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ChatGPT schafft Google ab – oder doch nicht? đŸ€Ż

Das ist die erste Folge unseres neuen Video-Essay-Formats „What The Heck Is Happening?“ Hier erklĂ€ren wir regelmĂ€ĂŸig die großen Tech-PhĂ€nomene der Gegenwart in Form von „Explanatory Jouralism“. Die erste Folge widmet sich dem großen Angriff von Microsoft auf Google mit Hilfe von ChatGPT.

Kapitel 1: Frontalangriff auf Google Search

Alarmstufe Rot bei Google. Eine neue Software begeistert die Massen, und sie könnte die Internet-Suche fĂŒr immer zu verĂ€ndern. ChatGPT hat in wenigen Wochen 100 Millionen Nutzer:innen erreicht. Instagram hat dafĂŒr 2,5 Jahre gebraucht, TikTok neun Monate. Die User sind begeistert. ChatGPT schreibt Code, Hausaufgaben, Gedichte, Artikel – quasi wie ein guter Online-Freund, dem man 24/7 mit allerlei Aufgaben betrauen kann und der dann in Sekundenschnelle liefert. Wer braucht da noch Suchanfragen und Link-Listen, wenn ChatGPT alles erledigen kann?

Die ganz große Gefahr hinter ChatGPT ist aber Microsoft. Der Software-Riese und Google-Erzfeind hat erstmals 2017 in OpenAI von CEO Sam Altman investiert, dann 2019 eine Milliarde, und 2023 schließlich satte zehn Milliarden Dollar. Klarerweise lĂ€uft die KĂŒnstliche Intelligenz seither exklusiv in der Microsoft-Cloud Azure.  Jetzt ist ChatGPT und die grundlegende Technologie GPT-3 – bzw. eine verbesserte Version davon – in die Suchmaschine Bing und den Browser Edge von Microsoft integriert worden.

Viele Jahre lang haben wir uns an Google gewöhnt, und niemand hat das Such-Monopol und die Vormachtstellung des Chrome-Browsers in Frage gestellt. Doch jetzt ist wieder Bewegung drin. Denn erstmals scheint es möglich, dass Googles Internet-Macht gebrochen werden kann. OpenAI-Chef Sam Altman ist da ziemlich direkt Google sei ein “Lethargisches Such-Monopol”. Das wird jetzt gebrochen. Also: Wie gefĂ€hrlich ist ChatGPT wirklich fĂŒr Google?

ChatGPT lĂŒgt wie gedruckt – und will’s dann noch Trending Topics in die Schuhe schieben

Kapitel 2: Microsoft & Google: Die ewigen Erzfeinde

Beginnen wir mal vorne. Google ist der unangefochtene Platzhirsch bei Online-Search, mit einem Marktanteil von 90 Prozent weltweit, auf Smartphones sogar noch mehr (https://www.similarweb.com/de/engines/). Daneben sind Bing von Microsoft, Yahoo, Yandex DuckDuckGo Zwerge. Google casht damit ordentlich ab. 2022 wurden weltweit etwa 280 Milliarden Dollar fĂŒr Suchmaschinenwerbung ausgegeben, etwa 250 davon gehen an Google. Diese Gelddruckmaschine wird wesentlich vom Chrome-Browser gestĂŒtzt, wo Google als Standardsuchmaschine installiert ist. Chrome hat weltweit einen Marktanteil von 65 Prozent, Safari von Apple mit 19 Prozent und Edge von Microsoft mit 4,5 Prozent sind viel kleiner.

Microsoft hat immer wieder probiert, Googles Vormachtstellung zu brechen. 2007 kaufte Microsoft die Digital-Werbefirma aQuantive, 2009 startete Microsoft die Suchmaschine Bing, die dann bis 2012 in den einstigen Google-Rivalen Yahoo! integriert wurde. 2011 startete Microsoft eine Partnerschaft mit Facebook, um die Suchmaschine Bing mit Daten aus dem Social network zu stĂ€rken. Und 2013 kaufte Microsoft Nokia, um sich gegen Googles Android zu rĂŒsten. Doch das half alles nichts. Googles Dominanz bei Search wuchs und wuchs – bis jetzt. Denn erstmals sieht es so aus, als wĂŒrde es eine Software geben, die besser ist als das Suchfeld von Google.

