Helsing: Deutsches DefenseTech holt 1,8 Milliarden Dollar von großen US-Investoren
Das Münchner Verteidigungstechnologie-Unternehmen Helsing hat eine Series-E-Finanzierungsrunde über 1,8 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Die neue Bewertung liegt bei 18 Milliarden US-Dollar. Damit reiht sich Helsing neben Quantum Systems in eine kleine Gruppe europäischer Defence-Tech-Unternehmen ein, die in den vergangenen Wochen milliardenschwere Runden zu zweistelligen Milliardenbewertungen abgeschlossen haben.
An der Runde beteiligen sich neue und bestehende Investoren, darunter Dragoneer Investment Group, Lightspeed Venture Partners, Disruptive, Iconiq, Growth Equity at Goldman Sachs Alternatives, JPMorganChase, Canada Pension Plan Investment Board (CPP Investments), General Catalyst, Plural und Stepstone. Zu den bereits bestehenden Geldgebern zählen Prima Materia, Accel und Greenoaks. Laut Unternehmensangaben überstieg die Investorennachfrage das verfügbare Volumen der Runde deutlich.
Helsing betont, mehrheitlich in europäischem Besitz zu bleiben. Der Verwaltungsrat bleibt unverändert: Den Co-Vorsitz halten Daniel Ek und Tom Enders, weitere Mitglieder sind Jeannette zu Fürstenberg und Denis Mercier sowie die Helsing-Gründer. Das frische Kapital soll laut Unternehmen in den Aufbau neuer KI-Plattformen sowie deren Integration in die Verteidigungsfähigkeiten einer wachsenden Zahl von Partnerländern fließen.
CA-1 Electronic Attack: Helsings jüngste Produktvorstellung
Erst rund einen Monat vor der Finanzierungsrunde, am 10. Juni 2026, hatte Helsing auf der Internationalen Luftfahrtausstellung mit der CA-1 Electronic Attack (CA-1EA) ein neues autonomes Flugzeug für die elektronische Kampfführung präsentiert. Die CA-1EA ist eine Weiterentwicklung der CA-1-Europa-Plattform, deren ursprüngliche Angriffsversion künftig als CA-1KA (Kinetic Attack) firmiert.
Die CA-1EA soll gegnerische Radar- und Ortungssysteme aus der Luft stören und so sichere Korridore für nachfolgende Kampfflugzeuge schaffen – unabhängig davon, ob es sich dabei um unbemannte Systeme wie die CA-1 Europa oder bemannte Jets wie den Eurofighter handelt. CA-1KA und CA-1EA teilen sich Flugwerk, Antrieb, Autonomie-Software und Bodenkontrollinfrastruktur; unterschiedlich ist im Wesentlichen die Nutzlast. Diese modulare Bauweise soll Produktions- und Wartungskosten senken und die Skalierung der Plattform auf verschiedene Einsatzprofile erleichtern.
Gebaut wird die CA-1-Plattform von der Helsing-Tochter Grob Aircraft in Süddeutschland. Die Erstflüge der Angriffsversion CA-1KA sind für Anfang 2027 vorgesehen, die erste Einsatzbereitschaft (Initial Operating Capability) ist für 2029 geplant. Bei der CA-1EA ist die Einsatzbereitschaft für 2031 vorgesehen.
Vergleich mit der Quantum-Systems-Runde
Die Helsing-Finanzierung folgt nur wenige Wochen auf eine weitere der ganz großen Runden der europäischen Defence-Tech-Geschichte: Der Münchner Drohnenhersteller Quantum Systems hatte Anfang Juli 2026 eine Series-D-Runde über 1,2 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, angeführt von Blackstone, Noteus, Airbus und Advent. Die Post-Money-Bewertung von Quantum Systems liegt bei rund 8 Milliarden US-Dollar – eine Verdoppelung gegenüber der vorherigen Runde Ende 2025, als das Unternehmen noch mit etwa 3 Milliarden Euro bewertet worden war.
Im direkten Vergleich fällt die Helsing-Runde sowohl beim Volumen (1,8 statt 1,2 Milliarden US-Dollar) als auch bei der resultierenden Bewertung (18 statt 8 Milliarden US-Dollar) deutlich größer aus. Beide Unternehmen adressieren allerdings unterschiedliche Teile des Marktes: Quantum Systems positioniert sich vor allem als Hersteller von Aufklärungsdrohnen und unbemannten Systemen mit dem Anspruch, zu einem „Neo-Prime“ der nächsten Generation zu werden, der etablierten Rüstungskonzernen wie Rheinmetall oder Lockheed Martin Konkurrenz macht. Helsing wiederum positioniert sich stärker als Softwareunternehmen für KI-gestützte Verteidigungsplattformen, das mit der CA-1-Familie zunehmend auch in den Bereich bemannter/unbemannter Luftfahrtsysteme vorstößt.
Gemeinsam ist beiden Runden der Investorenkreis aus internationalem Kapital bei gleichzeitiger Betonung der europäischen Eigentümerstruktur, sowie die Einordnung durch Marktbeobachter, wonach der Krieg in der Ukraine und die europäische Debatte um Verteidigungsfähigkeit als zentrale Treiber des gestiegenen Investoreninteresses an europäischem Defence-Tech gelten. Quantum Systems und Helsing gelten damit als die beiden prominentesten deutschen Beispiele für diesen Investitionsboom.

