Börsengang geplant

Vier Jahre nach Start: Binance soll bis zu 300 Milliarden US-Dollar wert sein

Binance-CEO Changpeng "CZ" Zhao. © Binance
Binance-CEO Changpeng "CZ" Zhao. © Binance

Mit dem Aufschwung der diversen Kryptowährungen begann auch der Aufschwung der digitalen Börsen. Seit Monaten in aller Munde ist Binance – allerdings nicht nur immer positiver Art. Dennoch ist das chinesische Unternehmen mittlerweile die weltweit am schnellsten wachsende große Finanzbörse – auch wenn sie gar keinen Hauptsitz hat. Zuletzt wurden immerhin drei Firmensitze in Irland angemeldet. Vor vier Jahren gegründet, wickelt Binance täglich Transaktionen im Wert bis zu 76 Milliarden Dollar ab – das ist meistens mehr, als seine vier größten Konkurrenten zusammen erreichen. Wie konnte in derart kurzer Zeit ein derartiger Aufstieg gelingen – und wie lange geht das noch gut?

Binance vs. Behörden

„Die Jahre des weitgehend ungehinderten, unregulierten Wachstums von Binance im Besonderen und der Kryptobranche im Allgemeinen neigen sich dem Ende zu“, schreibt das Wall Street Journal in einem Bericht über den Aufstieg von Binance. Dass die Finanzaufsichtsbehörden kein Fan der Börse sind, ist keine Neuigkeit. Besonders sauer stößt den Behörden eben auf, dass die Exchange keinen festen Firmensitz hat, sondern als Firmengeflecht zwischen den den Cayman Islands, den Seychellen, Hongkong, Malta, den USA und Irland operiert. Darüber hinaus gibt es aber eine weitere Sorge: Digitale Vermögenswerte, von Bitcoin bis Dogecoin, sind so schnell gewachsen, dass sie nun systemrelevant sind – aber dennoch nicht weltweit reguliert.

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Kryptobörse Binance meldet drei Firmensitze in Irland an

Wo sind die Daten?

In den USA soll die SEC (Securities and Exchange Commission) etwa derzeit untersuchen, wie Binance seine Geschäfte in den USA abwickelt. Der Verdacht: Binance könnte in den letzten Jahren einerseits Beihilfe zur Geldwäsche geleistet haben, immerhin wurde der anonyme Handel erst im Juli dieses Jahres eingeschränkt. Andererseits könnte Binance aber auch – und diese Sorge ist noch größer – die Kontrolle über die gesammelten Daten nach China auslagern. Wer sich erinnert: Derartige Verdächtigungen wurden auch schon TikTok zum Verhängnis, Ex-Präsident Trump wollte die Plattform damals sogar verbieten. Binance zeige sich aber verhandlungsbereit, „die Börse müsse mit den Aufsichtsbehörden in Einklang gebracht werden“, erklärte Gründer und Geschäftsführer Changpeng Zhao zuletzt. Dazu gehöre auch die Erlangung ordnungsgemäßer Lizenzen.

Dahinter steckt aber wohl auch eine ordentliche Portion Eigeninteresse: „Wir betreiben ein sehr seriöses Geschäft“, erklärte er laut WSJ, „das schnell gewachsen ist, weil die Nutzer ihm vertrauen“. Wenn man sich die weltweite Akzeptanz von Kryptowährungen heute ansehe, seien das „wahrscheinlich weniger als zwei Prozent der Bevölkerung“. Um die anderen 98 Prozent der Menschen zu erreichen, müsse die Krypto-Börse reguliert werden. Dafür richte man auch lokale Büros und einen Hauptsitz ein – unklar ist aber, wo das passieren soll.

Holding auf den Cayman Islands

Die Krux an der Sache: Nachdem die US-Behörden nicht wissen, wo der offizielle feste Standort ist oder sein wird, ist auch unklar, wer für die Überwachung zuständig ist. Die Muttergesellschaft Binance Holdings Ltd. ist auf den Cayman-Inseln eingetragen. Laut der Finanzaufsichtsbehörde der Inseln ist Binance nicht registriert oder lizenziert, um eine Kryptowährungsbörse von diesem Land aus zu betreiben. Laut dem Unternehmen betreibe man von dort aus aber auch gar keine Börse. Daten von US-Kunden sollen auf alle Fälle auf Servern in den USA gespeichert werden.

