Gestartet

Anthropic launcht mit Claude Design Rivalen zu Lovable, Figma und Co

Claude Design by Anthropic. © Anthropic
Claude Design by Anthropic. © Anthropic

Es geht in einer rasenden Geschwindigkeit weiter: Anthropic hat, wie es die Gerüchteküche vorhersagte, mit Claude Design ein neues Produkt gestartet, das direkt in den Markt für KI-gestützte Design- und Prototyping-Tools eingreift. Das Tool richtet sich an Designer, Produktmanager, Gründer und Marketer gleichermaßen und tritt damit in direkte Konkurrenz zu Plattformen wie Lovable, die bislang in dieser Nische führend waren. Die Reaktion von Lovable ließ nicht lange auf sich warten.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass Mike Krieger, Anthropic’s Chief Product Officer, vom Board von Figma zurückgetreten ist, weil man an einem konkurrierenden Produkt arbeitet. Dass es Claude Design ist, ist nun klar.

Was Claude Design kann

Claude Design ist ein kollaboratives Designwerkzeug, das auf Claude Opus 4.7, Anthropics leistungsstärkstem Vision-Modell, basiert. Nutzer können durch einfache Textbeschreibungen visuelle Projekte erstellen und diese anschließend durch Konversation, Inline-Kommentare oder direkte Bearbeitungen verfeinern. Das Tool ist derzeit als Research Preview für Abonnenten der Pläne Pro, Max, Team und Enterprise verfügbar.

Zu den zentralen Funktionen gehören:

  • Automatische Markenkonsistenz: Claude liest beim Onboarding bestehende Codebases und Designdateien aus und erstellt daraus ein Designsystem mit Farben, Typografie und Komponenten, das automatisch auf alle Projekte angewendet wird.
  • Flexible Importmöglichkeiten: Neben Textprompts können Bilder, Dokumente (DOCX, PPTX, XLSX) und ganze Codebases als Ausgangspunkt dienen. Ein Web-Capture-Tool ermöglicht es, Elemente direkt von bestehenden Websites zu übernehmen.
  • Interaktive Prototypen: Designer können statische Mockups in teilbare, interaktive Prototypen umwandeln, ohne Code-Reviews oder Pull Requests durchführen zu müssen.
  • Präsentationen und Pitch Decks: Aus groben Gliederungen entstehen vollständige, markenkonforme Decks, die als PPTX exportiert oder direkt an Canva übertragen werden können.
  • Direktübergabe an Claude Code: Fertige Designs lassen sich als Handoff-Bundle an Claude Code weitergeben und mit einem einzigen Befehl in Code umwandeln.
  • Kollaboration im Team: Designs können organisationsweit geteilt, kommentiert und gemeinsam bearbeitet werden, inklusive Gruppen-Chat mit Claude.

Das Tool adressiert damit einen klassischen Engpass im Designprozess: Selbst erfahrene Designer können aus Zeitgründen selten mehr als wenige Richtungen gleichzeitig prototypisieren. Claude Design soll diese Einschränkung aufheben.

Ein direkter Angriff auf Lovable und ähnliche Plattformen

Lovable hat sich in den vergangenen Jahren als eine der führenden Plattformen für KI-gestütztes App- und Interface-Design etabliert. Mit Claude Design betritt nun der Anbieter des zugrundeliegenden KI-Modells selbst den Markt und bietet viele Funktionen an, die bislang das Alleinstellungsmerkmal von Drittanbieter-Tools waren. Besonders die Kombination aus Designsystem-Integration, interaktiven Prototypen, Teamkollaboration und direkter Code-Übergabe macht Claude Design zu einem ernsthaften Konkurrenten von Lovable, Fimga und anderen Plattformen.

Für Nutzer, die bereits Claude-Abonnenten sind, entfällt mit Claude Design die Notwendigkeit, ein separates Tool wie Lovable zu bezahlen. Der Zugang ist im bestehenden Abonnement enthalten, lediglich mit der Option, bei Bedarf zusätzliche Nutzungskontingente zuzukaufen.

Lovables Reaktion: Doppelte Credits als Kundenbindungsmaßnahme

Lovable reagierte unmittelbar auf den Launch. Das Unternehmen kündigte an, dass Nutzer nach der Integration von Claude Opus 4.7 in die eigene Plattform für begrenzte Zeit das Doppelte an Credits für ihre Aktionen erhalten. Das Angebot gilt automatisch und läuft am 30. April 2026 aus, danach kehren die Credits zur normalen Berechnung zurück.

„Opus 4.7 just dropped in Lovable, and for a limited time your credits will go up to 2x further.“

Die Maßnahme ist als klassische Kundenbindungsstrategie zu verstehen: Nutzer sollen durch einen kurzfristigen Mehrwert dazu gebracht werden, auf der Plattform zu bleiben, anstatt zu Claude Design zu wechseln. Gleichzeitig signalisiert Lovable damit, dass man auf das leistungsstärkste verfügbare Modell setzt, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Das strukturelle Dilemma: Lovable ist von Anthropic abhängig

Die Reaktion von Lovable oder Figma offenbart jedoch ein grundlegendes strategisches Problem. Indem diese Unternehmen Claude als zentrales Modell integrieren und sogar aktiv damit werben, machen sie sich direkt abhängig von Anthropic, also genau von dem Unternehmen, das mit Claude Design nun als direkter Konkurrent auftritt.

Diese Abhängigkeit ist struktureller Natur. Lovable etwa kann die Qualität des zugrundeliegenden Modells nicht selbst kontrollieren, nicht eigenständig verbessern und ist auf die Verfügbarkeit und Preisgestaltung von Anthropic angewiesen. Sollte Anthropic die API-Konditionen ändern oder Claude Design weiter ausbauen, hat Lovable wenig Spielraum zur Gegenwehr. Beim Coding-Tool Cursor etwa hat man versucht, sich unabhängiger von Anthropic zu machen, indem man Open Source aus China – in dem Fall etwa Kimi K2.5 – einsetzt und für die eigenen Zwecke maßschneidert.

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