Israel

Coworking Spaces: „Es gibt einen Goldrausch der Ideen, und wir sind die Ausr├╝ster“

Coworking Space Ayeka in Tel Aviv. ┬ę Ayeka
Coworking Space Ayeka in Tel Aviv. ┬ę Ayeka

Israelische Popmusik schwebt in der Luft, es ist angenehm k├╝hl, und in der offenen K├╝che wird gerade Kaffee gebr├╝ht. Daniel Chens Augen leuchten, wenn er sich zufrieden umschaut und ├╝ber die Startup-Ideen der vorwiegend jungen Menschen spricht, die seinen Coworking Space Ayeka┬ábev├Âlkern. „Hotel, B├╝ro, Caf├ę, Bar, Event-Location – irgendwann wird man nicht mehr unterscheiden k├Ânnen, was das hier genau ist“, sagt Chen, der Ayeka gemeinsam mit seiner Frau Sharon vor rund sieben Monaten er├Âffnet hat.

Chen ist einer von denen, die die Zukunft der Arbeit gestalten wollen – und damit Gesch├Ąft machen. „Es gibt einen Goldrausch der Ideen, und wir sind die Ausr├╝ster“, sagt er. In nur 42 Tagen hat er die gemietete Immobilie im Zentrum von Tel Aviv mit Pool am Dach und eigenem Fitness-Center zum Coworking Space umgebaut. Um die richtige Atmosph├Ąre zu schaffen, hat er Setter Architects engagiert – also die gleichen, die auch die B├╝ros von Google und Facebook in Israel gestaltet haben. Denn trotz der Annehmlichkeiten geht es am Ende um eines: „Die Leute hier m├╝ssen ihre Arbeit erledigen.“

Premium-Umfeld, um Mitarbeiter zu halten

Ayeka profitiert vom anhaltenden Boom der israelischen Startup-Industrie (Trending Topics berichtete). Die 1.800 Quadratmeter mit Coworking-Bereich und rund 50 Einzelb├╝ros sind ausgebucht, das Gesch├Ąft ist laut Chen profitabel. Die Nachfrage ist gut, immerhin gibt es in dem kleinen Land knapp 5.600 Startups, die irgendwo ihre Teams arbeiten lassen m├╝ssen. Alleine in Tel Aviv sind es mehr als 50 Coworking Spaces, die Jungfirmen und Einzelunternehmern Raum und M├Âglichkeit zum Networking bieten.

„Technologie erm├Âglicht, dass man heute Firmen sehr viel schneller hochziehen kann als fr├╝her. Jeder hat seine Ideen, und jetzt gibt es eben die Ressourcen, sie einfach umsetzen zu k├Ânnen“, erkl├Ąrt sich Chen den Boom. Dazu k├Ąme ein neuer Mindset bei jungen Leuten, lieber f├╝r sich selbst und nicht f├╝r gro├če Konzerne arbeiten zu wollen. „Wir sind im Revolutions-Modus.“ Ayekas Investoren suchen die N├Ąhe zu dieser Revolution.

Um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden, setzt Ayeka auf „Premium“. Annehmlichkeiten wie der Pool, eine Bibliothek, ein eigenes Videostudio, Bike-Sharing, Parkpl├Ątze und das Fitness-Center sollen den Coworking Space m├Âglichst attraktiv machen. Der Grund: „Bei uns sind viele Startups, die bereits Investment bekommen haben. F├╝r sie ist es essenziell, ihren Mitarbeitern eine optimale Arbeitsumgebung bieten zu k├Ânnen“, sagt Chen. Ansonsten w├╝rden sie Gefahr laufen, die Mitarbeiter nicht lange genug halten zu k├Ânnen.

Bei Ayeka in Tel Aviv. ┬ę Jakob Steinschaden
Bei Ayeka in Tel Aviv. ┬ę Jakob Steinschaden

WeWork: Der Herausforderer aus den USA

Das attraktive ├ľkosystem Israels hat einen US-Riesen angelockt: Es ist nat├╝rlich WeWork, jene 2010 in New York gestartete Firma, die nach einem Investment durch Softbanks Vision Fund (mehr dazu hier) bei einer Bewertung von 20 Milliarden US-Dollar h├Ąlt. In Israel betreibt WeWork gleich neun Standorte auf tausenden von Quadratmetern.

