Südkorea

Speicherchip-Riese SK Hynix könnte zweitgrößten Börsengang aller Zeiten nach SpaceX abliefern

© SK Hynix
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Der südkoreanische Speicherchip-Riese SK Hynix bringt am Freitag seine American Depositary Receipts (ADRs) an die Nasdaq – und könnte dabei je nach finaler Preisfestsetzung zwischen 24,5 und 28 Milliarden US-Dollar einsammeln. Damit wäre es die zweitgrößte Aktienplatzierung der Geschichte, hinter dem SpaceX-Börsengang vom Juni. Das Timing ist heikel: Das Listing fällt mitten in eine Korrektur der Halbleiter-Aktien und gilt als Gradmesser dafür, wie viel Appetit institutionelle Investoren auf AI-Infrastruktur noch haben.

Es ist ein Deal der Superlative: SK Hynix, nach Marktkapitalisierung die Nummer zwei an der Börse in Seoul, gibt 17,79 Millionen neue Aktien aus – rund 2,5 Prozent des Grundkapitals –, die in Form von 177,9 Millionen ADRs unter dem Ticker SKHY an der Nasdaq gehandelt werden. Zehn ADRs entsprechen dabei einer Stammaktie, womit ein einzelnes Papier bei rund 150 US-Dollar liegen dürfte – ein Preisniveau, das bewusst an Nvidia oder Micron erinnert und die Zugänglichkeit für US-Investoren erhöhen soll.

Wird der Ausgabepreis nahe dem Schlusskurs von Seoul festgelegt, fließen SK Hynix rund 24,5 Milliarden Dollar zu; ursprünglich waren bis zu 29 Milliarden Dollar im Gespräch, ehe die Aktie zuletzt deutlich korrigierte. Zum Vergleich: Nur SpaceX hat mit seinem IPO im Juni 2026 (rund 75 Milliarden Dollar, inklusive Mehrzuteilung bis zu 85,7 Milliarden Dollar) jemals mehr Kapital auf einen Schlag eingesammelt. Unter den US-Listings ausländischer Unternehmen läge SK Hynix knapp hinter Alibabas 25-Milliarden-Dollar-IPO von 2014.

Wichtig für die Einordnung: Streng genommen handelt es sich nicht um einen klassischen Börsengang, sondern um ein Zweitlisting mit Kapitalerhöhung – SK Hynix ist seit Jahrzehnten an der Korea Exchange notiert. Am Rekordcharakter der Platzierung ändert das wenig.

Siebenfach überzeichnet – trotz Chip-Ausverkauf

Die Nachfrage ist enorm: Laut Bloomberg war das Orderbuch mehr als siebenfach überzeichnet, insgesamt sollen Zeichnungswünsche über rund 171,5 Milliarden Dollar eingegangen sein – von Long-only-Fonds, Tech-Fonds, Staatsfonds und Asien-Spezialisten. Als Ankerinvestoren haben der britische Vermögensverwalter Baillie Gifford (seit 2000 an SK Hynix beteiligt), der US-Hedgefonds Coatue Management und Situational Awareness Partners – der AI-Fonds des ehemaligen OpenAI-Forschers Leopold Aschenbrenner – Interesse an bis zu 7 Milliarden Dollar signalisiert. Als Konsortialführer agieren Goldman Sachs, Citigroup, Bank of America und JPMorgan.

Gleichzeitig ist das Umfeld alles andere als komfortabel. Die SK-Hynix-Aktie notiert rund 30 Prozent unter ihrem Rekordhoch von Ende Juni, auch US-Konkurrent Micron hat scharf korrigiert. Am Markt wird offen diskutiert, ob der AI-Capex-Zyklus seinen Höhepunkt erreicht hat. Die UBS empfiehlt Kunden sogar einen Arbitrage-Trade: ADRs kaufen, die in Korea gelisteten Aktien leerverkaufen – was in Seoul Sorgen vor Kapitalabflüssen schürt. Ob das Listing trotz dieser Gemengelage glückt, wird deshalb weit über SK Hynix hinaus als Signal gelesen: Hält die institutionelle Nachfrage nach AI-Infrastruktur-Titeln, oder kippt die Stimmung?

