Pilotprojekt

Recycling: Ausgemusterte Audi-E-Auto-Batterien für RWE-Energiespeicher wiederverwendet

Ein zweites Leben für Batterien in einem Energiespeicher @RWE Generation
Ein zweites Leben für Batterien in einem Energiespeicher @RWE Generation

Die Speicherung von Energie ist ein elementarer Punkt für eine erfolgreiche Energiewende. Auch die Europäische Union hat daher den Bedarf an Batteriesystemen längst erkannt. Laut einer Mitteilung der Europäischen Union im Frühjahr 2021 seien Batterien ein „Schlüsselfaktor einer CO2-armen Wirtschaft“ und „entscheidend“ zum Erreichen des EU-Ziels der Senkung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent bis 2030. Dabei inkludieren sie sowohl Batteriesysteme im Energiesektor, als auch im Verkehrssektor, in elektrisch betriebenen Fahrzeugen beispielsweise, und unter „Gesichtspunkten des Wettbewerbes“.

EU will bis 2025 unabhängig bei Akkus für E-Autos werden

„Alte Batterien“ für neue Energiespeicher

Impulse für mehr Entwicklung in dem Bereich braucht es aber nicht nur aus der Politik, sondern auch aus der Wirtschaft. Aus diesem Sektor wurde nun vor Kurzem eine neue Kooperation bekannt gegeben. Der deutsche Energieanbieter RWE arbeitet mit dem Autohersteller Audi zusammen. Der Zweck dieser Verbindung: Gebrauchte Lithium-Ionen-Batterien aus Audi e-tron Entwicklungsfahrzeugen werden für einen Energiespeicher auf dem Gelände des RWE-Pumpspeicherkraftwerks am Hengsteysee wiederverwendet.

„Um kurzfristige Schwankungen bei den Erneuerbaren Energien auszugleichen und das Netz zu stabilisieren, braucht es flexible Speichertechnologien. Dafür sind Batteriespeicher bestens geeignet. Gemeinsam mit Audi testen wir in Herdecke, wie sich aus E-Autos ausgemusterte Hochvolt-Batterien, im Verbund zusammengeschaltet, als stationäre Energiespeicher verhalten“, so der Vorstandsvorsitzende von RWE Generation, Roger Miesen zu dem Projekt.

60 Batteriesysteme Teil des Pilotprojektes

Mithilfe von 60 Batteriesystemen soll der Energiespeicher auf dem Gelände des RWE-Pumpspeicherkraftwerks am Hengsteysee rund 4,5 Megawattstunden Strom zwischenspeichern können, so die Angaben der beteiligten Unternehmen. Die für das Projekt verwendeten Batterien hätten nach ihrem „ersten Leben im Auto“ noch eine Restkapazität von mehr als 80 Prozent, so die Unternehmen. Daher würden diese sich für einen weiteren Einsatz in solchen stationären Stromspeichern gut eignen. Bis zu weitere zehn Jahre Restlebensdauer prognostizieren Audi und RWE den eigentlich schon aussortierten Batterien.
„Die Zusammenarbeit mit RWE soll die Möglichkeiten für eine ressourcenschonende Nutzung von gebrauchten Hochvolt-Batterien sowie deren intelligente Integration ins Energienetz der Zukunft aufzeigen. Darüber hinaus denken wir heute schon an die Zeit nach dieser Nutzungsphase und forcieren ein effektives Batterie-Recycling“, so der Vorstand Technische Entwicklung der AUDI AG, Oliver Hoffmann.
Bereits im November 2021 ist der Testbetrieb des Systems angelaufen, nachdem die Installation der Batteriesysteme im Oktober abgeschlossen wurde. Ab Anfang 2022 will RWE die Speicherkapazität des Batteriespeichers vermarkten. Je nachdem wie erfolgreich dieses Pilotprojekt ist, könnte sich der Energieanbieter auch weitere, größere Speicher dieser Art vorstellen, so das Unternehmen. „Die Weiternutzung solcher ,Second-Life’-Speicher ist eine nachhaltige Alternative zu fabrikneuen Akkus. Die Erfahrungen aus diesem Projekt werden uns helfen, die Anwendungen zu identifizieren, in denen wir solche Batteriesysteme am wirtschaftlichsten betreiben können“, so der Vorstandsvorsitzende von RWE Generation, Roger Miesen.

Wiederverwendung  im Blick

Wie viel Potenzial in eigentlich schon aussortierten Batterien liegt, haben kürzlich auch Forschende des Worcester Polytechnic Institute bewiesen.  Im Fokus der Studie dabei: Das Recycling von gebrauchten Lithium-Ionen-Batterien. Dabei verglichen sie die Leistungsfähigkeit von recycelten Lithium-Ionen-Batterien mit der von Batterien aus Materialen in erster Nutzung und kamen zu dem Ergebnis, dass die recycelten Ausführungen mindestens genauso leistungsfähig seien wie neue handelsübliche Materialien und die Leistung dieser sogar übertreffen können.
Nachdem die Anzahl der Elektro-PKWs stetig steigt, sind solche Projekte, in welchen die Batterien Wiederverwendung finden, sehr interessant. Laut dem deutschen Öko-Institut könnten im Jahr 2050 weltweit 80 Prozent aller neu zugelassenen PKWs alternative Antrieben wie etwa Elektromotoren haben. Durch das Wachstum bei elektrischen Fahrzeugen wird auch der globale Bedarf an Batterien weiter ansteigen. Das Öko-Institut schätzt, dass künftig Jahreskapazitäten in Höhe von 6.600 Gigawattstunden nötig sein werden. Das führt allein bis zum Jahr 2030 zu einer deutlich erhöhten Nachfrage bei Lithium, Kobalt und Nickel – mit all den Umweltauswirkungen, die mit deren Anbau einhergehen.
Insbesondere bei dem nun aktuell laufenden Pilotprojekt von Audi und RWE  könnte somit zwei Herausforderungen begegnet werden: Eine Wiederverwendung von Batterien und so eine Reduzierung des Bedarfes nach neuen  und der damit verbundenen Rohstoffe und zum anderen, die Speicherung von Energie um die Versorgung sicherzustellen. Wie sich das Vorhaben am Ende auch in der Praxis am Besten umsetzen lässt, wird sich zeigen.
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