Gestartet

Prometheus: Jeff Bezos‘ KI-Startup mit 41 Mrd. Dollar Bewertung aus Stealth-Modus

Jeff Bezos. © Daniel Oberhaus (CC BY 2.0)
Jeff Bezos. © Daniel Oberhaus (CC BY 2.0)

Jeff Bezos lüftet den Vorhang: Sein KI-Startup Prometheus ist am Donnerstag offiziell aus dem Stealth-Modus getreten – und das mit Zahlen, die selbst in der aktuellen KI-Investitionswelle herausstechen. Insgesamt 12 Milliarden US-Dollar hat das Unternehmen eingesammelt, die Bewertung liegt bei 41 Milliarden US-Dollar. Damit zählt Prometheus auf einen Schlag zu den höchstbewerteten KI-Startups der Welt – noch bevor es ein Produkt vorgestellt hat.

Neben Bezos selbst, der einen erheblichen Teil des Kapitals beisteuert, sind namhafte Investoren an Bord: JPMorgan, BlackRock und Goldman Sachs ebenso wie die Venture-Capital-Firmen DST Global und Arch Venture Partners. Bereits im November 2025 hatte das Startup eine erste Finanzierung über 6,2 Milliarden US-Dollar erhalten.

Bezos erstmals seit Amazon wieder CEO

Für Bezos ist Prometheus mehr als ein weiteres Investment-Vehikel. Erstmals seit seinem Rückzug von der Amazon-Spitze im Juli 2021 übernimmt der Tech-Milliardär wieder eine operative CEO-Rolle – gemeinsam mit Co-CEO Vik Bajaj, Professor an der Stanford University School of Medicine und Mitbegründer des Alphabet-Forschungslabors Verily. Bezos hatte zuletzt erklärt, das Projekt begeistere ihn so sehr, dass er viel Zeit und Energie investiere. KI dominiert mittlerweile seinen gesamten unternehmerischen Alltag: Ob bei Amazon, wo er Executive Chairman bleibt, bei seiner Raumfahrtfirma Blue Origin oder eben bei Prometheus – überall stehe das Thema im Zentrum, so Bezos gegenüber CNBC.

Damit reiht sich der Amazon-Gründer in einen bemerkenswerten Trend ein: Die Gründergeneration der großen Tech-Konzerne steigt persönlich wieder in den Ring. Google-Mitgründer Sergey Brin kehrte zurück nach Mountain View und arbeitet dort operativ an den Gemini-Modellen mit, Larry Page soll mit Dynatomics ebenfalls an einem KI-Startup für die Fertigungsindustrie werkeln, und Meta-Chef Mark Zuckerberg hat mit den Superintelligence Labs die KI-Entwicklung seines Konzerns zur Chefsache erklärt – inklusive persönlicher Abwerbekampagnen für Top-Forscher. Das KI-Rennen ist längst nicht mehr nur ein Wettbewerb der Konzerne, sondern auch ihrer Gründer.

„Artificial General Engineer“: KI für die physische Wirtschaft

Doch worum geht es bei Prometheus eigentlich? Das Unternehmen will für Ingenieurwesen und Fertigung das leisten, was Large Language Models für Text geleistet haben. Bezos spricht von einem „Artificial General Engineer“ – einem KI-System, das Ingenieuren das Entwerfen physischer Objekte massiv erleichtern soll, von Wolkenkratzern über Smartphones bis zu Flugzeugtriebwerken. Statt Texte aus dem Internet zu destillieren, trainiert Prometheus seine Modelle auf Daten aus der physischen Welt: etablierte physikalische Gesetze, eigene Testdaten und Informationen aus Kooperationen mit nicht näher genannten Fertigungsunternehmen.

Die Rechnung, die Bezos aufmacht: Wenn ein Projekt, das heute 100 Ingenieure zehn Jahre lang beschäftigt, künftig von zehn Ingenieuren in einem Jahr gestemmt werden kann, werde schlicht viel mehr gebaut. Sorgen um Arbeitsplatzverluste weist er zurück – im Gegenteil prognostiziert er einen Arbeitskräftemangel, weil KI das Bauen neuer Dinge billiger und einfacher mache. KI sei für Arbeitskräfte wie ein „Bulldozer statt einer Schaufel“.

Mit Robotik habe Prometheus ausdrücklich nichts zu tun, betont Bezos. Das Unternehmen beschäftigt rund 150 Mitarbeiter:innen an Standorten in San Francisco, London und Zürich, betreibt einen eigenen großen GPU-Cluster und rekrutiert aktiv Talente von OpenAI, Google DeepMind und Nvidia. Über den zweiten Teil der Vision schweigen die Co-CEOs noch weitgehend: Berichten zufolge soll ein Berkshire-Hathaway-artiges Portfolio entstehen, das mit den Prometheus-Modellen bestehende Industriekonzerne übernimmt oder neue Konkurrenten aufbaut – ein direkter Angriff auf die physische Wirtschaft, analog zur aktuellen Umwälzung der Wissensarbeit durch LLMs.

Industrial AI: Auch Mistral setzt auf das Feld – mit Linzer Technologie

Prometheus ist mit dieser Stoßrichtung nicht allein. Auch in Europa hat das Thema Industrial AI zuletzt deutlich an Fahrt aufgenommen: Der französische KI-Champion Mistral AI übernahm erst kürzlich das Linzer Deep-Tech-Startup Emmi AI – Brancheninsidern zufolge für deutlich über 200 Millionen Euro. Das erst Ende 2024 von Johannes Brandstetter, Dennis Just und Miks Mikelsons gegründete Unternehmen entwickelt sogenannte Large Engineering Models: physikbasierte KI-Modelle, die Prozesse wie Luftströmungen, Thermodynamik oder Materialverformungen in Echtzeit simulieren und damit Entwicklungszyklen in Branchen wie Automobil, Energie, Halbleiter sowie Luft- und Raumfahrt drastisch verkürzen sollen.

Mit der Übernahme wird Linz zu einem offiziellen Mistral-Standort neben Paris, London und San Francisco; Brandstetter verantwortet künftig als Vice President den Bereich AI for Science. Die Parallele zu Prometheus ist offensichtlich: Auf beiden Seiten des Atlantiks setzen KI-Unternehmen darauf, dass der nächste große Sprung nicht in Chatbots liegt, sondern in Modellen, die die physische Welt verstehen – und sie schneller, billiger und präziser bauen helfen.

Auch in den USA verfolgt etwa Periodic Labs, gegründet von Forschern führender KI-Firmen, einen ähnlichen Ansatz und will mit KI Entdeckungen in Physik und Chemie beschleunigen. Das Rennen um die „KI für die physische Wirtschaft“, wie Prometheus seine Mission selbst beschreibt, hat damit endgültig begonnen.

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