Finanzierungsrunde

Orbital Industries holt 50 Millionen Dollar für KI-Rechenzentrum-Hardware

Das Team von Orbital Industries. © Orbital Industries
Das Team von Orbital Industries. © Orbital Industries

Orbital Industries hat eine Series-B-Finanzierung über 50 Millionen Dollar abgeschlossen. Das Londoner Unternehmen entwickelt industrielle Hardware mithilfe von KI – von der Materialsimulation bis zum fertigen Produkt. Die Runde wird von Plural angeführt. Beteiligt sind auch die Bestandsinvestoren NVentures (Nvidia), Radical Ventures, Compound und Fly Ventures. Das frische Kapital soll in die Skalierung der Data-Center-Infrastruktur, den Ausbau des Teams sowie die Weiterentwicklung der KI-Plattform für industrielle Anwendungen über Rechenzentren hinaus fließen.

Gegründet wurde Orbital Industries von CEO Jonathan Godwin, der knapp ein Jahrzehnt in der KI-Forschung tätig war – darunter fünf Jahre bei DeepMind mit Fokus auf KI für Wissenschaft, Engineering und Materialforschung. An seiner Seite steht CTO James Gin-Pollock, ein mehrfacher Gründer im KI-Bereich. Ergänzt wird das Team durch COO Daniel Miodovnik mit Erfahrung in Finanzen, Government-AI und Beratung für die Vereinten Nationen.

Das Gründerteam vertritt die These, dass Fortschritte in der KI grundlegend verändern, wie industrielle Unternehmen entwickelt und betrieben werden. Statt Materialentwicklung, Engineering und Fertigung als getrennte Schritte zu betrachten, integriert Orbital diese Prozesse in ein einheitliches KI-gesteuertes System. Ziel ist es, kleinere, hochspezialisierte Teams zu ermöglichen, die industrielle Technologien schneller zur Marktreife bringen.

Kühlung als Engpass der KI-Ära

Der Markteintritt erfolgt über Orbital IT, die kommerzielle Marke für Data-Center-Infrastruktur in einer mehrere hundert Milliarden US-Dollar schweren Industrie, die in den kommenden Jahren stark wachsen soll. Steigende KI-Rechenleistung und zunehmende GPU-Dichte treiben bestehende Infrastrukturen zunehmend an ihre Grenzen. Stromversorgung, Kühlung und Deployment entwickeln sich dabei zu zentralen Engpässen beim Skalieren moderner KI-Systeme.

Orbital Industries hat eine dielektrische Kühlflüssigkeit sowie ein Kühlsystem für Next-Generation-GPUs entwickelt. Die Flüssigkeit kommt ohne PFAS (Ewigkeitschemikalien) aus und erfüllt damit verschärfte regulatorische Anforderungen in den USA und Europa.

Typischerweise dauert die Entwicklung neuer Kühlmittel mehrere Jahre bis hin zu einem Jahrzehnt. Der KI-gesteuerte Ansatz des Unternehmens soll diesen Prozess deutlich beschleunigen. Nach Unternehmensangaben arbeitet Orbital mit führenden Data-Center- und Cloud-Betreibern wie AWS zusammen, um Kühlungs- und Effizienztechnologien für Hyperscale-Rechenzentren zu entwickeln.

KI-Engine simuliert 100.000 Atome auf einer GPU

Möglich wird das durch Orb, die KI-Engine des Unternehmens zur Simulation atomarer und quantenmechanischer Systeme. Nach Angaben von Orbital Industries kann das Modell bis zu 100.000 Atome auf einer einzelnen GPU simulieren – in einem Bereich, in dem andere Modelle an ihre Grenzen stoßen.

Das System soll laut Unternehmen bis zu zehnmal schneller sein als vergleichbare Ansätze und dabei auch Modelle großer Technologieunternehmen und Forschungslabore übertreffen.

Dadurch lassen sich komplexe Simulationen, die traditionell Wochen dauern, deutlich beschleunigen. Unabhängige Benchmarks sollen zudem eine hohe Stabilität und Genauigkeit der Ergebnisse zeigen, sodass sie für wissenschaftliche Anwendungen nutzbar sind.

Modulare Rechenzentren in sechs Monaten

Parallel hat Orbital Industries ein modulares Data-Center-System entwickelt, das mithilfe von KI für die Anforderungen hoher Rechendichte bei Next-Generation-GPUs optimiert ist. Das System soll nach Unternehmensangaben das Deployment neuer KI-Infrastruktur auf rund sechs Monate verkürzen – im Vergleich zu branchenüblichen Zeiträumen, die häufig mehrere Jahre betragen.

Die außerhalb des Standorts vorgefertigten und als einsatzbereite Einheiten gelieferten Systeme ermöglichen es Betreibern, Rechenkapazitäten für hochdichte KI-Workloads deutlich schneller in Betrieb zu nehmen – zu einer Zeit, in der die Nachfrage das bestehende Infrastrukturangebot übersteigt.

Expansion und langfristige Industrieambitionen

Mit einem wachsenden Team von 50 Mitarbeitenden skaliert Orbital Industries seine Produkte für den kommerziellen Einsatz. Die langfristige Ambition reicht über Rechenzentren hinaus in Sektoren wie Halbleiter, kritische Mineralien, Aerospace und Energie.

CEO Jonathan Godwin erklärt: „Wenn Menschen sich eine bessere Zukunft vorstellen, denken sie an physische Dinge: Technologien, die ihnen mehr Freiheit, mehr Zeit, mehr Leben geben. KI wird uns schneller dorthin bringen. Frontier AI gibt uns PhD-Level-Expertise über alle Disziplinen hinweg, was bedeutet, dass kleine, agile Teams von der Materialentdeckung bis zur kommerziellen Hardware auf eine Weise vorankommen können, die vorher einfach nicht möglich war, sodass das, was früher ein Jahrzehnt dauerte, wir jetzt in Monaten schaffen können.“

Ian Hogarth, Partner bei Plural, ergänzt: „Der KI-Fortschritt wird jetzt durch die physische Welt eingeschränkt: durch Energie, Hitze und Infrastruktur. Orbital Industries geht diese Beschränkungen direkt an, mit Durchbrüchen wie seiner KI-designten Kühlflüssigkeit, die die nächste Generation von GPUs ermöglicht.“

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