Konkurs

Celsius Network: 1,2 Milliarden Dollar-Pleite in der „Cryptopocalypse“

Alex Mashinsky, Gründer von Celcius Network. © Piaras Ó Mídheach/Web Summit via Sportsfile
Alex Mashinsky, Gründer von Celcius Network. © Piaras Ó Mídheach/Web Summit via Sportsfile

Wer sich für die Geschichte des Krypto-Crashs von 2022 interessiert, der kann in den Papieren zum Konkurs von Celsius Network ziemlich genau nachlesen, wie das alles abgelaufen ist. Denn in neuen Dokumenten schildert der CEO und Gründer des Unternehmens, Alex Mashinsky, wie es zu der Milliarden-Pleite kam. Das Krypto-Unternehmen, das sich auf die Vergabe von Krypto-Krediten gegen hohe Zinserträge spezialisierte, weist ein Loch von satten 1,2 Milliarden Dollar in der Bilanz auf.

Kein Wunder, dass Celsius Network, das 2017 von Alex Mashinsky, S. Daniel Leon und Nuke Goldstein gegründet wurde und über ein Netzwerk aus mehr als 20 Tochterfirmen in den USA, Israel, Serbien, Litauen, Gibraltar, UK, Bulgarien und Zypern verfügt, in den Konkurs gehen musste. Zwar hat das Unternehmen eigenen Angaben zufolge noch Assets im Wert von 4,3 Milliarden Dollar (davon 1,7 Mrd. Dollar in Krypto-Assets). Doch dem stehen Verbindlichkeiten von 5,5 Milliarden Dollar gegenüber:

Wer nun aber annimmt Celsius Network ist ein direktes Opfer des Terra/LUNA-Kollaps, der liegt falsch. Zwar gibt es auch einen Kredit in Form von Krypto-Assets, der an den Investor Three Arrows Capital (3AC) vergeben wurde und der wiederum durch das Terra-Debakel bankrott ging. Doch laut Mashinsky würde 3AC, längst zahlungsunfähig und mit ungewissem Aufenthaltsort der Gründer (Trending Topics berichtete), Celsius Network nur etwa 40,6 Millionen Dollar schulden.

Anders als Voyager, Blockchain.com und BlockFi sieht sich Celsius Network weit weniger dem Terra-Kollaps und dem 3AC-Konkurs ausgeliefert. Vielmehr ist es laut Mashinsky die Summe der Ereignisse im Krypto-Markt sowie firmeninterne Probleme, die letztendlich zu der Milliardenpleite geführt haben.

Nutzer:innen zogen mehr als eine Milliarde Dollar ab

„Im Gegensatz zu vielen dieser Kryptowährungsplattformen war Celsius in der Lage, den Verlust eines beträchtlichen Teils seines Vermögens beim Zusammenbruch von Luna zu vermeiden. Aufgrund des verstärkten Engagements des Unternehmens bei der Verwaltung seiner Vermögenswerte als Reaktion auf seine Fehltritte in den Jahren 2020 und 2021, als Luna mit dem „De-Peg“ begann, zog Celsius sofort alle eingesetzten UST ab und erlitt nur einen relativ geringen Verlust von 15,8 Millionen US-Dollar aus allen Aktivitäten im Zusammenhang mit Luna oder UST“, so der Celsius-Gründer.

Doch der Terra-Crash hätte indirekte Folgen gehabt. „In den sozialen Medien wurden Fehlinformationen über eine Zusage von Celsius und anderen zu einer möglichen Rettung von Luna verbreitet, gefolgt von Aussagen, dass Celsius Hunderte von Millionen Dollar bei Luna verloren habe“, so Mashinsky. „Diese Gerüchte machten die Nutzer:innen misstrauisch gegenüber der Plattform von Celsius und trugen dazu bei, dass innerhalb von fünf Tagen im Mai 2022 über 1 Milliarde Dollar von der Plattform abgezogen wurden – zu einer Zeit, als das Misstrauen gegenüber Kryptowährungen so groß war wie nie zuvor.“

Der Folgeeffekt: „Die sich ständig verschlechternden Marktbedingungen, die Verbreitung von falschen
Informationen in den sozialen Medien und die Assoziation von Celsius mit dem Zusammenbruch von Luna und UST, der Wert des CEL-Tokens gesunken, was zu einer Verringerung der Vermögenswerte in der Bilanz von Celsius führte“, heißt es weiter. Insgesamt sei man der „Cryptopocalypse“ voll ausgeliefert worden.

Milliardenschaden: Krypto-Händler Voyager meldet Konkurs an

Die Tether-Connection

Für die Investor:innen von Celsius Network, darunter WestCap und der kanadische Pensions-Fonds Caisse de dépôt et placement du Québec (CDPQ), sowie (Überraschung!) Tether International Ltd. ist die Pleite ein Debakel. Sie hatten das Krypto-Unternehmen noch 2021 mit 3 Milliarden Dollar bewertet, jetzt liegt ein Milliardenschaden bei privaten wie institutionellen Kund:innen vor.

Besonders die Rolle von Tether ist hier auch spannend. Denn Als sich der Crash des Krypto-Marktes im Mai und Juni fortsetzte, hätte Tether von Celsius eine Nachschussforderung für ein ausstehendes USDT-Darlehen in Höhe von 841 Millionen US-Dollar gefordert. Bei Celsius sei man davon überrascht worden, stimmte aber einer Unternehmen einer Abwicklung seines Kredits mit Tether zu, um die verbleibenden Sicherheiten, die den Wert des Kredits übersteigen, zu erhalten. Dies führte zu einem Verlust von etwa 97 Millionen Dollar. Bedeutet: Der eigene Investor, selbst in Schwierigkeiten am Stablecoin-Markt gekommen, hat das Aus von Celsius noch zusätzlich beschleunigt.

Celsius Network: Krypto-Verleiher holt 400 Millionen Dollar Investment

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