Wenig Zucker, viel KI: So investiert der 200-Millionen-Fonds von Red Bull Ventures
Rund ein Jahr nach dem Start zeigt sich, wohin die Reise für Red Bull Ventures geht. Der Corporate-VC-Arm des Getränkekonzerns aus Fuschl am See, der 2025 nach Monaten im Stealth-Modus offiziell gelauncht wurde, hat mittlerweile ein sichtbares Portfolio aufgebaut – und mit dem US-koreanischen Video-KI-Unternehmen Twelve Labs nun sein bislang prominentestes Investment getätigt.
Auf der Website des Fonds sind aktuell fünf Portfolio-Unternehmen gelistet – auffällig dabei: Die Investments spiegeln sehr deutlich die Fokus-Bereiche wider, die Red Bull Ventures beim Start definiert hat: Sport & Human Performance, Consumer Engagement, Media-Tech und Supply Chain. Leider nicht dabei: österreichische Startups. Ein Überblick:
Das Portfolio von Red Bull Ventures
- Liom (Schweiz): Das 2017 von Leo Grünstein gegründete HealthTech-Startup aus Pfäffikon im Kanton Schwyz (vormals Spiden) entwickelt das weltweit erste nicht-invasive Glukose-Wearable – Blutzuckermessung am Handgelenk, ganz ohne Nadel. Red Bull Ventures stieg im Dezember 2025 im Rahmen einer Series-A-Erweiterung um 13 Millionen Franken ein, gemeinsam mit Ex-On-Co-CEO Marc Maurer; die Gesamtfinanzierung liegt bei 63 Millionen Franken. Der Fit zu Red Bull ist offensichtlich: Echtzeit-Biomarker für Athlet:innen und gesundheitsbewusste Konsument:innen.
- Zya (Großbritannien): Das Londoner FoodTech-Startup, gegründet von den Oxford-Absolventen Joshua Sauer und Niels Wicke (vormals Inulox), hat ein Enzym namens Convero entwickelt, das im Verdauungstrakt bis zu 30 Prozent des Zuckers in Ballaststoffe umwandelt – bei gleichbleibendem Geschmack. Für einen Konzern, dessen Kernprodukt zuckerhaltige Getränke sind, ein strategisch naheliegender Zug.
- Algori (Spanien): Die KI-gestützte Shopper-Insights-Plattform aus Madrid liefert FMCG-Herstellern und Händlern nahezu in Echtzeit granulare Kaufdaten auf SKU-Basis, basierend auf rund 45.000 aktiven Panel-Teilnehmenden pro Woche in Spanien – die KI-basierte Auswertung von Kassenbelegen ersetzt dabei traditionelle Haushaltsbefragungen. Red Bull Ventures beteiligte sich im Dezember 2025 an einer Runde über 3,6 Millionen Euro; die Expansion soll zunächst nach Polen, Deutschland und Frankreich gehen, später nach Lateinamerika.
- Kinexon (Deutschland): Das Münchner Sports-Tech-Unternehmen ist ein etablierter Player im Bereich Echtzeit-Tracking. Kinexon liefert Player- und Ball-Tracking mit fortgeschrittener Analytik, die Teams, Coaches und Ligen bei Performance und Entscheidungsfindung unterstützt – die Technologie kommt unter anderem in der NBA, NFL und im Fußball zum Einsatz. Ein Investment, das perfekt zum Red-Bull-Sportimperium von Leipzig bis Salzburg passt.
- Dorsia (USA): Die 2021 von Joshua Stern und Marc Lotenberg gegründete Members-only-Plattform mit Sitz in Miami bietet zahlenden Mitgliedern priorisierten Zugang zu stark nachgefragten Restaurants, Nightlife- und Luxus-Erlebnissen. Insgesamt hat Dorsia bislang 50,4 Millionen Dollar eingesammelt, unter anderem von Index Ventures und Invus. Hier investiert Red Bull in den Bereich Consumer Engagement und Premium-Hospitality.
Jüngstes Investment: Twelve Labs und die Zukunft des Video-Verstehens
Das bislang größte Rad dreht Red Bull Ventures allerdings beim jüngsten Deal: Das Video-KI-Unternehmen Twelve Labs hat eine Series B über 100 Millionen Dollar abgeschlossen, co-geleitet von NEA und Naver Ventures – mit an Bord neben Amazon, Radical Ventures, Index Ventures und Korea Investment Partners auch Red Bull Ventures. Die Gesamtfinanzierung des Startups steigt damit auf über 207 Millionen Dollar.
Das von Jae-sung Lee gegründete Unternehmen mit koreanischen Wurzeln und Sitz in San Francisco baut Foundation Models, die Video nativ verstehen – statt, wie heutige LLMs, Videos in einzelne Screenshots zu zerlegen. Die Flaggschiff-Produkte Marengo 3.0 und Pegasus 1.5 wandeln Videomaterial in maschinenlesbare, durchsuchbare Datenstrukturen um und erkennen Szenen, Entitäten und Ereignisse im zeitlichen Verlauf. Im Zuge des Investments hat Twelve Labs zudem einen mehrjährigen Vertrag mit AWS geschlossen, um Video-Inferenz-Workloads für Trainium-Chips zu optimieren.
Für Red Bull, das mit Red Bull Media House über eines der größten Sport- und Action-Video-Archive der Welt verfügt, ist das Investment natürlich spannend: Wer Millionen Stunden Footage besitzt, will sie durchsuchbar, analysierbar und monetarisierbar machen.
Red Bull Ventures: Rund 200 Millionen Euro für „visionäre Entrepreneurs“
Zur Einordnung: Red Bull Ventures wurde 2025 gegründet und ist der Corporate-Venture-Capital-Arm von Red Bull mit Sitz in Fuschl am See. Zuvor hatte der Konzern nur indirekt über Fonds wie Speedinvest, Fund F, Calm/Storm, 3VC und xista in Startups investiert; Medienberichten zufolge – wir haben als erste darüber berichtet – soll der Fonds ein Volumen von rund 200 Millionen Euro anpeilen.
Der Fokus liegt auf Frühphasen-Investments in sechs Bereichen: Medien- und Entertainment-Technologien, Advanced Manufacturing & Supply Chain, Sport & Human Performance, digitale Innovation, Consumer Engagement & Retail sowie Nachhaltigkeit. Geleitet wird der Fonds von Nai-Tseng Chen (Global Head, Salzburg) und Dr. Sabrina Jones (Head of Investments, Wien); das Team wurde um Investment Associate Nik Skalik und Fund Operations Analystin Anita Reizelsdorfer erweitert und arbeitet von Salzburg und Wien aus.
Das Muster nach dem ersten Jahr: Red Bull Ventures investiert breit gestreut über Europa und die USA, aber doch stark erkennbar entlang der eigenen Konzern-DNA aus Sport, Gesundheit, Konsum und Medien. Mit Twelve Labs ist nun auch das Thema Frontier-KI im Portfolio angekommen.

