Energie

Kerosin in Europa könnte in „sechs Wochen“ ausgehen, Flüge wären ab Mai betroffen

Refueling airplane. © Ray Freimanis auf Unsplash
Refueling airplane. © Ray Freimanis auf Unsplash

Die Sperre der Straße von Hormus infolge des Iran-Krieges setzt Europas Luftfahrtbranche unter wachsenden Druck. Experten warnen vor einer sich zuspitzenden Versorgungskrise bei Flugkraftstoff, während die EU-Kommission bislang zur Beruhigung mahnt. Die kommenden Wochen könnten entscheidend sein.

IEA-Chef schlägt Alarm

Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA), zeichnete in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP ein düsteres Bild der Lage. Europa verfüge derzeit nur noch über begrenzte Reserven an Flugkraftstoff.

„In Europa haben wir vielleicht noch sechs Wochen oder so Kerosin. Wenn wir die Straße von Hormus nicht öffnen können, werden wir bald hören, dass Flüge von Stadt A nach Stadt B wegen Kerosinmangels gestrichen werden.“

Birol bezeichnete die aktuelle Situation als „die größte Energiekrise, die wir je erlebt haben“. Rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls passieren die Straße von Hormus in Friedenszeiten. Die Unterbrechung dieser Route treffe nicht nur die Luftfahrt, sondern habe weitreichende Folgen für Benzin-, Gas- und Strompreise weltweit. Besonders hart betroffen seien Entwicklungsländer in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Weitere Experten bestätigen die Gefahr

Auch Claudio Galimberti, Ökonom beim Analyseunternehmen Rystad Energy, warnt vor einer raschen Eskalation. Die Lage könne binnen der nächsten drei bis vier Wochen systemisch werden, so seine Einschätzung. Bereits im Mai und Juni seien erhebliche Flugstreichungen möglich. Galimberti zufolge wurden bereits erste Flüge wegen Kerosinengpässen gestrichen.

Der europäische Dachverband der Flughafenbetreiber (ACI Europe) hatte bereits in der vergangenen Woche die EU-Kommission schriftlich gewarnt: Ab Anfang Mai könne eine ernsthafte Kerosinknappheit eintreten, sofern Tanker nicht wieder durch die Straße von Hormus fahren könnten. Der Verband betonte, der Engpass drohe die gesamte Sommerreisesaison zu beeinträchtigen.

Reaktionen der Fluggesellschaften

Mehrere Fluggesellschaften haben sich zu der Situation geäußert, ohne die Warnungen der IEA direkt zu bestätigen:

  • KLM und easyJet erklärten, derzeit keine Kraftstoffengpässe zu verzeichnen, wollten die IEA-Warnung jedoch nicht weiter kommentieren.
  • Delta Air Lines gab an, das „potenzielle Kerosin-Versorgungsproblem“ in Europa zu beobachten, rechne aber nicht mit unmittelbaren Auswirkungen.
  • Lufthansa legte seine Regionaltochter CityLine ab sofort still, um Verluste durch gestiegene Kerosinpreise und aktuelle Streiks zu reduzieren.

Alle genannten Fluggesellschaften sind bereits von deutlich gestiegenen Treibstoffkosten betroffen. Branchenberichten zufolge sind die Kerosinpreise um rund 80 Prozent gestiegen, was viele Carrier dazu veranlasst hat, ihre Ticketpreise anzuheben.

Hintergrund: Europas strukturelle Abhängigkeit

Europa ist der mit Abstand größte Abnehmer von Kerosin, das durch die Straße von Hormus verschifft wird. Großbritannien, Europas führender Kerosinverbraucher, verfügt heute nur noch über vier Raffinerien, verglichen mit 18 in den 1970er Jahren. Diese strukturelle Abhängigkeit von Importen macht den Kontinent besonders anfällig für Lieferunterbrechungen.

IEA-Chef Birol warnte zudem, dass sich die Energiemärkte dauerhaft verändern könnten. Selbst nach einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus werde man nicht einfach zum früheren Zustand zurückkehren können.

EU-Kommission und Bundesregierung mahnen zur Ruhe

Die EU-Kommission reagierte bislang zurückhaltend auf die Warnungen. Eine Sprecherin betonte, es gebe derzeit keine Hinweise auf einen tatsächlichen Treibstoffmangel. Gleichzeitig räumte sie ein, dass es „insbesondere bei Flugkraftstoffen in der nahen Zukunft zu Versorgungsengpässen kommen könne“.

Auch deutsche Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zeigte sich verhalten. Sie sehe in Deutschland bislang keine drohende Knappheit bei Flugzeugtreibstoff und könne die geäußerten Sorgen nicht bestätigen. Reiche verwies darauf, dass Kerosin auch in deutschen Raffinerien produziert werde und die deutsche Wirtschaft somit nicht ausschließlich von Importen abhängig sei.

Der österreichische Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) geht ebenfalls davon aus, dass es zu einer Kerosin- und DIesel-Knappheit kommen wird, er rechnet bereits ab Mai mit Engpässen.

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