Exit für FlexPowerHub: Norwegischer EnergyTech-Konzern Volue kauft in Salzburg zu
Sie schlagen schon wieder zu: Der norwegische Energietechnologie-Konzern Volue übernimmt das Salzburger Unternehmen FlexPowerHub. Das EnergyTech hat sich auf automatisierte Gebotsintelligenz für die sogenannten Regel-Energiemärkte spezialisiert – also jene Märkte, über die Netzbetreiber kurzfristig Kapazitäten einkaufen, um das Stromnetz stabil zu halten. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht genannt. Neben den Gründern war laut Firmenbuch auch die Salzburg AG mit etwa 20 Prozent an der Cognify GmbH beteiligt – so der offizielle Firmenname hinter FlexPowerHub.
FlexPowerHub automatisiert für Stromerzeuger, Händler und Batteriebetreiber den gesamten Bieterprozess auf den Regelenergiemärkten – von der strategischen Entscheidung bis zur finalen Übermittlung der Gebote an die Übertragungsnetzbetreiber. Die Software generiert dabei auf Basis eigener Prognosen und individueller Kundenparameter automatisch Gebote für die Regelleistungsprodukte FCR, aFRR und mFRR. Zusätzlich liefert das Unternehmen eine Aktivierungsprognose, die vorhersagt, wie viel Kapazität am Regelenergiemarkt tatsächlich abgerufen wird – eine Funktion, die vor allem für Betreiber von Batteriespeichern (BESS) relevant ist. Neben der DACH-Region ist FlexPowerHub auch in den Niederlanden, Belgien und Frankreich aktiv.
Regelenergiemärkte werden komplexer
Hintergrund der Übernahme ist der Umbau des europäischen Stromsystems: Mit dem wachsenden Anteil volatiler Erneuerbarer steigt der Bedarf an Flexibilität, die Regelenergiemärkte wachsen in Größe und Komplexität. Grenzüberschreitende Plattformen wie PICASSO und MARI koordinieren mittlerweile die Aktivierung von Regelleistung in weiten Teilen der EU, Abrechnung und Gebotsabgabe laufen in 15-Minuten-Intervallen, und Batteriespeicher drängen als schnell wachsende, preissensible Bietergruppe in die Märkte. Manuelle Gebotsprozesse stoßen damit zunehmend an ihre Grenzen – ein Umfeld, in dem Automatisierung zum entscheidenden Faktor wird. Die DACH-Region gilt dabei als einer der liquidesten und am genauesten beobachteten Regelenergiemärkte Europas.
Volue will die Technologie von FlexPowerHub mit dem eigenen Portfolio kombinieren, darunter die Lösung Optimeering, die Echtzeitbedingungen auf Regelenergie- und Ausgleichsmärkten prognostiziert. Volue-CEO Stephan Sieber sieht in den Regelenergiemärkten den Bereich, in dem sich die Spielregeln der Strommärkte derzeit am schnellsten ändern – profitieren würden jene Marktteilnehmer, die über alle Märkte hinweg weiter vorausblicken und schneller handeln können. FlexPowerHub-Geschäftsführer Martin Simmerstatter begründet den Verkauf mit der Reichweite des neuen Eigentümers: Mit Volue könne man die eigene Technologie einem deutlich größeren Kundenkreis in Europa zugänglich machen.
Volue mit Hauptsitz in Oslo beschäftigt mehr als 750 Mitarbeiter:innen und betreut Kunden in über 40 Ländern. Die Plattform des Konzerns deckt den gesamten Energie-Lebenszyklus ab – von Daten und Prognosen über Handel und Asset-Optimierung bis zum Netzmanagement.
Volue schlägt schon wieder in Österreich zu
Mit FlexPowerHub kaufen die Norweger bereits zum dritten Mal binnen kurzer Zeit in Österreich zu. Erst Anfang 2026 übernahm Volue den Wiener Software-Spezialisten HAKOM Time Series, der Zeitreihenmanagement-Lösungen für die Energiewirtschaft anbietet, zu 100 Prozent. Ende 2024 schnappte sich der Konzern das Wiener Unternehmen PowerBot, das eine Software für den algorithmischen Stromhandel entwickelt hat.
Die Zukäufe in Österreich sind Teil einer generell aggressiven Akquisitionsstrategie in Europa. Bereits 2020 kaufte Volue das Münchner Unternehmen Likron, das auf Software für den automatisierten Strom- und Gashandel spezialisiert ist, 2021 folgte die Aachener ProCom GmbH. Im Februar 2026 schloss Volue zudem die Übernahme des norwegischen Prognose-Spezialisten Optimeering ab. Das 2020 als Zusammenschluss mehrerer Energiehandels-Softwareunternehmen gegründete Unternehmen wurde zuletzt mit Hilfe der Investoren Advent International (USA) und Generation Investment Management (GB) von der Börse genommen – und setzt seither sichtbar auf anorganisches Wachstum, um sich als führender Softwareanbieter für das europäische Energiesystem zu positionieren.

