Interview

Bitfly: in Wien sitzt einer der größten Ethereum-Player der Welt – und steigt auf Staking um

Ethereum. © Unsplash
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Auch echte Krypto-Nerds kann man mit dieser Story überraschen. Aber mit Bitfly sitzt mitten in Wien ein öffentlichkeitsscheues Unternehmen, das über die Jahre seit dem Start von Ethereum zum größten Ethereum-Mining-Pool der Welt aufgestiegen ist – und damit eine wichtige Stütze des Ethereum-Ökosystems wurde. Dabei tritt Bitfly unter der Marke Ethermine auf.

Nun steht Ethereum bekanntermaßen vor seinem größten Upgrade und wird nächste Woche – rund um den 15. September – mit „The Merge“ von Proof of Work zu Proof of Stake wechseln. Bitfly hat bereits reagiert und angekündigt, auf Staking umzusteigen und den Wandel voll mitzutragen (Trending Topics berichtete).

Interviews mit Bitfly-Vertreter:innen gibt es nur selten. Für Trending Topics hat sich ein Sprecher, der nicht unter Klarnamen auftreten und Butta genannt werden will, bereit erklärt, Fragen zu Bitfly und The Merge zu beantworten.

Trending Topics: Bitfly gilt als der größter Mining-Pool von Ethereum, operiert aus Wien heraus. Wie habt ihr das über die Jahre geschafft?

Butta: Bitfly ist bereits seit dem Ethereum-Launch in 2015 mit dem ersten Ethereum Explorer Etherchain.org in der Ethereum-Community aktiv. Zu den damaligen Ether-Preisen war das Betreiben von Mining-Pools nicht unbedingt finanziell attraktiv, aber um das Ethereum-Netzwerk zu sichern, haben wir Ethermine ins Leben gerufen. Der Krypto-Boom 2017, der finanzielle Anreiz zu minen und Ethermines Performance haben dazu beigetragen, dass Ethermine zum größten Mining Pool gewachsen ist.

Auch Vitalik Buterin war schon in Wien. Angeblich hätte sogar die Ethereum Foundation hier ansiedeln wollen, landete dann aber in der Schweiz. Welche besondere Beziehung haben Wien und Ethereum?

Wiens Lebensqualität ist attraktiv! Im Vergleich zu anderen Städten wie Berlin und Paris ist Wien leider aber noch keine Krypto-Metropole.

Ethermine: Größter Mining-Pool der Ethereum-Welt steigt auf Staking um

Ethereum wird mit The Merge auf Proof of Stake umgestellt. Welche Vor- und Nachteile seht ihr in diesem Schritt?

Die Vorteile, die wir sehen:

  1. Der Energieverbrauch wird um 99,95 % sinken
  2. Ethereum Staking ist das erste dezentrale Staking mit der geringsten finanziellen Hürde. Bisher wurde nur Delegated Proof of Stake (dPoS) im Ökosystem angeboten, welches permissioned war und meist mehrere Millionen Dollar benötigt hat.
  3. Das Netzwerk ist sicher gegen 51% Attacken, da man bösartige Akteure im Netzwerk slashen kann. Beim Mining kann das Netzwerk gegen 51% Attacken nichts tun, außer den Mining-Algorithmus zu ändern, wobei es nur eine begrenzte Anzahl von bekannten Algorithmen gibt.
  4. Monetary Policy: Staking schüttet um ein Vielfaches weniger an Ether aus, und in Kombination mit EIP-1559 könnte Ether potenziell deflationär werden.
  5. Der Merge hat seit ungefähr zwei Jahren viele Development-Ressourcen gebraucht. Nach dem Merge wird die Skalierbarkeit des Netzwerkes und vieles mehr gelöst

Die Nachteile, die wir sehen:

  1. Das Betreiben eines Validators erfordert mehr technisches Know-how als das Betreiben einer Mining Software für das Minen.
  2. Die Einstiegshürde beim Minen ist eine Grafikkarte (ca. 500 Euro), beim Staken 32 ETH
  3. PoS ist sehr komplex und noch nicht in dem Ausmaß wie PoW getestet worden.

