Energie

EU-Förderung für Kernfusion von 222 Millionen Euro, auch für Startups sind Mittel gedacht

Prototyp des Kernfusions-Generators von Helion © Helion
Prototyp des Kernfusions-Generators von Helion © Helion

Die Europäische Kommission hat ein neues Arbeitsprogramm für die Jahre 2026 und 2027 verabschiedet, das erhebliche Mittel für die Kernenergie und insbesondere für die Fusionsforschung bereitstellt. Allein 222 Millionen Euro fließen in die Förderung der Fusionsenergie. Doch woher stammt das Geld, und was soll damit konkret erreicht werden?

Das Euratom-Programm als Geldgeber

Die Finanzierung stammt aus dem Euratom-Programm für Forschung und Ausbildung, dem zentralen EU-Förderinstrument für nukleare Forschung. Das Programm ist im Euratom-Vertrag verankert und läuft regulär über fünf Jahre. Das aktuelle Programm war ursprünglich für den Zeitraum 2021 bis 2025 ausgelegt, wurde jedoch vom Rat der Europäischen Union um zwei Jahre verlängert, um es an den laufenden EU-Haushalt 2021 bis 2027 anzupassen.

Das Euratom-Programm ist dabei kein eigenständiger Haushalt im klassischen Sinne, sondern ergänzt das deutlich größere EU-Forschungsrahmenprogramm Horizont Europa. Es liefert zusätzliche Mittel speziell für den Nuklearbereich und deckt damit einen Bereich ab, der im allgemeinen Forschungsbudget nur begrenzt berücksichtigt wird. Die Gesamtmittel des Arbeitsprogramms 2026 bis 2027 teilen sich auf zwei große Bereiche auf: 222 Millionen Euro für Fusion und 108 Millionen Euro für Kernspaltung.

Wohin fließen die 222 Millionen Euro genau?

Die Investitionen in die Fusionsenergie verfolgen drei konkrete Stoßrichtungen, die aufeinander aufbauen:

  • Öffentlich-private Partnerschaft (PPP): Eine neue europäische Partnerschaft zwischen öffentlichen Institutionen und privaten Unternehmen soll kommerziell tragfähige Fusionstechnologien entwickeln und eine starke europäische Lieferkette aufbauen.
  • Förderung von Startups: Über die Instrumente des Europäischen Innovationsrates sollen aufstrebende Fusions-Startups beim Wachstum ihrer Technologien unterstützt und gleichzeitig private Investitionen angezogen werden.
  • Grundlagenforschung und Talentförderung: Neben der gemeinsamen Nutzung von Forschungseinrichtungen soll die grundlegende Fusionsforschung gestärkt und der wissenschaftliche Nachwuchs gezielt gefördert werden.

Der politische Rahmen: Warum jetzt?

Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der die EU ihre Energiepolitik grundlegend neu ausrichtet. Der Strombedarf in der Union soll sich bis 2050 voraussichtlich verdoppeln. Gleichzeitig drängen politische Leitlinien wie der Clean Industrial Deal, die Netto-Null-Industrie-Verordnung und die neue Strategie für kleine modulare Reaktoren (SMR) auf eine rasche Dekarbonisierung der Energieversorgung.

Die SMR-Strategie wurde von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen persönlich beim Kernenergiegipfel am 10. März 2025 in Paris vorgestellt, was die politische Priorität des Themas unterstreicht. Fusionsenergie wird in diesem Kontext als langfristige Ergänzung zur Kernspaltung und zu erneuerbaren Energien positioniert, nicht als kurzfristiger Ersatz.

Fusion als strategisches Ziel der EU

Die EU formuliert ein klares Ziel: Sie will das erste kommerzielle Fusionskraftwerk an das Netz anschließen und damit saubere, erschwingliche und sichere Energie für europäische Bürger und Unternehmen bereitstellen. Ein konkreter Zeitplan für dieses Vorhaben wird im Arbeitsprogramm nicht genannt. Das Programm soll jedoch als Vorbereitung für eine bevorstehende umfassendere EU-Fusionsstrategie dienen.

„Die Fusion birgt das Potenzial, die Energielandschaft Europas zu revolutionieren.“

So formuliert es die Europäische Kommission in ihrem Programmdokument. Ob und wann dieses Potenzial tatsächlich in kommerzielle Realität umgesetzt werden kann, bleibt eine der zentralen offenen Fragen der Energieforschung weltweit.

Was das Programm sonst noch finanziert

Neben der Fusion fließen 108 Millionen Euro in die Kernspaltungsforschung. Schwerpunkte sind dabei die sichere Entsorgung radioaktiver Abfälle, der Strahlenschutz sowie Innovationen bei Kernmaterialien und Brennstoffen. Auch die Nuklearmedizin profitiert: Die EU will ihre Unabhängigkeit bei der Versorgung mit Isotopen für neuartige Krebstherapien stärken.

Ein weiterer Baustein ist die internationale Vernetzung. Über Marie-Sklodowska-Curie-Stipendien sollen Talente aus aller Welt in die europäische Nuklearforschung geholt werden. Zudem soll der Zugang zu mehr als 230 Nuklearforschungseinrichtungen in der EU offengehalten und die Integration ukrainischer Nuklearforscher in den Europäischen Forschungsraum weiter vorangetrieben werden.

Einordnung: Viel Geld, aber auch viele offene Fragen

Die 222 Millionen Euro für Fusionsenergie sind im Kontext der gesamten EU-Forschungsausgaben eine beachtliche, aber nicht außergewöhnliche Summe. Zum Vergleich: Das Gesamtbudget von Horizont Europa für den Zeitraum 2021 bis 2027 beläuft sich auf rund 95 Milliarden Euro. Das Euratom-Programm ist damit ein gezieltes Ergänzungsinstrument, kein dominanter Akteur im EU-Forschungshaushalt.

Entscheidend wird sein, ob die geplante öffentlich-private Partnerschaft tatsächlich privates Kapital in nennenswertem Umfang mobilisieren kann. Denn die wirklich großen Investitionen, die für ein kommerzielles Fusionskraftwerk nötig wären, gehen weit über das hinaus, was öffentliche Förderprogramme allein leisten können.

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