Dabei bereitet sich Google seit vielen Jahren auf die Ära der AI vor. Bereits 2014 wurde DeepMind zugekauft, eines der fĂŒhrenden KI-Unternehmen der Welt. Es wurde fĂŒr AlphaGo berĂŒhmt, also die KI-Software, die die besten Go-Spieler der Welt besiegen kann. 2017 verkĂŒndete Google-Chef Sundar Pichai, dass Google nun eine “AI First”-Firma sei. Und trotzdem sieht Google 2023 neben Microsoft ziemlich alt aus. Microsoft hat mit OpenAI den grĂ¶ĂŸten Hit der Stunde an seiner Seite, und die Azure-Cloud ist mit einem Marktanteil von 22 Prozent fast drei Mal so groß wie die Google Cloud mit 8 Prozent.

Bard: Google stellt ĂŒberraschend ChatGPT-Rivalen vor

Kapitel 3: OpenAI-Win und Google-Fail

100 Millionen User in ein paar Wochen: Die ChatGPT-Explosion hat die Alarmglocken bei Google schrillen lassen. Das ging so weit, dass sogar die beiden GrĂŒnder Larry Page und Sergey Brin, die eigentlich 2019 zurĂŒckgetreten sind, zurĂŒck im Unternehmen sind, um höchstpersönlich an der Antwort auf ChatGPT mitzuarbeiten.

Diese Antwort hat auch schon einen Namen bekommen: “Bard”. Eine AI soll kĂŒnftig etwa Reisen zusammenstellen oder erklĂ€ren, ob es leichter ist, GItarre oder Klavier zu lernen. (siehe https://www.trendingtopics.eu/bard-google-stellt-ueberraschend-chatgpt-rivalen-vor/). Technisch kann Google sicher einiges bei KI, immerhin gibt es mit LaMDA spĂ€testens seit 2021 einen Chatbot, der Ă€hnlich Fragen beantworten kann wie ChatGPT. Von einer Veröffentlichung hat Google aber abgesehen. Denn 2022 hat der Google-Entwickler Blake Lemoine behauptet, dass LaMDA Empfindungen und ein Bewusstsein wie ein Mensch entwickelt haben soll. Google versuchte Infos darĂŒber zu unterdrĂŒcken – man wollte wohl keine Unruhe ĂŒber eine nahende, ĂŒbermĂ€chtige KI stiften. Lemoine ist mittlerweile arbeitslos.

Doch nun muss Google unter Druck von ChatGPT LaMDA doch auf die Massen loslassen. Denn Microsoft hat ChatGPT bereits fĂŒr die ersten User in die Suchmaschine Bing und den Browser Edge integriert, und Google muss aufholen. Google-CEO Sundar Pichai hat in internem Memo die komplette Google-Mannschaft aufgerufen, um den ChatGPT-Konkurrenten Bard zu testen. Noch konnten wir Bard nicht testen, aber alleine die AnkĂŒndigung von Google wirkte ziemlich unrund und ĂŒberhastet. Der Google-CEO versuchte, mit einem Blogpost Microsoft und OpenAI in die Parade zu fahren und verkĂŒndete spontan einen Tag vor der Microsoft-Pressekonferenz die Neuigkeiten zu “Bard”.

Allerdings hat er seiner eigenen Firma damit auch die eigene Pressekonferenz abgeschossen, die am Tag nach der von Microsoft stattfand. Da wurden Journalist:innen aus Dutzenden LĂ€ndern eingeladen, um dann – nichts Neues zu sehen zu bekommen. Und dann gabs noch einen fetten Patzer bei der Demo von “Bard”. Die KI gab eine falsche Antwort zum ​​James-Webb-Teleskope. Der PR-Supergau kostete Google an der Börse satte 100 Milliarden Dollar, weil der Aktienkurs einbrach. Ziemlich peinlich, das alles.

Wir durchleuchten ChatGPT – mit Clemens Wasner & Michael Katzlberger

Kapitel 4: Dreckige Wahrheiten bei KI

Das große Problem fĂŒr Google bei KI-Chatbots ist: Sie bedrohen die Google-Suche. Denn wenn die KI eine Antwort gibt, dann muss der Nutzer nicht mehr auf Links klicken, und Google verdient keinen Cent mehr. Aber nicht nur deswegen ist der Internet-Konzern so zögerlich bei der EinfĂŒhrung solcher Tools. Diese haben nĂ€mlich eine Reihe von großen Problemen.

