Öko-Institut

Studie: Mehr Homeoffice könnte bis zu 3,7 Mio. Tonnen Emissionen jährlich einsparen

Homeoffice ist in Zeiten von Corona kaum noch wegzudenken. ©Walling/Unsplash

Homeoffice – für manche hat sich dadurch in den letzten Jahren eine Tür zu ganz neuen Möglichkeiten geboten, manche verfluchen das Arbeiten von zuhause. Sicher ist laut einer Studie von vergangenem Juni jedoch, der Zuwachs von Homeoffice hat deutlich CO2 eingespart. Die britische Umweltorganisation Carbon Trust berechnete in ihrer Studie, dass alleine im Zeitraum von März 2020 bis März 2021 in Deutschland pro Person im Homeoffice im Jahr 1114 Kilogramm CO2-Emissionen verhindert werden konnten. Vor dem genannten Zeitraum lag die Zahl noch bei 663 Kilogramm. Für 2021 rechneten die Studienautor:innen verhinderten Emissionen von 800 Kilogramm pro Person im Homeoffice und für 2022 mit rund 700 Kilogramm pro Person im Homeoffice pro Jahr aus, wir berichteten.

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Auch wenig Homeoffice wirkt sich bereits auf Klimabilanz aus

Diesen positiven Einfluss von Homeoffice auf den Klimaschutz bestätigte nun auch eine Studie des Öko-Institut e.V. Diese kamen zu dem Ergebnis: Mit mehr Homeoffice können bis zu 3,7 Millionen Tonnen klimaschädliche Treibhausgase pro Jahr eingespart werden, so die Forschenden. Dabei ging das Institut davon aus, dass 70 Prozent der deutschen Arbeitnehmer:innen während der Corona-Pandemie ganz oder teilweise im Homeoffice gearbeitet haben. Somit hat sich nicht nur die Ansteckungsgefahr auf der Arbeit gemindert, sondern auch die Verkehrsemissionen wurden gesenkt.

Doch obwohl vielleicht Emissionen durch den ausbleibenden Verkehr gespart werden, müssen im Homeoffice trotzdem zusätzliche Räume beheizt und technisches Equipment betrieben werden. Deshalb verglichen die Wissenschaftler:innen des Öko-Instituts die verkehrsbedingten Emissionen, mit denen im Homeoffice. Dabei stellten sie wenig überraschend fest, dass je nach Ausstattung des Arbeitsplatzes die CO2-Bilanz unterschiedlich ausfällt. Dabei kommt es laut der Studie nämlich auch darauf an, wieviel des Equipments bereits von dem Unternehmen bereitgestellt wird.

Laut den Forschenden, sind Firmenlaptops deutlich emissionssparender, da sie nicht neu angeschafft werden müssen. Sie kommen auf lediglich 18 Kilogramm CO2 pro Jahr. Wird der Heimarbeitsplatz jedoch komplett neu ausgestattet und zudem zusätzlich zum Büroplatz beleuchtet und beheizt, steigen die CO₂-Emissionen auf 307 Kilogramm pro Jahr an, so die Studie.

„Unsere Bilanz zeigt, dass unabhängig von der Wahl des Verkehrsmittels und bereits ab einem Tag Homeoffice pro Woche die Treibhausgasbilanz sinken kann“, so Konstantin Kreye, Experte für Klimaschutz und Mobilität am Öko-Institut in einer Aussendung. „Auch nach der Pandemie kann daher eine Mischung aus Büropräsenz und mobilem Arbeiten aus Umweltgesichtspunkten vorteilhaft sein und selbst im konservativstem Szenario – mit 20 Prozent Homeoffice – rund eine Million Tonnen Treibhausgase einsparen. Das entspricht etwa den Emissionen, die 370.000 Autos durchschnittlich in einem Jahr emittieren.“

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Schattenseiten des Homeoffice

Neben den Umweltauswirkungen untersuchte das Öko-Institut die Arbeit von Zuhause auch auf ihre sozialen Auswirkungen. Wie zu Anfang bereits erwähnt, kamen auch die Forschenden zu dem Ergebnis, dass viele Arbeitnehmer:innen die Vorteile des Homeoffice schätzen. Das liege vor allem an den wegfallenden Pendelwegen, den flexibleren Arbeitszeiten, dem ortsunabhängigen Arbeiten und – gerade für Familien – einer besseren Vereinbarkeit der Kinderbetreuung mit der Arbeit. Somit würden auch Arbeitgeber:innen, die Homeoffice anbieten, attraktiver werden.

Doch die Schattenseite des Arbeitens von Zuhause wird oft vergessen. Auch diese hat die Studie aufgegriffen. Zum einen würde das Arbeits- und Privatleben einfacher vermischt werden, während gleichzeitig Menschen eher das Gefühl haben isoliert zu sein, da das soziale Miteinander fehlt. Zudem könne nicht davon ausgegangen werden, dass alle Arbeitgeber:innen zuhause einen geeigneten Arbeitsplatz zur Verfügung haben. Auch die sonst so gepriesene Ortsunabhängigkeit, könne Nachteile mit sich ziehen. Dadurch würden zwar zum einen die Städte entlastet werden, da auch ländliches Wohnen wieder attraktiver werden würde. Auf der anderen Seite würde aber die Gefahr steigen, dass auf dem Land wiederum dann das Auto Öffentlichen Verkehrsmitteln öfter vorgezogen werden würde. Das würde natürlich den CO2-Vorteil des Homeoffice wieder relativieren.

„Der Querschnitt der von uns ausgewerteten Studie zeigt ein gemischtes Bild der sozialen Auswirkungen von Homeoffice“, so Cara-Sophie Scherf, Expertin für nachhaltiges Wirtschaften am Öko-Institut. „Da viele Beschäftigte angeben auch in Zukunft regelmäßig von zuhause aus arbeiten zu wollen, sollten sich Unternehmen und Organisationen umfassend mit den Chancen, aber auch den Risiken auseinandersetzen.“

Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Wo bleibt bloß das Gesetz dazu?

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