Interview

blackshark.ai: Michael Putz und die 3D-Modellierung der Welt

Michael Putz von Blackshark. © blackshark.ai
Michael Putz von Blackshark. © blackshark.ai

Das Startup Blackshark modelliert für Microsoft die Erde in 3D – und ist ganz nebenbei auf dem Weg, eines der Fundamente des Metaverse zu werden. Wir haben mit Michael Putz, CEO des Grazer Unternehmens, über das Metaverse, Cloud Computing und die Macht der Monopole gesprochen.

Von Bongfish zu Blackshark

Es begann alles mit dem Snowboard-Computerspiel „Stoked“, bei dem man vom Helikopter aus mit dem Snowboard über einem Berg abspringen konnte. Dieser in 3D modellierte Berg war der Anfang einer unglaublichen Erfolgs-
geschichte, in der aus dem Grazer Spieleentwickler Bongfish das Startup Blackshark.ai wurde. Denn das Wissen, wie man 3D-Umgebungen in Spielen baut, hat über Jahre dazu geführt, dass das Unternehmen rund um CEO Michael Putz heute innerhalb von drei Tagen die komplette Welt mit 1,5 Milliarden Gebäuden in 3D modellieren kann. Mittler weile konnte Blackshark Microsoft bei dessen„Flight Simulator“ mit einer virtuell nachge bauten Erde unterstützen und auch dadurch 2021 20 Millionen Euro einsammeln.

Trending Topics: BlackShark ist das erste Mal 2020 aufgefallen, als Ihr Team 1,5 Milliarden virtuelle Gebäude bei Microsoft Flight Simulator in 3D modelliert hat. Wie kam es dazu?

Michael Putz: Microsoft kam 2017 auf uns zu und wollte eine authentische digitale Version unseres Planeten in 3D, hatte aber nur flache Satellitenbilder als Ausgangsbasis. Zwei Jahre später, also 2019, konnten wir dann schließlich mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und basierend auf unserer massiv skalierenden Softwarebasis die gesamte Oberfläche unseres Planeten in weniger als drei Tagen segmentieren und in 3D rekonstruieren. Das Ergebnis sind mehr als 1,5 Milliarden Gebäude und mehr als 30 Millionen Quadratkilometer Vegetation, alles dargestellt in 3D. Das zu generieren bedeutet einen enormen Rechenaufwand, der sich nur mit verteiltem Computing in der Cloud lösen ließ. Microsoft etwa ist sehr cloud-affin und die von uns verwendete Rechenleistung ist im Microsoft Headquarters in Redmond aufgefallen, und so hat sich der Microsoft-CEO Satya Nadella bei uns gemeldet und wollte unsere Technologie kennenlernen.

Ihr Ziel ist quasi der demokratisierte Zugang zu Geodaten, aber auch Innovationen im Metaverse. Spätestens, seitdem Mark Zuckerberg gesagt hat, dass er auch ein Metaverse bauen will, geistert dieser Begriff in der Branche herum. Was ist aus Ihrer Sicht das Metaverse?

Ich würde sagen, eine große, zusammen- hängende, virtuelle Welt, wo man sich treffen und gemeinsam Dinge erledigen kann, sei es professionell oder zur Unterhaltung. Zum Beispiel gab es hier Second Life, das seiner Zeit voraus und technisch noch nicht so weit war, um wirklich Spaß zu machen. Dann gab es die großen massiven Online Multiplayer Games wie World of Warcraft. Sie haben gezeigt, dass es durchaus eine neue Erfahrung ist, mit hundert anderen menschlichen Spieler:innen gemeinsam koordiniert vorzu- gehen. Das hat eine extreme soziale Power und trifft uns als Menschen da, wo wir am stärksten sind, nämlich dabei, gemeinsam Probleme zu lösen. Das ist der Grundgedanke vom Metaverse: Wir wollen die Art, in der wir schon seit Langem miteinander im realen Raum agieren, ins Virtuelle übertragen. Die Pandemie war sicherlich ein Beschleuniger für diese Entwicklung. Zuerst sollten wir ein Replikat unserer echten Welt haben. So ist es beispielsweise möglich, zu simulieren, wie ein Tsunami New York treffen würde.

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Das heißt, Klimawissenschaftler können beispielsweise so berechnen, wann uns das sprichwörtliche Wasser bis zum Hals steht, wenn die Gletscher schmelzen. Das können Sie in 3D visualisieren und erlebbar machen.

Ganz genau! Die Idee von Blackshark ist es, Informationen auf globaler Ebene anzu- bieten. Akut aktuell sind zum Beispiel synthe- tische Trainings-Umgebungen für autonomes Fahren und Fliegen. Um hier die notwendigen Zulassungen zu bekommen, müssen Anbieter eine gewisse Anzahl von Kilometern fahren oder fliegen, dürfen das aber noch nicht testen. Das Testen muss man deswegen ins Virtuelle übertragen. Es ist so möglich, synthetische Szenarien zu erstellen, beispielsweise, dass ein Kind hinter dem Bus über die Straße läuft. So lässt sich erkennen, wie die autonomen Autos im Virtuellen darauf reagieren. Wir können die 3D-Leinwand dafür liefern, um schnelleres Testen zu ermöglichen.

Noch eine Frage zum Metaverse: Viele haben jetzt schon die Angst, dass Mark Zuckerberg mit Meta eine zentralisierte Version davon aufbaut. Und auf der anderen Seite gibt es viele, auch Startups aus dem Krypto-Bereich, die alles dezentral haben wollen, damit nicht wieder Monopole entstehen auf dieser neuen Plattform. Was sagen Sie dieser jungen Branche voraus?

Facebook oder soziale Medien haben uns schon deutlich vor Augen geführt, wie fragil unsere Demokratie ist, wenn plötzlich Dispute innerhalb der Gesellschaft aus kommerziellen Gründen schlichtweg gewünscht und befeuert werden. Gleichzeitig ist uns bewusst geworden, wie wertvoll unsere Daten sind und viele schlagen vor, das alles zu dezentralisieren, sodass jede:r Herr:in seiner/ihrer Daten ist. Mit der Blockchain-Technologie lässt sich das technisch wunderschön umsetzen. Man kann nur hoffen, so eine Lösung setzt sich durch und wir gehen ein bisschen weg von diesen Monopolen, die uns gerne streiten sehen, da- mit sie mehr Werbung schalten können.

Dieses Interview mit Michael Putz stammt aus unserem neuen Magazin „Trending Topics 2022“. Es steht seit dem 29.12. zum kostenlosen Download bereit

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