B├Âse Zungen sagen, dass das Konzept jenem von┬áMcDonald’s gleiche. Egal wo auf der Welt, die R├Ąumlichkeiten unterliegen strengen Design-Vorgaben. Jeder WeWork-Space sieht gleich aus. Im beliebten Hipster-Design soll sich der WeWork-Kunde in jedem der aktuell 237 Coworking Space sofort heimelig f├╝hlen.

Bier vom Fass bei WeWork in Tel Aviv. ┬ę Jakob Steinschaden
Bier vom Fass bei WeWork in Tel Aviv. ┬ę Jakob Steinschaden

Bei WeWork, quasi das „Airbnb f├╝r B├╝ros“, dreht sich alles um die Community. Die weltweit 3.000 Mitarbeiter sind gr├Â├čtenteils Community-Manager, die daf├╝r sorgen, dass die zahlenden Mitglieder sich um nichts anderes als ihre eigenen Projekte k├╝mmern m├╝ssen.┬áInternet, Drucker, Putztrupp, Strom, Wasser, Kaffee, ja sogar das After-Work-Bier aus dem Zapfhahn ist im Preis inkludiert. Wohlf├╝hlen ist die Devise – nur so kann man die R├Ąume auch langfristig f├╝llen und nachhaltig betreiben. Im Vergleich zu einem eigenen B├╝ro verspricht WeWork immer rund 25 Prozent g├╝nstiger sein.

Seismograf f├╝r Jungfirmen

Im Hintergrund geht es aber nat├╝rlich ums Business. Erst k├╝rzlich sollen WeWork-Mitarbeiter in New York dabei ertappt worden sein, beim Konkurrenten Knotel zu spionieren. Offenbar ging es darum, an „proprietary information and trade secrets“ heran zu kommen.

Daten sind jedenfalls ein wichtiger Bestandteil des Gesch├Ąfts: Bei WeWork gibt es eine eigene App mit angeschlossenem Social Network f├╝r die Mitglieder, ├╝ber das sie sich mit den anderen Community-Teilnehmern austauschen k├Ânnen. Man k├Ânnte auch meinen: WeWork zielt auf einem Lock-in-Effekt ab.

WeWork hat sehr genaue Aufzeichnungen ├╝ber die eingemieteten Firmen, ihre Mitarbeiter und ihre Gesch├Ąftsfelder. In eigenen Dashboards werden Statistiken ├╝ber sie angelegt. Noch ist die Firma darauf fokussiert, lediglich Arbeitspl├Ątze zu vermieten. Doch ein weltweites Coworking-Netzwerk k├Ânnte sich auch zu einem Seismografen f├╝r Investoren entwickeln, die wissen wollen, woran junge Talente gerade arbeiten, wo sie sitzen und wen sie ins Team holen.

Aktuell z├Ąhlt die New Yorker Firma 160.000 zahlende Mitglieder (inklusive 20.000 Firmen), die in 238 Standorten in 56 St├Ądten weltweit auf insgesamt fast einer Million Quadratmeter werken.

Bei WeWork in Tel Aviv. ┬ę Jakob Steinschaden
Bei WeWork in Tel Aviv. ┬ę Jakob Steinschaden

Der Draht zu Israel

Die Wurzeln der WeWork-Idee, mittlerweile ein globales Ph├Ąnomen, finden sich ├╝brigens in Israel. WeWork-Mitgr├╝nder┬áAdam Neumann lebte in einem israelischen Kibbuz, bevor er in die USA emigrierte. Dabei handelt es sich um┬ágenossenschaftliche Siedlungen, in denen Mitglieder ohne viel Privateigentum wohnen und das t├Ągliche Leben kollektiv und basisdemokratisch organisiert wird. Von Sanit├Ąranlagen bis zur K├╝che wird alles geteilt.

Coworking Spaces werden von diesem Konzept bis zu einem gewissen Grad bestimmt: Abgesehen von eigenen fixen Arbeitspl├Ątzen oder B├╝ros ist vieles auf „Sharing“ (Meeting-R├Ąume, K├╝che, Sanit├Ąranlagen, usw.) und Kollaboration ausgelegt. Der Unterschied zum Kibbuz: Hinter diesen stehen keine Unternehmen, die mit Milliardeninvestitionen im R├╝cken auf globale Expansion und Profit aus sind.

Offenlegung: Die Reisekosten nach Tel Aviv werden von T-Mobile Austria ├╝bernommen. Vielen Dank daf├╝r!

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