Hermes: Macher des OpenClaw-Rivalen fundraisen bei Milliardenbewertung
Das US-Startup Nous Research, das hinter dem Open-Source-Agenten Hermes steht, verhandelt derzeit über eine neue Finanzierungsrunde bei einer Bewertung von 1,5 Milliarden US-Dollar. Das berichtet TechCrunch unter Berufung auf drei mit den Verhandlungen vertraute Quellen. Angeführt werden soll die Runde von Robot Ventures, mit substanzieller Beteiligung von Union Square Ventures (USV) und weiteren namhaften Investoren. Mindestens 75 Millionen Dollar will das Unternehmen einsammeln – das Interesse auf Investorenseite soll dem Bericht zufolge hoch gewesen sein. Nous Research wollte die Informationen gegenüber TechCrunch nicht kommentieren.
Hermes gilt als direkter Konkurrent zu OpenClaw, jenem KI-Agenten, der Anfang des Jahres viral ging und lokal auf dem eigenen Rechner läuft, um Aufgaben für Nutzer:innen zu erledigen. Nur wenige Wochen nach dem OpenClaw-Hype brachte Nous Research seinen eigenen Agenten auf den Markt – mit einigen Unterschieden im Konzept.
Wer hinter Nous Research steckt
Gegründet wurde Nous Research 2023 von Jeffrey Quesnelle, Karan Malhotra, Ryan Teknium und Shivani Mitra. Vor der aktuellen Runde hatte das Startup laut Crunchbase insgesamt 70 Millionen Dollar aufgenommen, unter anderem von Paradigm, Robot Ventures, North Island Ventures, OSS Capital sowie dem Investor Balaji Srinivasan. Das Unternehmen ist in der Open-Source-Community gut verankert: Neben dem Agenten Hermes hat Nous Research auch eigene Sprachmodelle mit Fokus auf Coding und Mathematik veröffentlicht.
Die Zugkraft des Projekts lässt sich an den GitHub-Zahlen ablesen: Rund 214.000 Stars und knapp 40.000 Forks hat Hermes dort bereits gesammelt.
Was Hermes kann
Nous Research vermarktet Hermes als „The Agent That Grows With You“ – also als Agenten, der mit den Nutzer:innen mitwächst. Die wichtigsten Fähigkeiten im Überblick:
- Aufgaben automatisieren: Wie OpenClaw kann Hermes Aufgaben im Auftrag der Nutzer:innen erledigen – die Agenten laufen auf Wunsch rund um die Uhr. Wiederkehrende Jobs wie Reports, Backups oder Briefings lassen sich per natürlicher Sprache zeitlich planen und laufen dann unbeaufsichtigt.
- Eingebaute „Skills“: Anders als OpenClaw wurde Hermes von Beginn an mit vorgefertigten Fähigkeiten ausgeliefert, darunter Websuche, Coding und Bildverständnis. Dazu kommen Browser-Automatisierung, Bildgenerierung, Text-to-Speech und Multi-Model-Reasoning, also die Kombination mehrerer KI-Modelle.
- Persistentes Gedächtnis und selbstständiges Lernen: Der Agent merkt sich Projekte und einmal gefundene Problemlösungen dauerhaft und ist darauf ausgelegt, aus dem Nutzungsverhalten automatisch neue Skills zu generieren – ohne manuelles Zutun.
- Messaging-Integration: Ein Agent, ein Gedächtnis, viele Oberflächen: Nutzer:innen erreichen Hermes über Telegram, Discord, Slack, WhatsApp, Signal, E-Mail und die Kommandozeile.
- Subagenten: Für größere Aufgaben kann Hermes isolierte Subagenten mit eigenen Konversationen, Terminals und Python-Skripts starten und Arbeit an sie delegieren.
- Sandboxing: Zum sicheren Experimentieren unterstützt Hermes fünf isolierte Umgebungen – lokal, Docker, SSH, Singularity und Modal – inklusive Container-Härtung.
- Flexibles Deployment: Hermes ist Open Source (MIT-Lizenz) und läuft als native App auf macOS, Windows und Linux, als Terminal-Anwendung oder auf einem Virtual Private Server (VPS).
- Cloud-Version: Wer sich das eigene Setup ersparen will, kann auf eine gehostete Variante zurückgreifen – in Bezahlstufen zwischen 20 und 200 Dollar pro Monat. Über das „Nous Portal“ bieten die Abos (Free, Plus, Super, Ultra) monatliche Credits und Zugriff auf über 300 KI-Modelle.
Das frische Kapital soll laut den TechCrunch-Quellen dazu dienen, Produkt und Geschäftsmodell rund um Hermes weiter auszubauen.

