Börsengang

SpaceX holt 75 Mrd. Dollar in Mega-IPO – 20 Milliarden dienen Kreditrückzahlung

© SpaceX
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Es ist wirklich passiert: SpaceX hat den größten Börsengang der Geschichte hingelegt. Das Raketen-, Satelliten- und KI-Unternehmen von Elon Musk hat beim IPO 75 Milliarden US-Dollar eingesammelt und damit alle bisherigen Rekorde pulverisiert. Die Nachfrage war trotz der hohen Bewertung enorm: Das Angebot soll Berichten zufolge vierfach überzeichnet gewesen sein. Die 555,6 Millionen Aktien wurden zu je 135 Dollar platziert, wie aus einer Einreichung bei der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht.

Daraus ergibt sich eine Bewertung von rund 1,77 Billionen Dollar – SpaceX steigt damit aus dem Stand zur siebtwertvollsten Firma der Welt auf, hinter dem Chip-Auftragsfertiger TSMC und noch vor dem Halbleiter-Riesen Broadcom. Überholt werden damit Schwergewichte wie die Großbank JPMorgan, der Pharmakonzern Eli Lilly – und Musks eigener Elektroautobauer Tesla.

Wie deutlich der Rekord ausfällt, zeigt der Vergleich mit dem bisherigen Spitzenreiter: Der saudische Ölkonzern Aramco hatte bei seinem Börsengang im Dezember 2019 rund 25,6 Milliarden Dollar eingesammelt – SpaceX hat diesen Wert nun fast verdreifacht. Sollten die begleitenden Investmentbanken innerhalb der nächsten 30 Tage die sogenannte Greenshoe-Option ziehen und nach Handelsstart am Freitag (Ticker: SPCX, Nasdaq) zusätzliche Aktien verkaufen, könnte das Emissionsvolumen sogar auf 86 Milliarden Dollar steigen – bei einer Bewertung von bis zu 1,78 Billionen Dollar. Elon Musk selbst rückt mit dem Listing in die Nähe eines historischen Meilensteins: Er könnte der erste Billionär der Welt werden.

Die Kontrolle über das Unternehmen gibt Musk trotz des Schritts aufs Parkett nicht ab: Er hält auch nach dem IPO 82 Prozent der Anteile. Ungewöhnlich ist zudem die Aufteilung der Aktien – 30 Prozent der Papiere wurden für Privatanleger reserviert, ein für einen Börsengang dieser Größenordnung außergewöhnlich hoher Anteil.

20 Milliarden Dollar fließen in die Schuldentilgung

Ein erheblicher Teil des frischen Kapitals ist allerdings bereits verplant – und zwar nicht für Raketen oder Rechenzentren: 20 Milliarden Dollar muss SpaceX für die Rückzahlung eines Überbrückungskredits aufwenden. Diesen hatte das Unternehmen im März aufgenommen, nachdem Musk seine hoch verschuldeten KI- und Social-Media-Firmen – also xAI samt der Plattform X – in den Konzern eingegliedert hatte. Der Rekord-IPO dient damit auch dazu, die Altlasten dieser Fusion zu bereinigen.

Der Rest des Kapitals soll in eine neue Wachstumsphase fließen. „Wir starten in eine massive neue Wachstumsphase und brauchen dafür Kapital“, sagte Musk vergangene Woche bei einem Roadshow-Event im Gespräch mit JPMorgan-Chef Jamie Dimon.

Riesige Wette auf KI-Infrastruktur – bis in den Orbit

Im Kern ist der Börsengang eine gewaltige Wette auf KI-Infrastruktur und Enterprise-Anwendungen. SpaceX will das Geld in Projekte von KI-Rechenzentren bis zu neuen Satellitenkonstellationen stecken. Musk kündigte an, dass „KI-Rechenzentren im Weltraum“ das nächste kapitalintensive Großvorhaben würden – aus seiner Sicht der beste Weg, um die Energiebeschränkungen auf der Erde zu umgehen. Diese Woche präsentierte er bereits die Skizze eines ersten KI-Satelliten mit 70 Metern Spannweite.

Die orbitalen Rechenzentren sind zentral für Musks Erzählung eines adressierbaren Marktes von angeblich 28,5 Billionen Dollar – und für die Rechtfertigung der Bewertung. Denn die hat es in sich: SpaceX schreibt Verluste und wird mit dem 92-Fachen seines Jahresumsatzes von 19 Milliarden Dollar bewertet – das mit Abstand höchste Multiple unter den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt.

Entsprechend massiv fallen die Bedenken vieler Analysten aus: Sie verweisen darauf, dass der Umsatz dem anderer Tech-Giganten deutlich hinterherhinkt und ein Großteil der Bewertung auf Zukunftsversprechen beruht, die erst noch eingelöst werden müssen. Die Analysten des Lead-Underwriters Goldman Sachs prognostizieren dennoch eine Verhundertfachung der KI-Umsätze auf 322 Milliarden Dollar bis 2030 – getragen unter anderem von Enterprise-Applikationen rund um die KI-Modelle des Konzerns.

Starlink trägt den Umsatz – die Fantasie kommt von der KI

Operativ steht SpaceX auf einem dominanten Fundament: Das 2002 gegründete Unternehmen beherrscht das Geschäft mit Raketenstarts und hat nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren mehr als 80 Prozent der weltweiten Nutzlast in die Erdumlaufbahn befördert. Den Großteil der Einnahmen erwirtschaftet der Konzern derzeit allerdings mit seinem Satelliten-Internetdienst Starlink. Die großen Zukunftshoffnungen – und damit ein wesentlicher Teil der Bewertung – ruhen dagegen auf dem KI-Geschäft rund um das hauseigene xAI.

Ganz ohne Risiken ist die Wachstumsstory nicht: Zu den größten Herausforderungen zählt die Konkurrenz, allen voran Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos, das ebenfalls die Kommerzialisierung des Weltraums vorantreibt und sich lukrative staatliche Aufträge sichern will.

(Nicht alle) Indexanbieter rollen den roten Teppich aus

Rückenwind bekommt die Aktie auch von den Indexanbietern. Die Nasdaq – die sich im Wettbewerb um das Listing gegen die New York Stock Exchange durchsetzte – hat „Fast Entry“-Regeln beschlossen, die SpaceX schon nach 15 Handelstagen in den vielbeachteten Nasdaq 100 hieven. FTSE Russell ging noch weiter und verkürzte die Frist auf fünf Handelstage, womit SpaceX fast sofort in den Russell 1000 und Russell 3000 aufgenommen wird. Für Indexfonds und ETFs bedeutet das: Sie müssen die Aktie kaufen – unabhängig von der Bewertung.

Eine wichtige Tür bleibt allerdings vorerst zu: S&P Dow Jones Indices lehnt eine beschleunigte Aufnahme von SpaceX in den S&P 500 ab. Der Konzern erfüllt die Kriterien des weltweit wichtigsten Aktienindex nicht – dieser verlangt unter anderem Profitabilität, die das verlustschreibende Unternehmen bislang nicht vorweisen kann. Die riesigen Kapitalströme der S&P-500-Indexfonds bleiben SpaceX damit zunächst verwehrt.

Der SpaceX-Börsengang fällt in eine turbulente Woche an den US-Märkten und in eine historische Flut an Aktienverkäufen an der Wall Street. Alphabet kündigte vergangene Woche eine Kapitalaufnahme von mehr als 85 Milliarden Dollar an, während die beiden führenden KI-Labors Anthropic und OpenAI auf ihre eigenen Börsengänge zusteuern.

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