OpenAI will jetzt KI-Agenten auf die Arbeitswelt loslassen
OpenAI baut seine KI-Plattform ChatGPT gezielt für den professionellen Einsatz aus. Mit den neu eingeführten „Workspace Agents“ ersetzt das Unternehmen schrittweise die bisherigen Custom GPTs durch leistungsfähigere, dauerhaft laufende Agenten, die komplexe Arbeitsabläufe in Unternehmen automatisieren sollen. Die Funktion richtet sich ausschließlich an Geschäftskunden mit Business-, Enterprise-, Edu- oder Teachers-Tarifen.
Wie berichtet, befindet sich OpenAI in einem größeren Pivot weg von Endkonsumenten hin zum B2B-Bereich mit Unternehmenskunden – also jenem Feld, wo derzeit vor allem der Konkurrent Anthropic mit Claude Code und Claude Cowork stark unterwegs ist.
Der Übergang von Custom GPTs zu Agents
Custom GPTs, die bisher von Nutzern selbst konfiguriert werden konnten, gelten bei OpenAI offenbar als Übergangstechnologie. Das Unternehmen beschreibt Workspace Agents ausdrücklich als „Weiterentwicklung von GPTs“ und kündigt an, den Wechsel aktiv zu erleichtern: Bestehende GPTs sollen künftig direkt in Workspace Agents umgewandelt werden können.
Der entscheidende Unterschied liegt in der technischen Grundlage und im Einsatzbereich. Während Custom GPTs primär auf einzelne Gesprächsanfragen reagierten, laufen Workspace Agents dauerhaft in der Cloud, können eigenständig Aufgaben ausführen und sind auf die gemeinsame Nutzung innerhalb von Teams ausgelegt.
„Workspace Agents sind eine Weiterentwicklung von GPTs. Angetrieben von Codex, können sie viele der Aufgaben übernehmen, die Menschen bereits bei der Arbeit erledigen, von der Erstellung von Berichten über das Schreiben von Code bis hin zur Beantwortung von Nachrichten.“
Was Workspace Agents konkret leisten
Die Agenten basieren auf OpenAIs Codex-Modell und verfügen über eine Reihe von Fähigkeiten, die über einfache Chatfunktionen deutlich hinausgehen. Sie können mehrstufige Aufgaben eigenständig abarbeiten, sich an frühere Projekte erinnern und mit externen Anwendungen verbunden werden.
- Zeitgesteuerte Ausführung: Agenten können nach Zeitplan laufen, etwa jeden Freitag automatisch Berichte erstellen und an das Team versenden.
- App-Integration: Verbindungen zu externen Tools wie CRM-Systemen, IT-Ticketsystemen und Kommunikationsplattformen sind möglich.
- Slack-Anbindung: Agenten können direkt in Slack-Kanälen eingesetzt werden, um Anfragen zu beantworten oder Aufgaben entgegenzunehmen.
- Code schreiben und ausführen: Agenten können nicht nur Code verfassen, sondern ihn auch direkt in einer Cloud-Umgebung ausführen.
- Gedächtnis über Projekte hinweg: Agenten speichern Kontext und lernen durch Korrekturen im Laufe der Zeit.
- Genehmigungsworkflows: Bei sensiblen Aktionen, etwa dem Versenden von E-Mails oder dem Bearbeiten von Tabellen, können Agenten so konfiguriert werden, dass sie zuerst eine menschliche Freigabe einholen.
Konkrete Anwendungsfälle aus dem Unternehmensalltag
OpenAI nennt mehrere Beispiele, die bereits intern im Einsatz sind und als Vorlage für andere Unternehmen dienen sollen:
- Software-Prüfung: Ein Agent bewertet Softwareanfragen von Mitarbeitern, prüft sie gegen interne Richtlinien und erstellt automatisch IT-Tickets.
- Produkt-Feedback-Routing: Feedback aus Slack, Support-Kanälen und öffentlichen Foren wird gesammelt, priorisiert und in wöchentliche Produktzusammenfassungen umgewandelt.
- Monatlicher Buchhaltungsabschluss: Ein Agent übernimmt Teile des Monatsabschlusses, von Buchungseinträgen bis zur Abweichungsanalyse, und erstellt prüfungsfähige Unterlagen.
- Lead-Qualifizierung im Vertrieb: Eingehende Leads werden recherchiert, bewertet, mit personalisierten Follow-up-E-Mails versehen und im CRM aktualisiert.
- Lieferantenrisiko-Management: Agenten prüfen Drittanbieter auf Sanktionen, finanzielle Risiken und Reputationsrisiken und erstellen strukturierte Berichte.
Kontrolle und Sicherheit für Unternehmen
OpenAI betont, dass Unternehmen die volle Kontrolle über ihre Agenten behalten. Administratoren können festlegen, welche Daten und Tools ein Agent nutzen darf, wer Agenten erstellen und teilen darf, und welche Aktionen eine manuelle Genehmigung erfordern. Zusätzlich gibt es integrierte Schutzmaßnahmen gegen sogenannte Prompt-Injection-Angriffe, bei denen externe Inhalte versuchen, den Agenten zu manipulieren.
Für Enterprise- und Edu-Kunden steht zudem eine Compliance-API bereit, die Administratoren vollständige Transparenz über Konfiguration, Änderungen und Ausführungen aller Agenten bietet. Agenten können bei Bedarf auch vom Administrator deaktiviert werden.
Verfügbarkeit und Preismodell
Workspace Agents befinden sich derzeit in einer „Research Preview“ und sind für Nutzer der Tarife Business, Enterprise, Edu und Teachers kostenlos zugänglich. Ab dem 6. Mai 2026 wechselt OpenAI auf ein kreditbasiertes Preismodell. Neue Agenten lassen sich direkt über den ChatGPT-Sidebar-Bereich erstellen, indem ein gewünschter Arbeitsablauf in natürlicher Sprache beschrieben wird.
„KI hat bereits dabei geholfen, dass Menschen schneller alleine arbeiten können. Aber viele der wichtigsten Arbeitsabläufe innerhalb einer Organisation hängen von gemeinsamem Kontext, Übergaben und Entscheidungen über Teams hinweg ab.“
Mit Workspace Agents positioniert sich OpenAI klar im Wettbewerb mit anderen Technologiekonzernen wie Google, Microsoft und Amazon, die ebenfalls Milliarden in autonome KI-Systeme für den Unternehmenseinsatz investieren. Die Ablösung der Custom GPTs markiert dabei einen strategischen Schwenk: weg vom individuellen Chatbot-Baukasten, hin zu dauerhaft laufenden, teamfähigen Automatisierungswerkzeugen.


