Bericht

Web Summit 2022: Startup-Megakonferenz im Zeichen des Crashs

Changpeng Zhao von Binance als Stargast auf der Bühne. © Web Summit
Changpeng Zhao von Binance als Stargast auf der Bühne. © Web Summit

Eigentlich hat alles wie gewohnt begonnen: Auf der Bühne der Altice Arena in Lissabon feuerten eine Handvoll Startups ihre Pitches ab und lieferten dem Publikum ein paar gute Gründe, warum man ihre Software in Zukunft gut brauchen kann. Sogar ein wenig Österreichbezug gab es – immerhin ist der heimische Investor 3VC an einem der pitchenden Startups, nämlich Lokalise, beteiligt. Doch dann wird die größte Tech-Konferenz Europas mit 70.000 Teilnehmer:innen abrupt unterbrochen – von der Technik nämlich.

Denn als sich plötzlich in der Halle mit 20.000er-Kapazität eine Lautsprecher-Box hoch oben aus der Verankerung löst und nur mehr an Kabeln baumelt und unten die Menschen auseinander laufen, ist ein kurzer Moment des Schocks im Raum und die Party-Stimmung vorbei. Zum Glück ist niemandem etwas passiert, und nach einiger Zeit kann die Show dann weitergehen. Währenddessen verlassen aber bereits viele die Halle in Richtung der Abendveranstaltungen, während draußen Menschenschlangen auf Eintritt warten und nicht wissen, wann und ob es weiter geht. Ja, der Start hätte besser laufen können.

Das Thema „Crash“ zieht sich dann weiter durchs Programm. Etwa bei einem der Stargäste des Eröffnungsabends, Changpeng „CZ“ Zhao, dem CEO von Binance. Der umwirbt seit geraumer Zeit die europäischen Märkte, weil er für die größte Krypto-Exchange der Welt das Wohlwollen der Politik und Lizenzen für die europäischen Märkte braucht – immerhin ist der Kontinent einer der wichtigsten Märkte fürs Krypto-Trading. Das Geschäft liegt aber im aktuellen Krypto-Winter nach einem massiven Crash 2022 flach, was natürlich auch zur bohrenden Frage an CZ wird. Doch der machte gute Miene zum bösen Spiel und meint tatsächlich zu den abgestürzten Krypto-Assets:

Krypto? „Das einzig Stabile in diesem sehr dynamischen Umfeld“

„Das ist wahrscheinlich das einzig Stabile in diesem sehr dynamischen Umfeld. Wenn man sich die Technologie ansieht, wenn man sich die Grundlagen von Kryptowährungen ansieht, das begrenzte Angebot, hat sich nichts geändert“, so CZ. Aber klar, natürlich seien die Kurse sehr volatil. Doch über die Jahre hätten Bitcoin und Co immer höhere Levels erreicht, trotz großer Sprünge nach oben und unten. Wie stabil ist die Blockchain-Welt wirklich, darf man sich schon fragen. Das Bitcoin und Ethereum stabil laufen, mag stimmen, nicht aber Blockchains wie Solana oder Terra, die einfach immer wieder mal ausfallen oder komplett abgedreht werden.

Auch zum 500-Millionen-Dollar-Investment von Binance in die Twitter-Übernahme durch Elon Musk äußerte sich CZ. „Wir wollen die freie Meinungsäußerung extrem unterstützen“, sagte er . Das Ziel von Binance sei, „die Freiheit des Geldes zu erhöhen. Und die Meinungsfreiheit kommt vor der Freiheit des Geldes.“ Dass auf Twitter sämtliche Inhalte ohne Restriktionen verbreitet werden dürfen, ist sicher im Interesse von Binance. Das war nicht immer so – 2018 verbot der Kurznachrichtendienst Krypto-Werbung, um die damals grassierenden betrügerischen ICOs in den Griff zu bekommen.

Was Musk, er und die anderen Investor:innen nun mit Twitter vorhätten? Da hält sich CZ bedeckt. „Elon Musk ist für mich schwer einzuschätzen“, Vom Plan, eine monatliche Gebühr von 8 Dollar für die Verifizierung von Twitter einzuführen, hätte er auch erst selber aus den Medien erfahren. Er gehe davon aus, dass Musk Twitter sehr schnell verändern würde, mit einer Vielzahl an Features und ohne großen Masterplan. „Ich erwarte, dass mit Elon an der Spitze die Geschwindigkeit, mit der neue Funktionen eingeführt werden, viel, viel schneller sein wird. Nicht alle von ihnen Bestand haben werden. Ich würde sogar sagen, dass die meisten von ihnen sich nicht durchsetzen werden.“ Zu erwartende Strategie: Vieles an die Wand werfen und schauen, was kleben bleibt.

„Austria Reacts“: Wir podcasten live vom Web Summit über die Top-Trends

Apple will zum Stromanbieter werden

Neben Kryptowährungen und Tech-Startups wird sich der Web Summit schließlich auch stark um das Thema Nachhaltigkeit drehen – angesichts der Klimakatastrophe und der immer größeren Nachfrage nach ClimateTech-Lösungen kein Wunder. „Ich habe es satt, von Unternehmen zu hören, dass sie viel zu tun haben, aber wenn man genauer hinsieht, ist einfach nicht viel los“, sagte Lisa Jackson, Vice President of Environment, Policy and Social Initiatives bei Apple. Und während sie anderen Unternehmen somit zwischen den Zeilen Greenwashing (viel reden, nichts tun) vorwarf, versuchte sie Apple selbst im besten Licht darzustellen.

Apple würde als Unternehmen mitsamt seinen Stores und Datenzentren auf 100 Prozent erneuerbarer Energie laufen. „Aber das ist nicht genug“, so Jackson. „2030 wollen wir CO2-neutral für jedes einzelne Produkt sein, was jeden einzelnen Zulieferer betrifft. Und jetzt wollen wir auch die Energie transferieren, die unsere Kund:innen verwenden, damit auch sie CO2-neutral unsere Produkte nutzen können.“

Hat Jackson da etwa verraten, dass Apple zum Stromanbieter werden könnte? Gerüchte dazu gibt es seit dem Jahr 2016 – als Apple damals erfolgreich einen Antrag bei der US-Energie-Regulierungsbehörde stellte, um künftig Strom aus eigener Erzeugung in verschiedenen Regionen zum Verkauf anzubieten. In Delaware wurde auch eine eigene Tochterfirma namens Apple Energy eingerichtet. Es bleibt abzuwarten, ob das schließlich auch Realität wird – im Zusammenspiel mit einem seit langem kolportierten Apple-E-Auto würde Ökostrom mit Apple-Mascherl durchaus Sinn machen.

Der Web Summit läuft noch bis Freitag, dem 4. November. Vor Ort sind auch mehr als 400 Österreicher:innen, um sich über die neuesten Startup-Trends zu informieren, vor Investor:innen zu pitchen und vor allem – zu netzwerken, was das Zeug hält.

Web Summit 2022: Geballte Austro-Power auf der Startup-Konferenz

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