Ein Problem sind die Antworten. Prinzipiell sind AI-Chatbots nur so gut wie die Daten, aus denen sie Antworten geben können. Je mehr Menschen ChatGPT und Co benutzen, umso öfter wird klar, dass die Bots noch voller Fehler sind, LĂŒgen drinstecken und Stars gefaked werden können. Star-DJ David Guetta etwa hat die Stimme von Eminem imitieren lassen und daraus einen Track gebastelt:

Außerdem muss man wissen, wie ChatGPT trainiert wird. Es sind nĂ€mlich bei weitem nicht nur riesige Rechner, die KI trainieren sondern auch Heerscharen von Menschen in BilliglohnlĂ€ndern. ChatGPT-Macher Open AI hat ab November 2021 die Outsourcing-Firma Sama damit beauftragt, Telearbeiter:innen in Kenia zu Dumping-Löhnen schĂ€dliche Inhalte zu markieren. FĂŒr 1,32 und 2 Dollar pro Stunde mussten sie Texte und Bilder markieren. Ein Text etwa hat beschrieben, wie ein Mann Sex mit einem Hund in Anwesenheit eines Kindes hat. Auch wurden von den Billig-Arbeiter:innen Bilder mit Markierungen fĂŒr Kindesmissbrauch, Vergewaltigung oder Tötung versehen. Das Trainieren von AI ist also auch ziemlich dreckiges Business.

ChatGPT: Billigarbeiter:innen filterten schĂ€dliche Inhalte fĂŒr die gehypte AI

Stichwort dreckig: KI braucht viel Energie. Eine normale Google-Suchanfrage verbraucht etwa 0,3 Wattstunden. Das bedeutet: Wenn man 20 Mal googelt, verbraucht man etwa so viel wie eine Energiesparlampe in einer Stunde. Wenn nun Suchanfragen von KI-Modellen beantwortet werden, dann könnte das vier bis fĂŒnf Mal so viel Strom brauchen. Schon heute sind Cloud-Rechenzentren bereits fĂŒr ein Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Kein Wunder, dass Open AI Investor Microsoft emsig dabei ist, CO2-Zertifikate zu kaufen, um seine Emissionen zu kompensieren.

Und schließlich geht es natĂŒrlich um Daten fĂŒr die Werbung. Microsoft verspricht sich aus der Integration von ChatGPT nicht nur mehr Nutzer:innen fĂŒr Bing, sondern vor allem eines: prĂ€zisere Daten fĂŒr personalisierte Werbung. Neben Google ist Bing ein Werbe-Zwerg. Aber wenn nun Millionen Menschen mit Bing chatten, dann liefert das wertvolle Daten.

Microsoft verspricht sich von ChatGPT “umfassende Einblicke in die WĂŒnsche der Nutzer:innen, und das soll Werbetreibenden intelligentere Möglichkeiten bieten. Wer also Google als Datenkrake verurteilt, der muss auch bei ChatGPT ziemlich kritisch hinblicken.

ChatGPT soll Microsoft prĂ€zisere Daten fĂŒr personalisierte Werbung liefern

Kapitel 5: Microsoft gewinnt die Schlacht, aber Google vielleicht den Krieg

Microsoft ist es sicher gelungen, mit ChatGPT das heißeste AI-Startup der Welt auf seine Seite zu holen. Google sieht daneben ziemlich alt aus, obwohl es mit DeepMind oder LaMDA eigentlich ziemlich starke Technologien fĂŒr KI lĂ€ngst in petto hat. Klar ist aber auch: Der ChatGPT-Hype wird sich wieder legen, und es wird sich zeigen, was die KI in der Praxis wirklich taugt. WĂ€hrenddessen hat Google Zeit, Bard in Stellung zu bringen. Einen entscheidenden Vorteil hat Google noch gar nicht ausgespielt: Android, das weltweit dominierende Smartphone-Betriebssystem. Wird Bard dort intelligent eingebaut, dann kann das Ding sicher abheben.

Somit lĂ€sst sich sagen: Microsoft hat die erste Schlacht gewonnen, aber Google kann den KI-Krieg immer noch fĂŒr sich entscheiden. Und dann gibt es noch mindestens 3 große Unbekannte: Was werden Apple, Facebook und Amazon 2023 noch aus dem Hut zaubern? Es bleibt spannend.

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Das Cover von Ausgabe 2. © Visnjic / Trending Topics

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