Analyse

2x bis 5x: Ölkonzerne vervielfachen im Ukrainekrieg ihre Gewinne

An der Tankstelle. © Erik Mclean on Unsplash
An der Tankstelle. © Erik Mclean on Unsplash

Sie würden sich niemals so nennen, aber sie sind es ganz klar: Die großen Ölkonzerne des Planeten sind auch die großen Gewinner des Ukrainekriegs. Dank der stark gestiegenen Öl- und Gaspreise haben Shell, BP, ExxonMobil, Total, ENI, Chevron oder Total Rekordumsätze und vor allem Rekordgewinne im zweiten Quartal 2022 erzielt – also in den Monaten April bis Juni, die vom Ukraine- und Energiekrieg Russlands gegen seinen Nachbarn bzw. gegen den Westen gekennzeichnet waren.

Das Barrel Rohöl in den drei Monaten bis Ende Juni zeitweise über 120 Dollar, das ist höchste Niveau seit 14 Jahren. Dazu stieg der Gaspreis auf bisher unbekannte Höhen, die Megawattstunde (MWh) kostete dieses Jahr um das Sechs- bis Siebenfache im Vergleich zu 2021. Das führt zu satten Gewinnen bei den Öl- und Gasriesen, manche würden sagen: Übergewinne.

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Shell: Verfünffachung des Gewinns

Der Öl- und Erdgas-Riese mit Hauptsitz in London hat im zweiten Quartal 2022 ebenfalls sämtliche Umsatz- und Gewinnprognosen übertroffen. So stieg der Gewinn des Unternehmens um das Fünffache im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf satte 17,7 Milliarden Euro – der bereinigten Gewinn liegt bei 11,5 Mrd. Dollar. Auch bei Shell gab es 2022 ein massives Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 8,5 Mrd. Dollar. Auch bei Shell drückt das gestoppte Russlandgeschäft das Geschäft.

BP: Verdreifachung des Gewinns

Der britische Ölkonzern hat im zweiten Quartal 2022 seinen Gewinn auf 9,3 Mrd. Dollar (9,1 Mrd. Euro) steigen lassen können. Das bereinigte Nettoergebnis stieg von April bis Juni auf 8,45 Mrd. Dollar. Des bedeutet, dass sich der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdreifacht hat. Das ermöglicht es dem Konzern, der in Deutschland unter der Marke Aral unterwegs ist, ein Aktienrückkaufprogramm von 3,5 Milliarden Dollar. Der Ukrainekrieg kostete BP aber auch sehr viel Geld. Im ersten Quartal 2022 wies der Konzern einen Verlust von 20,4 Milliarden Dollar wegen dem Verkauf seiner Anteile am russischen Rosneft-Konzern aus.

ExxonMobil: Vervierfachung des Gewinns

Der größte Ölkonzern der USA legte am Freitag seine Quartalszahlen vor: Der Umsatz stieg um rund 70 Prozent auf 115,7 Milliarden Dollar, der Gewinn legte im Jahresvergleich um rund 13,2 Milliarden Dollar auf stolze 17,9 Milliarden US-Dollar (17,6 Mrd. Euro) zu – das ist das Vierfache.

Chevron: Verdreifachung des Gewinns

Der zweitgrößte US-Ölkonzern hinter ExxonMobil legte ebenfalls am Freitag seine Zahlen vor, und siehe da: Der Gewinn stieg im Jahresvergleich von 3,3 Milliarden auf 11,6 Milliarden Dollar – das ist mehr als eine Verdreifachung.

Total Energies: Verdoppelung des Gewinns

Der französische Konzern Total Energies verbuchte eine bereinigten Gewinn von 9,8 Milliarden Euro – das entspricht etwa einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Repsol: Verdoppelung des Gewinns

Der spanische Ölkonzern kommt im zweiten Quartal 2022 auf einen Nettogewinn von etwas mehr als 2,5 Milliarden Euro – das ist in etwa das Doppelte wie im Vorjahreszeitraum.

ENI: Vervierfachung des Gewinns

Der italienische Öl- und Gaskonzern konnte seinen Nettogewinn auf 3,58 Milliarden Euro, gegenüber 856 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Auch hier zeigt sich eine Vervierfachung des Gewinns.

Kriegsgewinner zur Kasse! Idee der Übergewinnsteuer greift um sich

Eine Frage der Übergewinnsteuer

Während die Ölmultis also dank der stark gestiegenen Öl- und Gaspreise also Milliardengewinne verzeichnen, stehen vor allem europäische Staaten vor der großen Frage, wie sie die Entlastungspakete und Sparprogramme für den „russischen“ Winter im Energiebereich finanzieren sollen. Für viele die Antwort: eine Übergewinnsteuer. Konzerne, die durch die Kriegsfolgen deutlich mehr Gewinn als in einem normalen Jahr machen, sollen eine zusätzliche Steuer aufgebrummt bekommen.

Der deutsche Finanzminister Christian Lindner (FDP) und der österreichische Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) lehnen eine solche Übergewinnsteuer ab. „Ich habe da eher einen liberaleren Zugang und halte von direkten Markteingriffen nicht sehr viel. Im Verbund ist man hier einen Schritt weitergegangen und hat zwei Dinge gemacht, die aus meiner Sicht sehr positiv sind. Nämlich haben sie für zwei Monate die Rechnung der Kund:innen auf Null gesetzt, für die, die besonders betroffen sind, sogar für vier Monate. Das sind immerhin über 500.000 Kund:innen in Österreich. Das ist aus meiner Sicht einfach der marktwirtschaftliche Weg“, so Brunner im Interview mit Trending Topics.

Angesprochen auf die satten Gewinne der Ölkonzerne 2022 und die Forderung vieler nach einer Übergewinnsteuer meint Brunner: „Da habe ich volles Verständnis. Die Frage ist, welche Maßnahme dann wirklich konkret die Beste ist. Wir müssen natürlich immer auf den Wirtschaftsstandort und den Kapitalmarkt schauen und hier nicht über Gebühr hohe Belastungen einführen, weil diese Unternehmen ja auch investieren müssen. Der Verbund investiert ja auch ganz gewaltig in die Energiewende und das wäre mit solchen Steuern eher schwierig.“

Mehrheit der Österreicher:innen dafür

Allerdings ist laut profil-Umfrage vom Juni die Mehrheit der Österreicher:innen für eine Übergewinnsteuer. „66 % meinen, die hohen Erträge, die Energieunternehmen infolge der Inflation erzielen, sollten abgeschöpft und für den Kampf gegen die Teuerung eingesetzt werden“, heißt es zu der Umfrage. „23 % sind hingegen der Meinung, die hohen Gewinne sollten in den Unternehmen verbleiben und in den Ausbau Erneuerbarer Energien fließen.“

Finanzminister Brunner exklusiv: Digitalsteuer bringt Österreich 2022 etwa 100 Mio. Euro

 

 

 

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