EcoAustria-Studie

So könnte sich der hohe Gaspreis auf Österreichs Wirtschaft auswirken

Die österreichische Industrie verbraucht über die Hälfte des Erdgases.

Österreich ist von russischem Erdgas abhängig. Allein im letzten Jahr wurde Gas im Wert von 4,2 Milliarden Euro importiert. 86 Prozent des importierten Erdgases stammt dabei aus den GUS-Staaten, der größte Teil aus Russland (wir berichteten). Durch den Krieg in der Ukraine wurde diese Abhängigkeit noch einmal gefährlicher. Nach dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine in der Nacht zum 24. Februar, kam es zu einem rasanten Anstieg der Gaspreise.

Zeitweise erreichten diese am 25. Februar 2022 untertags am Spotmarkt  fast 300 Euro per Megawattstunde. Zum Vergleich: Auch wenn die Preise gegen Ende des Jahres 2021 bereits signifikant anstiegen, wurden im Jahr 2021 Sommer- und Winterlieferungen für das Jahr 2022 im Schnitt um etwa 33 Euro gehandelt (Quelle: PEGAS CEGH Gas Exchange). Im Jänner und Februar 2022 schwankte er zwischen 70 Euro und 90 Euro.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria hat nun die ökonomischen Folgen des Ukrainekrieges für die österreichische Volkswirtschaft analysiert. In der Kurzstudie wird der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen mit dem Erdgaspreisanstieg und einem Aussetzen von Exporten nach Russland und der Ukraine verbunden sind.

Ausblick: Was passiert, wenn Russland den Gashahn abdreht

In der Analyse wird von einem deutlichen Erdgaspreisanstieg ausgegangen. Das Institut ermittelte im positiveren Hauptszenario einen Gaspreis-Anstieg auf im Schnitt 80 Euro je Megawattstunde im Jahr 2023. Ein zweites Szenario geht von einem dauerhafteren Preiszuwachs aus: Für das Jahr 2023 wird ein Preis von rund 130 Euro im Schnitt angenommen.

Vergleichbar geringe Auswirkungen hat ein Exportrückgang österreichischer Waren nach Russland oder in die Ukraine. Österreichs Bruttoexporte (Waren und Dienstleistungen) nach Russland und in die Ukraine belaufen sich auf rund 0,9 Prozent des BIP, wobei die heimische Wertschöpfung daran nur einen Anteil von 55 Prozent ausmacht. Der Rest stammt, berücksichtigt man die internationalen Wirtschaftsverflechtungen, aus anderen Ländern.

Arbeitslosigkeit steigt an

Die EcoAustria-Analyse dieser beiden Schocks zeigt, dass bereits im Hauptszenario der wirtschaftliche Aufschwung nach der COVID-19-Pandemie erheblich gedämpft wird. Denn Erdgas spielt für die produzierende Industrie in Österreich eine wichtige Rolle, mehr als die Hälfte des Erdgases wird dort verbraucht, während für das Heizen etwa nur rund ein Viertel verwendet wird. Somit ist die österreichische Industrie laut Studie überdurchschnittlich stark von Erdgasimporten abhängig. Unternehmen stünden dabei vor dem Problem, dass ihnen durch die steigenden Energiekosten ein Wettbewerbsnachteil entsteht, was sich wiederum negativ auf Nachfrage ausschlägt. Entsprechend weniger wird produziert.

So berechneten die Expert:innen von EcoAustria im ersten Modell, dass die allgemeine Beschäftigung in den nächsten Jahren gegenüber dem Basisszenario um etwa 40.000 Personen niedriger ausfallen dürfte. Die Arbeitslosigkeit könnte bis zu 30.000 Personen zulegen und die Investitionen branchenübergreifend um 3 Prozent einbrechen. Das BIP würde in diesem und nächstem Jahr um etwa 1,3 Prozent niedriger ausfallen, als im Szenario ohne Ukraine-Russland-Krieg.

Entwicklung und Prognose des Gaspreises.
Entwicklung und Prognose des Gaspreises.

Im Szenario mit einem höheren Durchschnittspreis von 130 Euro pro Megawattstunde könnte im Jahr 2023 die Beschäftigung um rund 60.000 Personen niedriger sein als im Szenario ohne Krise, die Arbeitslosigkeit legt gemäß Modellsimulation um mehr als 35.000 Personen zu. Die Investitionstätigkeit der Unternehmen wird hiervon noch kräftiger betroffen sein. Das BIP würde im kommenden Jahr um knapp 8 Mrd. Euro niedriger.

Einkommen dürften sinken

Die Krise schlägt sich auch in den verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte nieder, die zusätzlich von einer deutlich höheren Inflation betroffen sind. Die Preiserhöhung bei Erdgas führt zu höheren Produktionskosten, die den Preisauftrieb dementsprechend verstärken. Darüber hinaus legen die Kosten für elektrische Energie zu, da auch bei der Stromerzeugung Erdgas eine bedeutende Rolle spielt. So erhöht sich der Strompreis nur aufgrund des Anstiegs der Erdgaspreise im ersten Szenario in den beiden Jahren 2022 und 2023 um über 25 Prozent gegenüber des Strompreises des Jahres 2019. Die realen Nettoeinkommen gehen als Folge um etwa 1,5 bis 1,6 Prozent zurück, wobei der Effekt im Schnitt bei höheren Qualifikationen stärker ausgeprägt ist.

Haushalte: Energiesparen als privater Boykott von russischem Erdgas

Im zweiten Szenerio ist der Einkommensrückgang entsprechend stärker ausgeprägt. Im Jahr 2023 rechnet die EcoAustria etwa mit Rückgängen (netto) von 2,4 bis 3,3 Prozent. Auch in diesem Szenario sind hoch ausgebildete Arbeitnehmer:innen stärker betroffen.

Abschaffung der CO2-Steuer als Tropfen auf den heißen Stein

In der Studie werden allerdings auch Handlungsempfehlungen gegeben, mit denen die Krise abgemildert werden könnte. So könnten sozial schwache Haushalte gestützt werden, indem monatliche Zahlungen etwa für Energiekosten beigesteuert werden.  Die österreichische Bundesregierung hat bereits angekündigt, 15 Millionen Euro für Menschen zur Verfügung zu stellen, die stark von Energiearmut betroffen sind.

Ein Aussetzen der CO2-Steuer ist laut EcoAustria aus derzeitiger Sicht kein adäquates Mittel, um die Kostensteigerungen aufzufangen. Der Vorschlag wurde von der Wirtschaftskammer in die Debatte eingebracht, NGOs reagierten mit harter Kritik (wir berichteten). Wichtig wäre laut den Expert:innen der EcoAustria eher, bürokratische Hürden abzubauen, die die Investitionen in erneuerbare Energien behindern.

Österreich und das russische Erdgas

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