„Magnificent Seven“ büßen im Juni 2,3 Billionen Dollar am Marktwert ein
An der Wall Street vollzieht sich derzeit eine deutliche Verschiebung in der Tech-Branche. Die Gruppe der sogenannten „Magnificent Seven“ – Nvidia, Meta, Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon und Tesla – hat im Juni mehr als 2,3 Billionen US-Dollar an Marktwert verloren. Damit steuert die Gruppe auf ihren schlechtesten Monat seit über einem Jahr zu und verzeichnet für das erste Halbjahr 2026 einen Rückgang von insgesamt drei Prozent.
Zweifel an der Monetarisierung von KI-Investitionen
Der Rückgang der Kurse ist primär auf eine wachsende Skepsis der Anleger zurückzuführen. Es stellt sich die zentrale Frage, ob die enormen Investitionsausgaben der sogenannten „Hyperscaler“ – insbesondere Meta, Amazon, Microsoft und Alphabet – zeitnah zu ausreichenden Gewinnen führen werden, die die massiven Steigerungen der Aktienkurse der vergangenen Jahre rechtfertigen.
Während diese Unternehmen hunderte Milliarden Dollar in die Entwicklung von KI-Infrastrukturen investieren, wächst die Unsicherheit darüber, wie und wann diese Investitionen in skalierbare Umsätze umgemünzt werden können. Zudem stehen die Gewinnmargen dieser Konzerne unter Druck, da die Kosten für essenzielle Komponenten wie Speicherchips und elektrische Ausrüstung deutlich steigen.

Profiteure der Hardware-Nachfrage
Im Gegensatz zu den Software- und Internet-lastigen Schwergewichten profitieren die Hersteller von Hardware und Halbleitern massiv von der aktuellen Marktlage. Der Philadelphia Semiconductor Index, der US-Chiphersteller abbildet, ist im ersten Halbjahr um 93 Prozent gestiegen. Dies entspricht dem stärksten Wachstum seit dem Höhepunkt des Dotcom-Booms im Jahr 1999.
Investoren setzen vermehrt auf die Unternehmen, die die physische Infrastruktur für die KI-Revolution bereitstellen. Zu den Gewinnern gehören:
- Halbleiterhersteller: Unternehmen wie TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company) verzeichneten ein Plus von rund 50 Prozent, während der Ausrüster ASML um 60 Prozent zulegte.
- Speichertechnologie: Firmen wie Micron, Intel, Western Digital und Seagate Technology konnten ihre Kurse mehr als verdreifachen.
Experten beschreiben die aktuelle Lage als einen „Wechsel der Marktführerschaft“. Während die „Magnificent Seven“ als primäre Ausgeber von Kapital fungieren, profitieren die Zulieferer von der unnachgiebigen Nachfrage nach Hardware und der begrenzten Verfügbarkeit von Komponenten.
Steigende Kosten belasten die Lieferketten
Die Kosten für den Ausbau von Rechenzentren zur Unterstützung der KI-Nachfrage steigen kontinuierlich an. Die US-Hyperscaler planen, in diesem Zusammenhang nahezu eine Billion Dollar auszugeben. Ein Problem stellt dabei der drastische Anstieg der Preise für Speicherchips dar.
Dieser Kostendruck erreicht bereits die Endverbraucher: Apple hat die Preise für MacBooks und iPads aufgrund steigender Speicherpreise um etwa 20 Prozent angehoben. Auch Microsoft hat die Preise für Xbox-Konsolen erhöht und davor gewarnt, dass sich die Kosten für Speicherkomponenten bis Ende 2027 erneut verdoppeln könnten.
Trotz der aktuellen Korrektur bleibt das langfristige Ziel der großen Tech-Konzerne bestehen: Die Kapazitäten für die KI-Nachfrage auszubauen, die derzeit das Angebot übersteigt. Ob die versprochene Ära der KI-Gewinne die massiven Vorabinvestitionen rechtfertigt, bleibt jedoch abzuwarten.

