Hintergrund

Wie es bei Kreisel Electric nach der Übernahme weitergeht

© Kreisel Electric
© Kreisel Electric

Noch müssen die Behörden ihren Segen geben, aber wenn das geschafft ist, dann ist klar: Der oberösterreichische Batteriespezialist Kreisel Electric gehört dann mehrheitlich dem Traktor-Riesen John Deere, der an der Börse mehr als 100 Milliarden Dollar auf die Waage bringt. Für die Brüder Johann, Markus und Philipp Kreisel bedeutet der Deal sieben Jahre nach Gründung mit vielen Hochs und Tiefs das Einlaufen in einen großen, sicheren Hafen – und die Möglichkeit, die eigene Batterietechnologie wirklich weltweit zum Einsatz zu bringen.

Traktoren, Rasenmäher, Forstmaschinen, Baumaschinen – vorstellbar ist natürlich vieles, wenn man sich das Portfolio von John Deere so ansieht. Die immer strengeren Vorgaben zum CO2-Ausstoß machen es auch dem Landwirtschaftsriesen nötig, vom Verbrenner auf Elektromotoren umzusteigen. Bedeutet dies nun aber, dass Kreisel Electric exklusiv für den neuen Mehrheitseigentümer entwickeln und produzieren wird?

Neuer Vorstand, neue Manager

Die Bestandskunden sollen weiterhin bedient werden, heißt es zumindest. „Deere plant, die bestehende Marke Kreisel für seinen Kundenstamm beizubehalten. Die Kunden werden weiterhin Produkte und Teile über ihre bestehenden Prozesse beziehen“, so ein Unternehmensprecher von Kreisel Electric. Und weiter: „Deere und Kreisel werden zusammenarbeiten, um die Entwicklung der Kreisel-Technologie zu beschleunigen und die dabei gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen, um die bestmöglichen Produkte für die Kunden von Kreisel und Deere zu entwickeln und zu bauen.“

Der neue Mehrheitseigentümer wird aber definitiv viel Mitspracherecht erhalten. Denn: Das Joint Venture wird einen eigenen Vorstand haben, der sich aus Vorstandsmitgliedern von Kreisel und John Deere zusammensetzt, und dieser Vorstand wird die Geschäfte von Kreisel beaufsichtigen. Wie aus einer Mitteilung an die Bundeswettbewerbsbehörde hervorgeht, wird Deere & Company indirekt 70 Prozent der Anteile an Kreisel Electric übernehmen.

Johann, Markus und Philipp Kreisel. © Kreisel Electric
Johann, Markus und Philipp Kreisel. © Kreisel Electric

 

Standort soll ausgebaut werden

Der Standort in Rainbach im Mühlkreis nahe Freistadt (wiederum nahe der tschechischen Grenze), wo derzeit 160 Vollzeitmitarbeiter beschäftigt werden, ist jedenfalls abgesichert. „Das Unternehmen wird weiterhin von seinen bestehenden Hauptquartier in Rainbach im Mühlkreis, Österreich, aus operieren“, heißt es aus Rainbach. „Im Zuge des Wachstums des Unternehmens wird das Joint Venture weitere Investitionen in den künftigen Betrieb von Kreisel tätigen.“ John Deere wird aber jedenfalls Einzug in Oberösterreich halten, denn das bestehende Kreisel-Team wird durch einige Deere-Mitarbeiter in wichtigen Führungspositionen ergänzt.

Klar im Kern der Mehrheitsübernahme für John Deere steht die Batterietechnologie für Module und Akku-Packs (langlebig mit hoher Energiedichte), für die das oberösterreichische Unternehmen bekannt wurde und für die ein eigenes Entwicklungs- und Produktionsverfahren (inklusive Schnell-Zellen-Laserschweißen und Flüssigkühlung) erstellt wurde. Das Kreisel-Team werde sich künftig mit John Deere Power Systems (JDPS) abstimmen, „um künftige Batterieanforderungen von Deere“ zu erfüllen.

© Kreisel Electric
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Es geht auch um die Ladeinfrastruktur

In der Landwirtschaft, im Baugewerbe, im Straßenbau oder beim kommerziellen Mähen riesiger Rasenflächen (z.B. Golfsport): Die Anforderungen an die Batterien für unterschiedlichste Arbeitsmaschinen werden hoch sein. Die Rede ist von „anspruchsvollen Arbeitszyklen und hohen Betriebsstunden“. Wo die Akku-Packs genau eingebaut werden, ist noch nicht offiziell, jedenfalls heißt es: „Deere geht davon aus, dass die Anforderungen an die Batterietechnologie je nach Fahrzeugsegment unterschiedlich sein werden. Produkte aus dem Deere-Portfolio wie Rasenmäher, kompakte Kommunaltraktoren, Kleintraktoren, kompakte Baumaschinen und einige Straßenbaumaschinen könnten ausschließlich auf Batterien als Energiequelle angewiesen sein.“

Und damit nicht genug: Der Strom muss auch geladen werden können, und da können die Spezialgeräte von John Deere oft nicht einfach wie herkömmliche Elektroautos zur nächsten Ladestation fahren, sondern benötigen eigene Infrastruktur. So heißt es seitens Kreisel Electric: „Auch die Ladeinfrastruktur wird für die Akzeptanz der Elektrifizierung bei den Kunden entscheidend sein. Es werden wahrscheinlich verschiedene Geschäftsmodelle für das Laden entwickelt werden. Deere hat erkannt, dass sowohl stationäre als auch mobile Schnellladelösungen für unsere Kunden erforderlich sein werden.“

Und da soll die Ladeinfrastrukturplattform „Chimero“ ins Spiel kommen, die Kreisel Electric 2018 erstmals zeigte. Die tonnenschweren Schnellladestationen bieten Laden bis zu 240 kW.

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