World Meteorological Organization

50:50-Chance: 1,5-Grad-Marke könnte in den nächsten 5 Jahren fallen

Ziemlich sicher wird eines der nächsten 5 Jahre das heißeste der Messgeschichte. © Pixabay.com
Ziemlich sicher wird eines der nächsten 5 Jahre das heißeste der Messgeschichte. © Pixabay.com

Die Chancen stehen 50:50, dass in den nächsten fünf Jahren eine Klimaerwärmung von über 1,5 Grad Celsius erreicht wird – zumindest temporär. Und die Wahrscheinlichkeit nimmt mit der Zeit immer weiter zu, wie das neue Klima-Update der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zeigt. Die Einschätzung deckt sich dabei mit den Analysen des Weltklimarates (IPCC). Dieser gab bereits im letzten Jahr bekannt, dass die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels immer unwahrscheinlicher werden würde (wir berichteten).

1,5 Grad als wichtiges Ziel gegen die Klimakrise

Das 1,5-Grad-Ziel, das 2015 bei der Klimakonferenz in Paris vertraglich beschlossen wurde, wurde dabei nicht willkürlich festgelegt. Laut IPCC würde eine Erwärmung von 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter deutliche Vorteile gegenüber einer 2-Grad-Erwärmung bieten. Meerestemperaturen steigen weniger stark an, was bessere Überlebenschancen für marine Ökosysteme bedeutet. Und auch an Land würden Temperaturen nicht so stark ansteigen, was etwa Dürren seltener macht. Dennoch steigen die Risiken für Gesundheit, Nahrungsmittelsicherheit oder Wasserversorgung bereits bei einer Erwärmung von 1,5 Grad an, bei einer 2-Grad-Erwärmung erhöhen sie sich zusätzlich.

 

Im Jahr des Pariser Klimaabkommens stufte die WMO die Chance einer 1,5-Grad-Erwärmung noch als gering ein. Gerade einmal ein Jahr später, im Jahr 2016, verzeichnete die Menschheit global betrachtet das wärmste Jahr der Messgeschichte. 2020 schätzen die Expert:innen der WMO, dass die Grenze mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent überschritten wird. 2021 lag man bereits bei 40 Prozent. Der globale Temperaturanstieg lag im letzten Jahr bei 1,1 Grad Celsius über dem vorindustriellen Zeitalter.

Heißestes Jahr dürfte bevorstehen

Doch das könnte sich in den nächsten Jahren ändern. Laut Berechnungen der WMO dürfte zumindest ein Jahr im Zeitraum zwischen 2022 und 2026 zum heißesten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden. Die Wahrscheinlichkeit dazu liegt bei 93 Prozent. „Diese Studie zeigt, dass wir dem vorläufigen Erreichen des Unterziels des Pariser Klimaschutzabkommens messbar näher kommen. Die Zahl von 1,5 Grad C ist keine zufällige Statistik. Es ist vielmehr ein Punkt, an dem die Klimaauswirkungen zunehmend schädlich für die Menschen und sogar den gesamten Planeten werden“, sagt WMO-Generalsekretär Prof. Petteri Taalas in einer Aussendung.

CO2-Budget für 1,5 Grad-Ziel ist in elf Jahren aufgebraucht

„So lange wir Treibhausgase ausstoßen, so lange werden die Temperaturen steigen“, ist Taalas überzeugt. Ein einzelnes Jahr über 1,5 Grad heiße allerdings nicht, dass das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens unumkehrbar außer Reichweite ist. Man nähere sich aber immer weiter dem Punkt an, an dem das 1,5-Grad-Limit auch für einen längeren Zeitraum überschritten wird.

CO2-Ausstoß so hoch wie nie

Der Trend beim Ausstoß von CO2 zeigte in den letzten Jahren – mit Ausnahme des ersten Jahres der Coronapandemie – hingegen immer weiter nach oben. Im letzten Jahr wurde etwa so viel energiebedingtes CO2 ausgestoßen wie noch nie zuvor (Tech & Nature hat berichtet). Um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens nicht gänzlich zu verfehlen, müssen laut Weltklimarat (IPCC) die CO2-Emissionen bis 2030 um 43 Prozent gesenkt werden. Beim Methanausstoß ist ein Rückgang von etwa einem Drittel nötig.

Energiewende gewinnt an Tempo, kann aber nicht schnell genug gehen

Zudem arbeiten auch Startups daran, CO2 wieder aus der Luft zu holen. Der Sektor des sogenannten Direct Air Capture war in den letzten Monaten bei Investor:innen sehr beliebt, das Schweizer Startup Climeworks sackte Anfang April etwa 590 Millionen Euro ein. Die Technologie befindet sich allerdings meist noch in der Anfangsphase, in den nächsten fünf Jahren dürften keine nennenswerten Mengen CO2 abgeschieden werden. Am effizientesten ist es zumindest kurzfristig immer noch, sich auf die Energiewende zu konzentrieren und so viel CO2 wie möglich einzusparen.

 

 

 

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