Fashion Act

New York Fashion Week: Wenn aus Bananenschalen und Blütenblättern High Fashion wird

©Michael Lee/Unsplash

Seit vergangenem Freitag war es wieder so weit. Die Blicke der ganzen Modewelt richteten sich für eine Woche nach New York zur New York Fashion Week (NYFW). Sie ist der Auftakt der Fashionweeks, denn nach New York läuten auch London, Mailand und Paris das Fashionjahr 2022 ein.

Wie bereits in den vergangenen Jahren auch, blicken nicht nur Modeinteressierte auf die Laufstege. Auch Umweltschützer:innen beobachten das Geschehen scharf. Immerhin zählt die Modebranche zu den größten Umweltverschmutzern weltweit. Alleine in Österreich landen laut dem Umweltbundesamt jährlich rund 221.800 Tonnen Textilabfälle im Müll. Nur etwa 17 Prozent davon würden wiederverwendet und recycelt, der überwiegende Teil werde verbrannt, so das Resümee. 

Aber – auch in die Welt der Mode kommt Bewegung. Zuletzt lenkte die Luxusmarke Dolce & Gabbana Aufmerksamkeit auf sich, indem sie mitteilte, zukünftig auf echten Pelz in ihren Kollektionen verzichten zu wollen, wir berichteten. Nun gehen einige  Designer:innen der NYFW noch einen Schritt weiter.

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Textilien auf Bio-Abfällen

Ein Beispiel: die chinesische  Modedesignerin Lisa von Tang. Wie diese selber angibt, arbeite sie für ihre Kollektionen eng mit Textilfabriken zusammen, um organische Abfälle wie Bananenschalen und Blütenblätter zu „luxuriösen, äußerst haltbaren Stoffen“ zu recyceln. Diese bringt sie nun auch auf den diesjährigen Laufsteg.

Laut der „ARD“laufen daher dieses Jahr Ananas, Bananen und Äpfel über den Laufsteg. Aber nicht als stilistisch fragwürdige Faschingskostüme, sondern als Materialien für Textilien. Die Modedesignerin Lisa von Tang stellt ihre eleganten Abendkleider laut eigenen Angaben aus Ananas-Leder, Apfel, Banane und auch Blütenblättern her. Alles was dehnbar sein muss, bestehe aus Seide oder Recyclingmaterial: „Unser Stretch besteht aus recyceltem Plastik. Alte Fischernetze werden als Abfall aus dem Meer geholt, geschmolzen und zu Pellets gepresst“, so Tang gegenüber der „ARD“ und weiter: „Daraus entsteht ein Faden, der mit verschiedenen Materialien gemischt wird.“ 

Auch wenn damit kein zusätzlicher Plastikmüll produziert wird – Seide ist nicht unumstritten. Immerhin wolle  sie mit dem Material sparsam umgehen, so die Designerin und zukünftig hauptsächlich auf Bestellungen produzieren. Massenproduktion sei nicht mehr im Trend und durch ihre oft Über-Produktion nicht verantwortungsvoll.

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New Yorker Fashion Act

Auch wenn das ein interessanter Ansatz ist, sind solche Vorstöße natürlich nur kleine Fische im großen Teich der Fast Fashion Industrie. Das könnte sich jedoch zumindest in New York künftig ändern. Der Bundesstaat New York möchte als erster ein Gesetz mit umfassenden Nachhaltigkeitsvorschriften für die Branche verabschieden und mit diesem Fashion Sustainability Act Geschichte schreiben, so der New Yorker Senat und verlinkt einen entsprechenden Beitrag der „New York Times“

Am Freitag wurde der Fashion Sustainability and Social Accountability Act (oder Fashion Act) vorgestellt. Mit diesem Gesetzentwurf sollen die größten Modemarken für ihre Rolle beim Klimawandel zur Rechenschaft gezogen werden. Dafür haben sich vor allem die Senatorin Alessandra Biaggi und der Abgeordneten Anna R. Kelles eingesetzt. Zudem würde der Vorstoß von zahlreichen Non-Profit-Organisationen unterstützt werden, die sich mit Mode und Nachhaltigkeit befassen, darunter das New Standard Institute, der Natural Resources Defense Council und die New York City Environmental Justice Alliance, sowie die Designerin Stella McCartney. 

Laut dem Senat wird das Gesetz für weltweit tätige Bekleidungs- und Schuhunternehmen mit einem Umsatz von mehr als 100 Millionen Dollar gelten, die in New York Verkäufe tätigen. Das betreffe so ziemlich alle großen multinationalen Modemarken, von den ganz Großen – LVMH, Prada, Armani – bis hin zu Fast-Fashion-Giganten wie Shein und Boohoo.

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Strafen von bis zu zwei Prozent des Jahresumsatzes

In der Praxis solle der Fashion Act für die Unternehmen bedeuten, dass sie nach Inkrafttreten des Gesetzes innerhalb von zwölf Monaten mindestens 50 Prozent ihrer Lieferkette erfassen müssen. Das fange bei den den Farmen, aus denen die Rohstoffe stammen an und gehe über die Fabriken bis hin zum Versand. Auf Grundlage dieser Daten müssten sie dann spätestens 18 Monate nach dem Inkrafttreten offenlegen, wo in dieser Kette die größten sozialen und ökologischen Missstände in Bezug auf faire Löhne, Energie, Treibhausgasemissionen, Wasser und Chemikalienmanagement zu verzeichnen sind und konkrete Pläne zur Verringerung dieser Zahlen vorlegen. Dazu gehörten vor allem auch die CO2-Emissionen.

Wenn die betroffenen Unternehmen gegen das Gesetz verstoßen, würden sie mit einer Geldstrafe von bis zu zwei Prozent ihres Jahresumsatzes belegt, so die „New York Times“. Noch ist es aber nicht soweit. So muss der Entwurf noch durch den Senat und die Assembly Ausschüsse. Die Initiator:innen erhoffen sich im späten Frühjahr, nach Abschluss der Haushaltsverhandlungen, den Entwurf zur Abstimmung zu bringen.

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