Living Carbon

Startup will mit genetisch modifizierten Bäumen mehr CO2 speichern

Das Startup Living Carbon arbeitet an genetisch modifizierten Bäumen, die CO2 schneller und besser aufnehmen können. © Livin Carbon

Der Mensch betreibt Pflanzenzucht seit Tausenden von Jahren – etwa um den Ertrag zu steigern, resistentere Sorten zu finden oder schönere Blüten zu erhalten. Das US-Startup Living Carbon konzentriert sich bei ihrer Zucht auf eine neue Eigenschaft, die immer wichtiger für die Menschheit werden dürfte: Die Fähigkeit, CO2 zu binden. Das 2019 gegründete Startup veröffentlichte dazu im Februar eine Studie, die deutliche Unterschiede ihrer Pflanzen bei der CO2-Bindung zeige.

Bäume scheiden durch Lichtatmung CO2 aus

Laut der Preprint-Studie, die noch einem Peer-Review unterzogen werden muss, können diese Pflanzen dank ihres schnellen Wachstums in vier Monaten 27 Prozent mehr CO2 aufnehmen und 53 Prozent mehr Biomasse bilden als nicht modifizierte Exemplare. Dabei setzen die Forscher:innen auf eine Eigenschaft, die sich Photorespiration oder Lichtatmung nennt. Die meisten Pflanzen scheiden bei der Photosynthese nämlich auch gewisse Mengen an CO2 wieder ab, um Giftstoffe abbauen zu können.

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Das geschieht jedoch nicht bei allen: Rund 15 Prozent der Pflanzen, wie etwa Mais oder Zuckerrohr, kommen ohne Photorespiration aus. Das erlaubt den Pflanzen, mehr Kohlendioxid aufzunehmen und schneller und größer zu wachsen. Living Carbon macht sich das Prinzip zu eigen, um nun selbst möglichst CO2-effiziente Pflanzen zu züchten. CEO Maddie Hall verrät in einer Aussendung auch den Grund dafür: „Wir haben den Punkt überschritten, an dem die Reduzierung von Emissionen allein ausreichen wird, um unsere Ökosysteme wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Forschung ist nur der erste Schritt, um zu zeigen, wie der verantwortungsvolle Einsatz von Biotechnologie in Bäumen eine skalierbare und tragfähige Lösung für die Klimakrise sein kann.“

 

Auch die Technik ist an sich nicht neu: Die genetische Modifikation zur Unterdrückung von Lichtatmung wurde eigentlich für Tabakpflanzen entwickelt. Living Carbon extrahiert dazu etwa Gene aus Grünalgen und setzt sie in ihre eigenen Testpflanzen ein. Im Laborversuch konnten so bereits vielversprechende Ergebnisse erzielt werden. Im weiteren Schritt werden nun in einer vierjährigen Forschungspartnerschaft mit der Oregon State University eine bestimmte Pappel- und Kieferart in freier Natur getestet. Zudem stellt Living Carbon ihre Bäume Landbesitzer:innen in Pennsylvania, Georgia und Kalifornien zu Testzwecken zur Verfügung.

Living Carbon arbeitet an langsam verrottenden Bäumen

Ein großes Problem muss das Startup allerdings noch lösen, denn die Speicherung von CO2 in Bäumen ist nicht besonders langfristig. Stirbt der Baum ab und verrottet, wird das ganze gespeicherte Kohlendioxid nämlich wieder in die Atmosphäre entlassen. Das Startup will daher nun Gene finden, die diesen Zersetzungsprozess verlangsamen, wie sie in einem Interview mit Techchrunch verraten. Damit soll der Speicherzyklus immerhin verlängert werden.

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Das Unternehmen konnte in einer ersten Investitionsrunde bereits 15 Millionen Dollar (14 Millionen Euro) einnehmen. Bisher pflanzten sie im Forschungsprojekt mit der Oregon State University mehr als 600 modifizierte Bäume, private Grundeingentümer:innen stellten weitere 12 Quadratkilometer zu Testzwecken zur Verfügung. Zudem arbeitet Living Carbon auch an Bäumen, die Schwermetalle aus dem Boden aufnehmen können. In Zukunft könnte sich das Startup auch auf andere Pflanzen wie etwa Moose spezialisieren, um etwa ausgetrocknete Moore wieder schneller zu renaturieren.

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