Netflix setzt auf AI-Offensive – Mitgründer Hastings verlässt Verwaltungsrat
Netflix plant, AI künftig deutlich stärker in der Produktion von Filmen und Serien einzusetzen, berichtet Golem. Co-Chef Ted Sarandos betont bei der Vorlage der Quartalszahlen, dass KI „nichts daran ändern werde, dass es großartige Künstler:innen braucht, um großartige Kunst zu machen.“ Die Technologie solle Kreativen bessere Werkzeuge bieten, um ihre Visionen zu verwirklichen. Parallel gibt Netflix bekannt, dass Mitgründer Reed Hastings den Verwaltungsrat verlässt und sich im Juni 2026 nicht mehr zur Wiederwahl stellt.
AI in Hollywood heikles Thema
Bereits heute nutzt Netflix AI-Software bei der Planung von Aufnahmen und für Spezialeffekte. Doch Sarandos macht klar: Man „kratzt dabei nur an der Oberfläche.“ Im März 2026 hat der Streaming-Riese die von Hollywood-Star Ben Affleck gegründete Firma Interpositive übernommen, die auf KI-Werkzeuge für Filmemacher spezialisiert ist (wir berichteten).
Neben der Produktion setzt Netflix AI inzwischen auch bei den Programmempfehlungen ein, die Nutzer:innen auf der Plattform zu sehen bekommen. Der Einsatz von AI bleibt in Hollywood ein heikles Thema: Studios sehen großes Potenzial für Kosteneinsparungen, während Kreative fürchten, schrittweise aus dem Geschäft hinausgedrängt zu werden. Netflix positioniert sich als Technologie-Pionier, der Künstler:innen neue Möglichkeiten eröffnet – ob die Branche das genauso sieht, bleibt abzuwarten.
Netflix-Quartalszahlen enttäuschen Analyst:innen
Reed Hastings, der Netflix mitgegründet hat und fast 29 Jahre im Unternehmen gewesen sein wird, zieht sich aus dem Verwaltungsrat zurück. Sarandos stellt klar, der Abgang gehe „nicht auf Differenzen rund um die Warner-Übernahmepläne zurück“. Der Streaming-Riese hatte im vergangenen Quartal den 83 Milliarden Dollar schweren Übernahmeplan für Warner Bros. aufgegeben, nachdem Rivale Paramount mehr als 110 Milliarden Dollar für den gesamten Konzern Warner Bros. Discovery bot.
Die Quartalszahlen selbst fallen stark aus: Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 12,3 Milliarden Dollar, der Gewinn kletterte um fast 83 Prozent auf 5,28 Milliarden Dollar. Mit 1,23 Dollar Gewinn pro Aktie übertraf Netflix die Analystenprognose von 0,76 Dollar deutlich. Doch die Wall Street reagiert enttäuscht: Für das laufende Quartal stellt Netflix lediglich 0,78 Dollar Gewinn pro Aktie in Aussicht. Analyst:innen hatten im Schnitt 0,84 Dollar erwartet. Die Aktie fiel im nachbörslichen Handel um neun Prozent. Der Verzicht auf die Warner-Übernahme sollte die Finanzen entlasten, doch die verhaltene Prognose zeigt, dass Investoren mehr erwartet hatten.


