FIW-Forschungskonferenz

Schramböck: „Wir dürfen nicht protektionistisch sein, aber auch nicht naiv“

Margarete Schramböck sprach über das Kaufhaus Österreich. © BMDW/Hartberger
Margarete Schramböck sprach über das Kaufhaus Österreich. © BMDW/Hartberger

Die Frage, wie sich die Wirtschaft und der Handel nach COVID-19 entwickeln wird, ist eine große – und auch eine weitgehend unbeantwortete. Dass E-Commerce und die Digitalisierung vieler weiterer Bereiche beschleunigt wurde, ist die einfache Antwort. Schwieriger ist eine zu finden, wie Österreich und die EU bei Zukunftstechnologien wie Chips, Elektroantrieben oder Wasserstoff dastehen werden.

„Wir dürfen nicht protektionistisch sein, aber auch nicht naiv“, sagte  Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck am Donnerstag im Rahmen der 13. FIW-Forschungskonferenz in einer Online-Diskussion mit Starökonom Richard Baldwin. Bei Themen wie Halbleitern oder Wasserstoffantrieb müsse die EU zur Weltspitze aufschließen. „Es ist wichtig, nicht nur das Know-How hier zu haben, sondern auch zu einem gewissen Ausmaß die Produktion. Immerhin gingen Produktion sowie Forschung und Entwicklung Hand in Hand.“

FDI-Screenings: “Wir entkoppeln unsere Startups von wichtigem Kapital”

Die Diskussion, die da im Hintergrund steht, ist auch jene um das 2020 eingeführte Investitionskontrollgesetz (InvKG). Denn dieses bedeutet, dass das Wirtschaftsministerium Direktinvestitionen jenseits der 25 Prozent (in kritisch definierten Bereichen wie Verteidigung, Energie, digitale Infrastruktur, Wasser, Datensouveränität, Medizin, Arzneimittel oder Impfstoffe sogar ab 10 Prozent) untersagen kann. Auch die Übernahme des Grazer-Robotik-Spezialisten incubed IT durch den US-Telekomriesen Verizon könnte durch diese FDI-Screenings („Foreign Direct Investment“) noch blockiert werden.

Dienstleistung folgt Produktion

Auf großer internationaler Ebene ist deswegen auch die geplante Übernahme des britischen Chip-Unternehmens ARM durch den US-Riesen Nvidia zum großen Streitpunkt geworden. ARM-Mitgründer Hermann Hauser will diese Übernahme verhindern – ansonsten würde Großbritannien zum Vasallen der USA, und Europa würde die letzte große Chip-Firma an die USA verlieren.

Hermann Hauser: “Wenn wir unsere Unabhängigkeit behalten wollen, dann kostet es eben 100 Milliarden”

Hardware wie eben die Halbleiter-Produktion ist aber nur die eine Herausforderung, die auf die EU verschärft zukommt, die andere ist das gute alte Datenthema. Ökonom Baldwin sagt voraus, dass nach der Güterproduktion nunmehr auch Dienstleistungswertschöpfungsketten entflochten und international handelbar würde. Beim Home-Office mache es keinen Unterschied, in welchem Land man sitze, und wenn Firmen das flächendeckend erkennen, dann würde das durch die geringeren Kosten der Arbeitserbringung getrieben werden. Für die Handelspolitik bedeute das, dass Datenflüsse und Fragen des Datenschutzes eine immer wichtigere Rolle spielen werden.

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