26. März

Earth Hour: Was es bringt, wenn es dunkel ist

Am 26. März startet die 16. Earth Hour ©Jan Huber/ Unsplash
Am 26. März startet die 16. Earth Hour ©Jan Huber/ Unsplash

Am 26. März. 2022  ist es wieder soweit. Weltweit findet ab 20.30 Uhr lokaler Zeit die Earth Hour statt. Eine Stunde lang bleiben seit der ersten vom WWF organisierten Earth Hour 2007  jeden letzten Samstag im März weltweit Sehenswürdigkeiten, einzelne Gebäude und private Haushalte dunkel. In Österreich machen alle neun Landeshauptstädte bei der Aktion mit, so der WWF. Sehenswürdigkeiten wie das Schloss Schönbrunn und das Rathaus in Wien, das goldene Dachl und der Stadtturm in Innsbruck sowie der Lindwurm in Klagenfurt werden eine Stunde lang nicht im künstlichen Licht erstrahlen. Das Motto der Klimaschutzaktion dieses Jahr: “Shape Our Future”, also “Gestalte unsere Zukunft”. 

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Lichtverschmutzung steigt stetig

Lichtverschmutzung, Lichtsmog, Lichtverunreinigung oder zu englisch Light pollution: diese Begriffe stehen alle für das gleiche Phänomen. Unmengen von künstlichen Lichtquellen, welche die Nacht zum Tag machen und die Dunkelheit verringern. Gemäß einer Studie aus dem Jahr 2016 leben inzwischen bereits mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung unter einem lichtverschmutzten Himmel. Besonders betroffen dabei: die Menschen aus Singapur, Kuwait und Katar. Am wenigstens betroffen: Menschen im Tschad, in der Zentralafrikanischen Republik und in Madagaskar.

Aber das könnte sich auch noch ändern. Den die Tendenz in punkto Luftverschmutzung ist stark steigernd, verstärkt durch LED-Lampen. Eine Studie der Universität Exeter aus 2021 kam zu dem Ergebnis, dass die Stärke der globalen satellitenbeobachtbaren Lichtemissionen von 1992 bis 2017 um mindestens 49 % zugenommen haben. Zudem geben die Forschenden an, dass die tatsächliche Zunahme, außerhalb der Satelliten-Wahrnehmung, weltweit bis zu 270 Prozent betragen könnte – in einigen Regionen sogar bis zu 400 Prozent.

Zu viel Licht hat viele Folgen

Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Einige Beispiele: das künstliche Licht tangiert den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen. Je heller es ist, desto weniger Melatonin wird ausgeschüttet. Das Hormon braucht es aber zur Regeneration. In der Tierwelt wird die Orientierung von Vögel und Insekten erheblich eingeschränkt, was dazu führt, dass Vögel teilweise mit hell beleuchteten Häusern kollidieren, Umwege fliegen oder verschobene Tagesrythmen haben. Insekten werden von Lichtquellen angezogen und sterben teilweise bei direkten Kontakt oder durch Erschöpfung. Zudem ist die Fortpflanzung einiger Pflanzen gefährdet, da die Insekten zur Bestäubung fehlen, angezogen von den künstlichen Lichtquellen.

Laut dem österreichischen Klimaministerium sind zudem durch die künstliche Aufhellung des Nachthimmels in Österreich nur mehr 10 Prozent der eigentlich mit freiem Auge sichtbaren Sterne zu sehen. Hinzu kommt die Energie, welche für die stetige Beleuchtung gebraucht wird und somit den Verbrauch von fossilen Energiequellen und den CO2-Ausstoß erhöht.

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Earth Hour als Zeichen für den Frieden

Heuer feiert die Earth Hour daher bereits ihr 16. Jubiläum. Mehr als 180 Nationen weltweit nehmen inzwischen an dieser Aktion teil. Wie auch der weltweite Klimastreik am 25. März. 2022, wollen die Organisator:innen mit der Earth Hour dieses Jahr ein Zeichen für den Frieden setzen, so der WWF. So sei die Earth Hour die „größte friedliche Klimaschutzaktion“ und stehe dafür, Menschen über Grenzen hinweg zum Schutz unserer Erde zusammen zu bringen.

