Emerald Horizon steigt nach Börsengang zu Bewertung von einer Milliarde Euro auf
Es war ein bemerkenswerter Börsenstart: Am Freitag, 26. Juni 2026, nahm die Emerald Horizon AG (Kürzel: SMRX, ISIN: AT0000A3UZE1) den Handel im Amtlichen Handel der Wiener Börse auf. Bei einem Referenzpreis von 760 Euro eröffnete das Papier mit 858 Euro — und legte im Tagesverlauf bis auf 1.010,00 Euro zu. Das entspricht einem Plus von +32,89 Prozent gegenüber dem Referenzpreis.
Bei 1.049.375 ausgegebenen Aktien ergibt sich daraus eine Marktkapitalisierung von rund 1,06 Milliarden Euro. Das Grazer Energietechnologie-Unternehmen, 2019 von Florian Wagner und Philipp Pölzl gegründet, hat damit am ersten Handelstag die symbolträchtige Milliardenmarke geknackt — und reiht sich in eine kurze Liste österreichischer Tech-Firmen mit zehnstelliger Bewertung ein.
Vorsicht bei der Milliarde: dünner Handel, kein IPO
So spektakulär die Schlagzeile, so wichtig ist die Einordnung. Die Milliarden-Bewertung ergibt sich rechnerisch über alle ausgegebenen Aktien — inklusive jener rund zwei Drittel, die Gründer Wagner (52,90 %) und Mitgründer Pölzl (13,15 %) halten. Der frei handelbare Streubesitz liegt bei lediglich 25,1 Prozent, was einem Marktwert von knapp 200 Millionen Euro entspricht.
Hinzu kommt: Belastbar ist der Kurssprung noch nicht. Am ersten Handelstag kamen nur rund 91 Trades zustande, der Geldumsatz lag bei etwa 2,6 Millionen Euro. Für zusätzliche Liquidität sorgen Baader Bank und ICF Bank als Market Maker. Und es handelt sich ausdrücklich um ein Listing, kein IPO — frisches Kapital wurde dabei nicht eingesammelt.
Auch betriebswirtschaftlich steht die Bewertung im Kontrast zur Frühphase des Unternehmens: Emerald Horizon ist im Kern pre-revenue, schrieb 2025 einen Verlust von rund 768.000 Euro und erwartet auch für die kommenden Jahre rote Zahlen — für ein DeepTech-Startup in der Aufbauphase nicht ungewöhnlich.
„Nicht ums Geld, sondern um Kreditwürdigkeit“
Warum dann überhaupt an die Börse? Im Interview mit Trending Topics bringt es CEO Florian Wagner auf den Punkt: „Der Börsengang dient nicht dem Einsammeln von Geld, sondern der Kreditwürdigkeit.“ Das Listing sorge vor allem für Sichtbarkeit, Transparenz und fungiere als Türöffner für künftige Green Bonds und Kredite.
Der kritische Faktor sei nie Kapitalnot gewesen, sondern Zeit, so Wagner: Prüfstände und Tests kosteten nicht primär Geld, sondern Jahre — und diese Zeit lasse sich auch mit Milliarden nicht beschleunigen. Über die Jahre habe man 61 Investor:innen aufgebaut, deren Aktien nun einfach gelistet würden. Zuletzt habe er selbst gemeinsam mit einem weiteren Investor erneut Aktien zum gleichen Preis gekauft — wieder fünf Millionen Euro, und es würden weitere Runden folgen.
Klassische Finanzkennzahlen taugten zur Bewertung wenig, betont Wagner — schließlich stehe man noch vor dem Markteintritt: „Multipliziert man null, bleibt null.“ Im Kern sei SMRX ein tiefer Value-Titel, breit gestreut, der heute nur wie ein riskanter Wachstumstitel aussehe. Das Risiko benennt der Gründer selbst offen — gegenüber dem brutkasten formulierte er es so: ohne die Risiken müsste man der Bewertung „mindestens zwei Nullen“ hinzufügen.
Das Geschäftsmodell: Energy as a Service
Hinter dem Kürzel SMRX bündelt Emerald Horizon zwei Technologielinien. Die erste ist bereits am Markt: das hybride Speichersystem DUALstore PLUS, eine Kombination aus Lithium-Eisenphosphat-Batteriespeicher und einem Wärmespeicher auf Basis von geschmolzenem Salz, gesteuert per KI. Die Kapazität reicht bis zu 100 Megawattstunden, skalierbar in 5-MWh-Modulen. Die Annahme von Bestellungen startet ab 1. Juli.
Die zweite Linie ist die eigentliche Vision: ein thoriumbasiertes Accelerator-Driven Energy System (ADES) — ein über einen Teilchenbeschleuniger betriebenes „Mini-Kraftwerk“ im Containerformat mit rund 10 Megawatt Leistung, nach Unternehmensangaben ohne Uran, ohne Plutonium und ohne langlebigen nuklearen Abfall. Marktreif soll der Reaktor in rund drei Jahren sein; der Prototyp benötigt noch rund 220 Millionen Euro. Entwickelt und gebaut werden die Module nicht im Haus, sondern von einem niederländischen Partner aus dem ASML-Umfeld; auch die komplexe Regulatorik wurde ausgelagert. So kommt Emerald Horizon mit einem Kernteam von nur rund 30 Personen aus.
Verkauft wird am Ende keine Hardware, sondern Energie: Im Modell Energy as a Service stellt Emerald Horizon Container und Strom über langfristige Verträge bereit — Zielwert rund 8 Cent pro Kilowattstunde. Der Kunde zahlt nur für die entnommene Energie, das Unternehmen sichert sich planbare, langfristige Einnahmen. Genau diese wiederkehrenden Cashflows, so Wagner, seien die Basis, um künftig günstig Fremdkapital aufzunehmen. Die zehn Megawatt seien dabei der ideale Skalierungspunkt — vom Datencenter über Krankenhäuser und Schiffe bis zu Inseln.
Alko-Lenker im Management
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die Besetzung des Managements. Der frühere Dritte Nationalratspräsident und FPÖ-Spitzenpolitiker Norbert Hofer ist seit Februar 2026 als Vice President for Strategic Communications an Bord. Er soll soll bei einem Alko-Vortest durch die Polizei im steirischen Pinkafeld am Freitag 2,48 Promille gehabt haben, er zeigt sich mittlerweile einsichtig und ist seinen Führerschein los. Gut möglich, dass Hofer am Freitag den erfolgreichen Börsengang feierte.
Ebenfalls im Management: der frühere Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, Robert Holzmann, als Vice President International Relations — er läutete gemeinsam mit Wagner die Eröffnungsglocke an der Wiener Börse.
Marathon statt Sprint
Der internationale Vergleich liefert die nüchterne Einordnung: US-SMR-Werte wie NuScale oder Oklo sind trotz Hype weiter pre-revenue, mit Kommerzialisierung erst gegen Ende des Jahrzehnts. Die Kernfrage ist überall dieselbe — wann darf produziert werden, und was sagt die Regulatorik? Dasselbe Risiko trägt Emerald Horizon.
Wagner selbst formuliert den Anspruch entsprechend bescheiden: Man habe keinen Sprint, sondern einen Marathon mit vielen kleinen Meilensteinen. Der erste — die Milliarden-Bewertung am Tag eins — ist geschafft. Ob er hält, entscheidet sich nicht an einem Handelstag mit 91 Trades, sondern an der Frage, ob aus dem Value-Titel auf dem Papier ein Unternehmen mit echten Erlösen wird.