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Der unklare Umgang mit den Kundendaten und das Rätsel um den offiziellen Standort taten dem Aufschwung des Unternehmens jedenfalls keinen Abbruch. Einer der Gründe dafür dürfte auch die recht rasche Implementierung von neuen Funktionen Assets gewesen sein. 2017 gegründet, sammelte Binance bei der Erstemission seiner eigenen digitalen Münze (BNB)  im Juli 2017 15 Millionen US-Dollar ein. Danach ging es rasch bergauf: Dank der mehrsprachigen Webseite (das war damals nicht üblich, viele Konkurrenten setzten nur auf Englisch) entwickelte sich Binance innerhalb weniger Monate zur weltweit größten Kryptobörse.

Als die chinesischen Behörden das Treiben unterbinden wollten, wechselten die Binance-Mitarbeiter:innen nach Japan. Danach dürfte man aber beschlossen haben, aus dem eigenen Standort ein Geheimnis zu machen. Ein weiterer Grund für den Raketenstart: Binance bot stets mehr Handelsangebote als viele andere Börsen. Dazu gehörten Fan-Token für europäische Fußballvereine ebenso sowie Dogecoin – dessen Kursrallye mittlerweile ja gut bekannt ist.

SEC ermittelt

Im Jahr 2019 begann Binance dann, Kund:innen den Handel mit Kryptowährungen gegen traditionelles Geld  zu ermöglichen und die Börse mit den Bankensystemen zu verbinden. Schon damals überprüfte die SEC das Treiben der Kryptobörse, Ende 2020 forderte die SEC dann von Binance.US detaillierte Informationen über das Unternehmen an, einschließlich der Frage, wer die Kontrolle über die digitalen Wallets der Nutzer hat, wo die Kryptowährungen gelagert werden, sowie Einzelheiten zu den Vereinbarungen von Binance.US mit Binance Holdings, berichtet das WSJ.

2021 wurde letztlich mit Brian Brooks ein neuer Geschäftsführer für Binance.US eingestellt. Er war davor auch bei Coinbase tätig und hatte das Ziel, Finanzmittel von US-Investoren zu beschaffen. Das würde seiner Idee nach unabhängige Mitglieder in den Vorstand bringen und den Anteil von Zhao verwässern. Ehemaligen Führungskräften zufolge besitzt Zhao die Mehrheit an Binance.US. Zudem sollte die Software in den USA kontrolliert werden. So weit kam es letztlich nicht: Anfang August dieses Jahres soll es zum Streit zwischen Brooks und Zhao gekommen sein, man sei sich nicht einig gewesen, wer die neuen Vorstandsmitglieder werden sollten. Stein des Anstoßes dürfte auch Brooks Wunsch nach einem unabhängigen Direktor gewesen sein, Zhao soll auch hier ein alleiniges Entscheidungsrecht gefordert haben. Brooks trat letztlich zurück.

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Daten in Virginia

Auf Nachfrage des WSJ hieß es von Binance dennoch, dass sich keine Technologien oder Daten in China befinden würden. „Alle personenbezogenen Daten von US-Kunden werden auf der Amazon Web Services-Plattform in Richmond, Virginia, gespeichert“, hieß es vom Sprecher von Binance.US. Kontrollierbar ist das nur schwer. All die Unklarheiten und Streitigkeiten haben dem Wachstum auf jeden Fall keinen Abbruch getan. Derzeit ist der Börsengang in den USA geplant, bis 2024 soll er über die Bühne gehen. Wert sein soll Binance theoretisch bis zu 300 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Coinbase ist etwa ein Fünftel so viel wert, FTX etwa ein Zehntel. Im September stieg der Handel auf Binance.com laut CryptoCompare um zehn Prozent gegenüber dem Vormonat. All die Negativmeldungen können der Kryptobörse also wenig bis nichts anhaben – und solange die diversen Währungen weiter ordentlich steigen, wird das wohl auch so bleiben.

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