US-Torjäger Folarin Balogun darf trotz Roter Karte spielen: Hat Trump interveniert?
US-Stürmer Folarin Balogun hat nach einem harten Foul gegen Tarik Muharemovic die Rote Karte gesehen. Im Achtelfinale gegen Belgien darf er dennoch spielen – die FIFA setzte die Sperre zur Bewährung aus. Berichten zufolge soll US-Präsident Donald Trump persönlich bei FIFA-Chef Gianni Infantino interveniert haben.
Der Weltfußballverband FIFA hat am Sonntag überraschend die Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun aufgehoben. Der 25-Jährige war im Sechzehntelfinale beim 2:0-Sieg der USA gegen Bosnien-Herzegowina nach einem Tritt auf die Ferse von Gegenspieler Tarik Muharemovic mit Rot vom Platz gestellt worden, und zwar nach VAR-Überprüfung durch den brasilianischen Schiedsrichter Raphael Claus. Normalerweise zieht ein Platzverweis eine automatische Sperre für mindestens ein Spiel nach sich. Nun darf Balogun am Dienstag (2.00 Uhr MESZ) im Achtelfinale gegen Belgien im Lumen Field in Seattle auflaufen.
Anruf aus dem Weißen Haus?
Für zusätzliche Brisanz sorgen Medienberichte über die Umstände der Entscheidung. Wie „The Athletic“ und die Nachrichtenagentur AP übereinstimmend berichten, soll US-Präsident Donald Trump persönlich bei FIFA-Präsident Gianni Infantino angerufen haben, um sich für eine Aufhebung der Sperre einzusetzen. Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen hätten diesen Ablauf bestätigt. Weder die FIFA noch das Weiße Haus haben sich bislang dazu geäußert.
Trump selbst reagierte umgehend öffentlich: Auf seiner Plattform Truth Social bedankte er sich bei der FIFA dafür, das Richtige getan und eine „große Ungerechtigkeit“ korrigiert zu haben. Der US-Präsident, der bisher bei keinem WM-Spiel im Stadion war, wird spätestens zum Finale am 19. Juli in East Rutherford bei New York erwartet.
FIFA beruft sich auf Artikel 27
Die FIFA begründete ihre Entscheidung mit Artikel 27 des Disziplinarreglements, wonach der Vollzug einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise ausgesetzt werden kann. Baloguns Sperre werde demnach für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Sollte sich der Angreifer in diesem Zeitraum einen weiteren Verstoß gleicher Art und Schwere zuschulden kommen lassen, würde die Sanktion vollstreckt.
Einen Präzedenzfall für die Anwendung des Bewährungsparagrafen gibt es: Im vergangenen Jahr hatte die FIFA bei Portugals Kapitän Cristiano Ronaldo die letzten beiden Spiele einer Dreispielesperre ausgesetzt, die nach einem Platzverweis im vorletzten Qualifikationsspiel gegen Irland verhängt worden war. Ronaldo konnte dadurch bei den ersten WM-Spielen seiner Mannschaft mitwirken. Der entscheidende Unterschied: Bei Ronaldo wurde die Sperre lediglich verkürzt – er musste ein Spiel aussetzen. Bei Balogun wird sie de facto komplett aufgehoben. Die vollständige Aussetzung einer Rot-Sperre ist bei diesem Turnier ein Novum.
Belgien spricht von Widerspruch zum Reglement
Beim kommenden Gegner sorgte die Entscheidung für Erstaunen – und für scharfe Kritik. Der belgische Fußballverband kündigte an, alle Optionen zu prüfen, um die Rechte aller teilnehmenden Mannschaften zu wahren und die Grundprinzipien des Fair Play zu schützen. Die Belgier verweisen dabei auf Artikel 66.4 des FIFA-Disziplinarreglements sowie auf Artikel 10.5 des Turnierreglements. Beide Bestimmungen sehen demnach vor, dass eine Rote Karte automatisch eine Sperre für das nächste Spiel der Mannschaft nach sich zieht – so sei es auch bei allen bisherigen Platzverweisen dieser WM gehandhabt worden. Die FIFA-Entscheidung stehe damit in direktem Widerspruch zu den geltenden Bestimmungen.
Belgiens Teamchef Rudi Garcia kommentierte den Vorgang mit beißendem Sarkasmus: Er habe nicht gewusst, dass der 5. Juli bei dieser Weltmeisterschaft offenbar zum Aprilscherz-Tag erklärt worden sei, sagte der Franzose vor Reportern.
USA können mit Bestbesetzung antreten
Aus Sicht der US-Mannschaft ist die Entscheidung sportlich von großer Bedeutung. Balogun gilt neben Christian Pulisic als wichtigster Offensivspieler des Teams. US-Trainer Mauricio Pochettino hatte den Platzverweis von Beginn an als überzogen kritisiert: Für ihn sei das nie eine Rote Karte gewesen, da keinerlei Absicht im Spiel gewesen sei. Durch die Aufhebung der Sperre kann Pochettino im Achtelfinale gegen Belgien auf seine Bestbesetzung zurückgreifen.
Ob der Fall damit abgeschlossen ist, bleibt offen. Sollte Belgien tatsächlich rechtliche Schritte einleiten, könnte die Causa Balogun das Turnier noch länger beschäftigen – und die Frage aufwerfen, wie unabhängig die FIFA-Disziplinargerichtsbarkeit bei dieser Heim-WM des US-Präsidenten agiert.