Ethereum: Bellatrix-Upgrade leitet heute Umstieg auf Proof of Stake ein

Ihr habt euren Ethermine Staking-Service in Stellung gebracht. Bedeutet das grundsätzlich, dass ihr euer komplettes Geschäft von Mining auf Staking umstellt? Was bedeutet das etwa für die Hardware? Wie schwierig ist der Umstieg?

Ethermine bietet weiterhin mining pools für andere Kryptowährungen wie ETC, RVN und ERG anbieten. Die Services, wie Ethpool und Ethermine Staking, sind kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zu den Mining Pools.

Es besteht oft ein Missverständnis zwischen „Minern“ und „Mining-Pools“. Mining-Pools besitzen nicht unbedingt Mining-Hardware, sondern bieten einen Pooling-Service an. Mit anderen Worten: Miner können ihre Rechenressourcen über einen Mining-Pool zusammenlegen.

Welche Marktanteile bei Staking soll Ethermine/Bitfly erreichen?

Mit Ethpool Solo Staking bietet Bitfly Staking einen technischen Service für Dritte an, die zwar über zumindest 32 Ether verfügen, aber nicht über das nötige Knowhow, oder nicht die Zeit und Energie aufwenden möchten, um selbst einen Validator aufzusetzen und zu betreiben.

Ethermine Staking ist eine Investition, die auf Ethereum Staking-Belohnungen über den ETH.STORE-Referenzsatz basiert. Dies ermöglicht es, Zinsen auf ETH-Investition zu erhalten, als ob der User Staking betreiben würden, ohne dass Sie 32 ETH für Solo-Staking besitzen müssen. Der Mindestanlagebetrag beträgt 0.1 ETH. Die Anlagen sind aufgeteilt in 10.000.000 Anteile mit einem Nennwert von je ETH 0.1 pro Stück. Der Marktanteil hängt stark davon ab, wieviel Ether insgesamt auf dem Netzwerk gestaked wird, da Ethermine Staking maximal 10.000.000 Anteile hat.

Ethereum: Wiener Firma Bitfly berechnet den Referenzzinssatz für ETH

Staking-Anbietern wird bei Ethereum künftig große Macht zugesprochen. Statistiken zeigen, dass vier Player – Lido Finance, Binance, Coinbase und Kraken – derzeit etwa 60% der Validatoren kontrollieren. Läuft Ethereum Gefahr, seine Dezentralität zu verlieren?

Die Größe der einzelnen Pools ist bei PoS nicht so kritisch wie beim PoW, da man bösartige Akteure beim Proof of Stake slashen kann, unabhängig vom Marktanteil.

Es wäre trotzdem wünschenswert, dass es viele kleine Block-Produzenten gibt; Lido hat zum Beispiel 30% Marktanteil, aber 30 unabhängige Block-Produzenten. Im Gegensatz dazu hat Rocket Pool 2% Marktanteil und 1500 unabhängige Block-Produzenten.

© beaconcha.in/pools
© beaconcha.in/pools

Schon bisher soll Ethereum zu fast 50 Prozent in der Amazon-Cloud laufen? Das widerspricht sich doch mit dem Gebot der Dezentralisierung? Warum ist das so?

Ja, ungefähr 30% der Ethereum-Nodes werden auf AWS betrieben. Hierbei sollte man zwischen Staking Nodes (Validatoren) und Normalen Nodes unterscheiden. Wie viele Staking Nodes auf AWS sind, ist unklar. Das Problem besteht nicht nur bei Ethereum, sondern auch bei anderen Kryptowährungen. Leider ist die technische Barriere zu hoch und der Anreiz für das Betreiben einer normalen Node nicht gegeben.

Der große deutsche Anbieter Hetzner hat Ethereum-Mining und -Staking in seiner Cloud verboten. Eine Gefahr fürs Ökosystem?

Nein, Hetzner ist einer von vielen Anbietern und ganz im Gegenteil, es fördert die Dezentralität, da User ihre Nodes potenziell zuhause hosten. Gleichzeitig sprechen sich viele Hosts wie OVH für das Ethereum-Staking aus.

Anmerkung: Zum Vorfall, dass Bitfly/Ethermine manche Transaktionen, die in Verbindung mit Tornado Cash standen, zensiert hat, und ob Behörden sich künftig über Staking-Unternehmen Einfluss im Ethereum-Netzwerk verschaffen könnten, wollte oder konnte Butta keine Antworten geben.

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