Finnland

IQM aus Finnland absolviert Börsengang als erste europäische Quanten-Firma

IQM at Nasdaq. © IQM Quantum Computers
IQM at Nasdaq. © IQM Quantum Computers

Das finnische Full-Stack-Quantencomputing-Unternehmen IQM hat am Donnerstag den Schritt an die öffentlichen Kapitalmärkte vollzogen. Durch die Fusion mit der Special Purpose Acquisition Company (SPAC) Real Asset Acquisition Corp. (RAAQ) wird das Unternehmen nun unter dem Tickersymbol „IQMX“ am Nasdaq Global Select Market gehandelt. Mit einer Bewertung von rund 1,9 Milliarden US-Dollar ist IQM das erste europäische Quantenunternehmen, das an einer großen US-Börse notiert ist.

Finanzielle Position und Marktreaktion

Der Börsengang markiert einen wichtigen finanziellen Meilenstein für IQM. Nach Abzug der Kosten generiert das Unternehmen neue Liquidität in Höhe von etwa 198 Millionen Euro (ca. 226 Millionen US-Dollar). Damit verfügt IQM über eine starke Pro-forma-Liquiditätsposition von insgesamt 337 Millionen Euro, was dem Unternehmen Spielraum für die globale Expansion gibt.

Die erste Handelsphase an der Nasdaq verlief jedoch verhalten. Im Gegensatz zu vielen anderen Tech-Börsengängen gab es keinen unmittelbaren Kursanstieg; der Aktienpreis bewegte sich den Großteil des ersten Handelstages unter dem IPO-Preis. Marktbeobachter führen dies einerseits auf die aktuelle Skepsis gegenüber SPAC-Fusionen bei Privatanlegern zurück, andererseits auf die inhärente Unsicherheit der Quantentechnologie.

Wachstum und Geschäftsmodell

Trotz der verhaltenen Marktreaktion zeigt das operative Geschäft Wachstumstendenzen. IQM hat bereits 23 Quantencomputer an Forschungszentren, Universitäten und Unternehmen weltweit verkauft, darunter das Leibniz-Rechenzentrum in Deutschland, das VTT in Finnland und das Oak Ridge National Laboratory in den USA. Das Unternehmen konnte seine Kundenzahl von acht im Jahr 2024 auf 22 im Jahr 2025 steigern.

Das Geschäftsmodell von IQM basiert auf der Lieferung von „Full-Stack“-Systemen auf Basis supraleitender Technologie. Ein zentraler Aspekt ist das „Production Quantum“-Modell, bei dem Kunden die Hardware direkt vor Ort (on-premises) besitzen und betreiben können.

Technologische Unsicherheit als Faktor

Die langfristige Bewertung von IQM hängt maßgeblich vom Erreichen des sogenannten „Quantenvorteils“ ab – jenem Punkt, an dem Quantencomputer klassische Hochleistungsrechner bei komplexen Aufgaben (etwa in der Biotechnologie oder Finanzmathematik) dauerhaft übertreffen.

In seinem Börsenprospekt räumte IQM eine grundlegende Unsicherheit ein: Eine großflächige kommerzielle Nutzung der Quantentechnologie könnte möglicherweise nie in dem erhofften Ausmaß eintreten. Diese ehrliche Einschätzung spiegelt die Situation der gesamten Branche wider, in der der exakte Zeitpunkt für den Durchbruch noch nicht absehbar ist.

Globale Strategie mit europäischem Kern

Obwohl IQM mit der Eröffnung eines Technologiezentrums in Maryland und Installationen in den USA seine Präsenz in Nordamerika massiv ausbaut, bleibt das Unternehmen eng mit Europa verbunden. Ein Großteil der über 400 Mitarbeiter arbeitet weiterhin in Finnland und München. Parallel zur US-Notierung plant das Unternehmen zudem ein Debüt an der Nasdaq Helsinki, um die Unterstützung europäischer Akteure, wie etwa des finnischen Staatsfonds Tesi, zu sichern.

Mit den neu gewonnenen Mitteln will IQM nun seine Position in einem globalen Wettbewerb festigen, der zunehmend auch durch staatliche Förderprogramme, etwa durch das US-Energieministerium (DOE), an Dynamik gewinnt.

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