EY Analyse

2021 war ein extrem starkes IPO-Jahr, aber Rivian stellt alles in den Schatten

Rivian geht an die Börse. © Rivian
Rivian geht an die Börse. © Rivian

Den gigantischen US-Markt für SUVs und Trucks, die Wende zur Elektromobilität und schließlich auch noch Amazon im Rücken: Der Elektroautobauer Rivian von Gründer RJ Scaringe aus Irvine in Kalifornien hat dieses Jahr alle anderen Börsengänge in den Schatten gestellt. Das geht aus einer Analyse des IPO-Marktes 2021 durch Unternehmensberater EY hervor.

„Der mit Abstand größte Börsengang des Jahres fand an der NASDAQ statt: Der Elektroautohersteller Rivian erlöste im November 13,7 Milliarden US-Dollar“, heißt es im aktuellen „EY Global IPO Update 2021“. Auf Platz 2 kommt der Telekommunikationsanbieter China Telecom, der bei seinem Börsendebüt auf ein Emissionsvolumen von 7,4 Milliarden US-Dollar kam. Rivian als IPO-König hat es auf eine sagenhafte Börsenbewertung von 100 Milliarden Dollar geschafft und ist damit mehr wert als Daimler, General Motors, Ford oder BMW.

An dritter Stelle rangiert die Erstnotiz der Kurzvideoplattform Kuaishou Technology mit einem Emissionsvolumen von 6,2 Milliarden US-Dollar. Dahinter folgt der südkoreanische Onlinehändler Coupang mit einem Emissionsvolumen von 4,6 Milliarden US-Dollar.

Plötzlich Platz 6: Wie Amazon Rivian zu einem der wertvollsten Autobauer macht

Börsengänge in Europa boomen ebenfalls

Insgesamt wurden in diesem Jahr weltweit 2.388 Börsenneulinge gezählt – 64 Prozent mehr als 2020. Das weltweite Emissionsvolumen kletterte sogar um 67 Prozent auf 453 Milliarden US-Dollar. Damit war 2021 sowohl in Bezug auf die Zahl der Börsengänge als auch beim Emissionsvolumen das stärkste IPO-Jahr weltweit seit dem Jahr 2000″, heißt es im EY-Report.

Das stärkste Wachstum wurde in Europa registriert: Im Vergleich zu 2020 hat sich die Zahl der Börsengänge an europäischen Börsen von 191 auf 485 mehr als verdoppelt (plus 154 %), das Emissionsvolumen hat sich sogar fast verdreifacht: von 27,5 auf 81,1 Milliarden US-Dollar (plus 195 %). In Europa belegt der Börsengang der polnischen InPost mit 3,9 Milliarden US-Dollar den ersten Platz im Ranking der größten IPOs, gefolgt von Volvo Car (2,7 Milliarden US-Dollar) und Vantage Towers (2,6 Milliarden US-Dollar). Die meisten Börsengänge wurden hingegen erneut in China (einschließlich Hongkong) registriert.

Sehr stark entwickelte sich auch der US-Markt – sowohl im Gesamtjahr 2021 als auch im vierten Quartal: Die Zahl der Börsengänge an US-Börsen stieg um 86 Prozent auf 416, das Emissionsvolumen wuchs um 81 Prozent auf 155,7 Milliarden US-Dollar.

„2021 war ein extrem starkes IPO-Jahr“, sagt Gerhard Schwartz, Partner und Leiter des Assurance-Bereichs bei EY Österreich. „Zwar sorgte die Pandemie immer wieder für Turbulenzen und Unsicherheit. Dennoch war das Investorensentiment weltweit unterm Strich sehr positiv, die Volatilität hielt sich in Grenzen und neue Konjunktureinbrüche blieben aus. Vor allem aber erfreuen sich digitale Geschäftsmodelle weiterhin größter Beliebtheit bei Investor:innen. Und gleichzeitig ist enorm viel Geld im Markt, das nach vielversprechenden Anlagemöglichkeiten sucht. Alles in allem ist damit das Umfeld für Börsengänge derzeit ausgesprochen gut.“

Weltweite IPOs haben sich im zweiten Quartal verdreifacht

Der SPAC-Boom in Zahlen

Ein besonderer Trend des Jahres 2021 waren so genannte Special Acquisition Companys (SPACs) – also Börsenmäntel, die nur dazu dienen, um nicht börsennotierte Unternehmen zu schlucken und so schnell an der Börse handelbar zu machen. „Im laufenden Jahr wurden weltweit insgesamt 646 SPAC-Transaktionen gezählt, ein Wachstum von 136 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Mantelgesellschaften erzielten ein Emissionsvolumen von insgesamt 161 Milliarden US-Dollar (plus 97 %)“, heißt es seitens EY.

646 SPACS bei insgesamt 2.388 Börsenneulinge – das bedeutet auch, dass 27 Prozent aller Börsengänge leere Hüllen sind, die nur darauf wart(et)en, um andere Firmen zu schlucken und auf diesem Weg an die Börse zu bringen.

Von den 646 SPAC-Transaktionen im laufenden Jahr entfielen 587 (91 %) auf die USA und 20 SPAC Emissionen auf Asien, während in Europa 39 derartige Emissionen verzeichnet wurden. „SPACs sind vor allem ein US-Phänomen, aber wir beobachten auch in Europa ein großes Interesse“, sagt Schwartz. „Die Zahl der SPAC-Emissionen in Europa stieg immerhin von sechs im Gesamtjahr 2020 auf 39 im Jahr 2021.“

Schwartz rechnet daher mit einer steigenden Zahl indirekter Börsengänge im kommenden Jahr: „Die Kassen der derzeit rund 660 aktiven SPACs sind mit gut 160 Milliarden US-Dollar prall gefüllt – das eröffnet interessierten Unternehmen über den Zusammenschluss mit einer Mantelgesellschaft einen vielversprechenden alternativen Weg aufs Parkett – ob in Europa oder den USA.“

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