Deutschland ist mit den meisten MiCA-Lizenzen jetzt Europas „Crypto Valley“
Für einen großen Teil der europäischen Krypto-Branche endet diese Woche eine entscheidende Frist. Mit Ablauf der MiCA-Übergangsperiode am 1. Juli 2026 verlieren alle Anbieter ihre Betriebserlaubnis, die bis dahin keine reguläre Lizenz nach der EU-Verordnung Markets in Crypto-Assets (MiCA) erhalten haben. Wer danach ohne Zulassung weiter Krypto-Dienste für Kundinnen und Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) anbietet, tut dies nicht mehr legal.
244 CASPs statt 3.000 VASPs
Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Marktbereinigung. Vor MiCA waren in Europa nach gängigen Schätzungen mehr als 3.000 sogenannte Virtual Asset Service Provider (VASPs) registriert – allein auf Polen entfielen weit über 1.400 Registrierungen. Aktuell sind dagegen nur 244 MiCA-zugelassene Crypto-Asset Service Provider (CASPs) in 25 Ländern im offiziellen Register gelistet, wie das offizielle Register der ESMA (European Securities & Markets Authority) zeigt.
MiCA trat am 30. Juni 2024 zunächst mit Regeln für Stablecoins in Kraft, das vollständige Regelwerk folgte ein halbes Jahr später. Firmen mit bestehenden nationalen Registrierungen wurden bis zum 1. Juli 2026 weiterbetrieben („grandfathered“). Eine MiCA-Lizenz wird von einer nationalen Aufsichtsbehörde erteilt und berechtigt – über das sogenannte Passporting – zum Betrieb im gesamten EWR, also in den 27 EU-Staaten sowie Norwegen, Island und Liechtenstein.
Die EU-Wertpapieraufsicht ESMA hat nicht zugelassene Anbieter bereits aufgefordert, ihr Geschäft geordnet abzuwickeln und dabei die Interessen der Kundschaft zu wahren.
Marktbereinigung oder Innovationsbremse?
Wie viele Firmen tatsächlich verschwinden, ist offen. Erald Ghoos, CEO von OKX Europe, rechnet damit, dass rund 80 Prozent der Krypto-Akteure die Umstellung nicht überleben werden. Als Grund nennt er nicht allein MiCA, sondern die Summe der europäischen Regulierungslasten: Wer etwa Stablecoins verarbeiten wolle, brauche zusätzlich eine Zahlungs- oder E-Geld-Institutslizenz (PI bzw. EMI). Mehrere Firmen hätten OKX bereits gefragt, ob der Anbieter sie übernehmen würde, weil sie die Compliance-Kosten nicht stemmen könnten, so Ghoos.
Die Einschätzung lässt zwei Lesarten zu. Einerseits tut MiCA damit genau das, wofür Regulierung gedacht ist: Sie hebt die Anforderungen und siebt Anbieter aus, die diese nicht erfüllen. Andererseits gibt es die Sorge, dass die Compliance-Kosten kleinere Unternehmen verdrängen und Innovation hemmen.

Die bekanntesten Lizenzhalter nach Ländern
Deutschland führt das Feld mit Abstand an – vor allem, weil zahlreiche Banken und Broker früh eine BaFin-Zulassung beantragt haben. Die wichtigsten Lizenzhalter im Überblick (Land, Gesamtzahl der erteilten Lizenzen, bekannteste Namen):
- Deutschland (57): Trade Republic, N26, Commerzbank, Scalable Capital, Boerse Stuttgart Digital, Bitpanda Asset Management, BitGo Europe
- Frankreich (26): Circle, Société Générale-Forge, SwissBorg, Coinhouse, Deblock, Bpifrance
- Niederlande (26): Bitvavo, MoonPay, BTC Direct, Coinmerce, Vivid Money, ClearBank
- Malta (17): OKX, Crypto.com, Gemini, Bitpanda, Blockchain.com, Gate
- Zypern (14): Revolut, eToro, Trading 212, capital.com, Trading.com
- Irland (12): Kraken, Ramp Network, Skrill/NETELLER, Interactive Brokers, CoinJar
- Österreich (10): Bitpanda, Bybit, KuCoin EU, WhiteBIT EU, 21bitcoin, Coinfinity
- Spanien (8): BBVA, CaixaBank, Openbank, Bit2Me, Cecabank
- Liechtenstein (8): LGT Bank, Bank Frick, Bitcoin Suisse (Europe), Wyden Capital, RULEMATCH
- Luxemburg (8): Coinbase, Bitstamp, Clearstream, Swissquote, Banking Circle
- Weitere Länder: u. a. Robinhood (Litauen), Safello (Schweden), Firi und K33 (Norwegen), Kriptomat (Kroatien), Coinmotion (Finnland), Bit2Me-Wettbewerber sowie LHV Pank und Lightyear (Estland)
Während etablierte Börsen wie OKX, Coinbase, Kraken, Bybit oder Crypto.com sowie europäische Fintechs wie Bitpanda, Trade Republic oder Revolut den Sprung in den regulierten Markt geschafft haben, fehlen einige globale Schwergewichte noch im Register. Binance etwa hat den Antragsprozess nach eigenen Angaben begonnen, Bitget hat im Juni 2026 einen CASP-Antrag bei der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) eingereicht – beide zählen Stand jetzt aber nicht zu den zugelassenen Anbietern.
