von den Schultern.

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