Für SK Hynix selbst geht es auch um eine Neubewertung. Die Aktie wird mit einem Forward-KGV von rund 6 gehandelt – ein Abschlag gegenüber Micron und ein klassischer Fall des „Korea-Discounts“. Mit dem Nasdaq-Listing winkt zudem die mögliche Aufnahme in den Nasdaq-100 bei der Index-Überprüfung im Dezember, was passive Zuflüsse aus ETFs wie dem Invesco QQQ auslösen würde.

Die größten Börsengänge und Listings aller Zeiten

Rang Unternehmen Jahr Börse Emissionserlös (ca.)
1 SpaceX 2026 Nasdaq 75,0 Mrd. $ (bis 85,7 Mrd. $ inkl. Greenshoe)
2 SK Hynix* 2026 Nasdaq 24,5–28 Mrd. $ (erwartet)
3 Saudi Aramco 2019 Tadawul 25,6 Mrd. $ (bis 29,4 Mrd. $ inkl. Greenshoe)
4 Alibaba 2014 NYSE 25,0 Mrd. $
5 SoftBank Corp 2018 Tokio 23,5 Mrd. $
6 Agricultural Bank of China 2010 Shanghai/Hongkong 22,1 Mrd. $
7 ICBC 2006 Shanghai/Hongkong 21,9 Mrd. $
8 AIA Group 2010 Hongkong 20,5 Mrd. $
9 Visa 2008 NYSE 19,7 Mrd. $
10 General Motors 2010 NYSE 18,1 Mrd. $

*SK Hynix: Zweitlisting mit Kapitalerhöhung, kein klassischer IPO; finaler Erlös hängt von der Preisfestsetzung ab. Angaben je nach Quelle mit oder ohne Mehrzuteilungsoption (Greenshoe), nicht inflationsbereinigt.

Was macht SK Hynix eigentlich – und für wen?

SK Hynix ist neben Samsung und Micron einer von drei großen Herstellern von Speicherchips weltweit – und im entscheidenden Segment der Marktführer: High Bandwidth Memory (HBM). Diese gestapelten, extrem schnellen Speicherbausteine sitzen direkt neben den GPU-Chips in AI-Rechenzentren und sind der Flaschenhals des gesamten AI-Booms. Ohne HBM kein Training und kein Betrieb großer AI-Modelle – die Kapazitäten der Branche sind auf Jahre hinaus ausverkauft.

Die wichtigsten Kundengruppen im Überblick:

  • Nvidia ist der mit Abstand größte Abnehmer: SK Hynix liefert HBM3E- und HBM4-Speicher für die AI-Beschleuniger des GPU-Marktführers und gilt hier als bevorzugter Lieferant vor Samsung und Micron.
  • AMD und Broadcom beziehen HBM für ihre AI-Chips – Broadcom vor allem für die Custom-Chips (ASICs), die es für Hyperscaler wie Google entwickelt.
  • Cloud-Konzerne wie Microsoft, Google, Amazon und Meta sind indirekt und direkt Großkunden: über die AI-Server, die mit SK-Hynix-Speicher bestückt sind, sowie über Server-DRAM und Enterprise-SSDs für ihre Rechenzentren. Letztere kommen auch von der US-Tochter Solidigm, die SK Hynix 2021 von Intel übernommen hat.
  • Smartphone- und PC-Hersteller, darunter Apple, kaufen mobiles DRAM und NAND-Flash-Speicher – das klassische, zyklischere Geschäft, das durch den AI-Boom zuletzt in den Hintergrund gerückt ist.

Der Emissionserlös fließt vollständig in den Kapazitätsausbau in Südkorea: Rund 20,5 Milliarden Dollar sind für die erste Fab im neuen Halbleiter-Cluster Yongin vorgesehen, etwa 12,5 Milliarden Dollar für das Advanced-Packaging-Werk P&T7 in Cheongju und rund 7,9 Milliarden Dollar für EUV-Lithografie-Maschinen des niederländischen Ausrüsters ASML. SK-Group-Chairman Chey Tae-won läutet die Eröffnungsglocke an der Nasdaq persönlich – und will das Unternehmen dabei vom Image des zyklischen Commodity-Herstellers zum unverzichtbaren AI-Infrastruktur-Konzern umpositionieren. Ob die Börse diese Erzählung kauft, zeigt sich ab Freitag.

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