Aber mit der Earth Hour sollen auch konkrete Klimaschutzziele erreicht werden. Und wurden es auch schon, so die Angaben der Organisator:innen. So fördere die Earth Hour „Gesetzesänderungen für lokal relevante Themen“. Dazu gehörte in den letzten Jahren die Einrichtung eines Nationalparks in Malaysia, der Verschärfung der Gesetzgebung zum Klimawandel in Schottland und der Schweiz und ein ein 10-jähriger Stopp für neue Ölprojekte in der Arktis in Russland.

NGO sieht Politik in der Pflicht

Der WWF Österreich fordert währenddessen dieses Jahr mehr Tempo in der Klimapolitik: “Der Tag der WWF Earth Hour markiert den bereits 450. Tag ohne Energie-Effizienz-Gesetz. Auch das versprochene Klimaschutzgesetz lässt schon lange auf sich warten, während der angekündigte Abbau umweltschädlicher Subventionen weiterhin verschleppt wird. Die Politik muss beim Klimaschutz endlich den Schalter umlegen“, sagt WWF-Klimasprecher Karl Schellmann.

Zudem präsentieren sie aktuell einen „neuen Katalog mit Klimaschutz-Tipps für den Alltag“. Auch, wenn die NGO das größte Potenzial in der Politik ortet: “Den größten Hebel hat die Politik, aber auch jede und jeder Einzelne kann einen Beitrag zum Schutz unseres Planeten leisten. Das reicht von der Umstellung der eigenen Ernährung über die Wahl eines klimafreundlichen Heizsystems bis hin zur täglichen Mobilität”, so Schellmann. 

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Innovative Lampen und Sternenparks

Auch unabhängig der Earth Hour wird eine Verringerung der Lichtverschmutzung immer dringlicher. Eine interessante Idee: 2021 präsentierte Tobias Trübenbacher im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der Universität der Künste Berlin Papilio, eine durch Windkraft betriebene Straßenlaterne. Diese soll Licht ausschließlich nach unten abstrahlen und einen Abstrahlwinkel weit unter der Horizontalen haben. Das soll verhindern, dass unnötig viel Licht in alle Richtungen abgestrahlt wird. Außerdem soll die Laterne durch eine eigene Turbine vom Stromnetz unabhängig sein. Sie verfügt laut der Universität über einen Infrarotsensor, der das Licht nur dann aktiviert, wenn es tatsächlich benötigt wird. Auch wenn die Laterne brennt sollen die Auswirkungen auf die Umwelt geringer sein. So habe das verwendete Lichtspektrum durch eine warme Farbtemperatur von 2700 Kelvin eine relativ geringe Anziehung für Insekten, ist der Entwickler überzeugt.

Dafür konnte sich Trübenbacher mit Papilio bereits beim „The James Dyson Award“ im deutschen Ranking den zweiten Platz sichern.

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Die International Dark Sky Association (IDA) zeichnet sogenannte Sternenparks mit dem International Dark Sky Reserve Titel aus. Ein Nationalpark kann sich den Titel sichern, indem wichtige Schritte unternommen werden, um zu viel Licht zu vermeiden. Dazu gehören beispielsweise gut abgeschirmte warmweiße LED Leuchten (kaltweiß zieht Insekten an) als Straßenbeleuchtung in der Umgebung. Auf der interaktiven Karte sind für Deutschland bereits fünf solche Sternenparks eingezeichnet. Österreich fehlt bisher. Somit ist da noch einiges an Potenzial vorhanden. Zudem gibt die IDA viele Tipps, wie die Lichtverschmutzung gesenkt werden kann, auch im privaten Haushalt. Das geht nämlich auch das ganze Jahr. Unabhängig der Earth Hour.

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