Volkswagen streicht die Hälfte aller Modelle – 100.000 Jobs stehen auf der Kippe
Volkswagen hat seinem Aufsichtsrat laut Golem ein radikales Sparpaket vorgelegt. Die Zahl der Modelle soll bis 2030 um bis zu 50 Prozent sinken, die Ausstattungsoptionen sogar um bis zu 75 Prozent. Die Produktionskapazitäten will der Konzern auf rund neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr begrenzen. Vor der Corona-Pandemie lag die Auslegung noch bei zwölf Millionen Einheiten.
„Grundlegende Neuausrichtung des Geschäftsmodells“
Zwei Millionen wurden bereits abgebaut, weitere Schritte folgen in China und Europa. Zentrale Technologiefelder wie Plattformen, Elektronikarchitekturen und Software will der Autokonzern stärker zusammenführen, parallele interne Strukturen fallen weg.
Vorstandschef Oliver Blume erklärte, der Konzern wolle bis 2030 zum attraktivsten Automobilunternehmen der Welt werden. Finanzvorstand Arno Antlitz sprach von einer „notwendigen, grundlegenden Neuausrichtung des Geschäftsmodells“. Man wolle das Beteiligungsportfolio straffen und das Unternehmen robuster und wettbewerbsfähiger machen. Konkrete Angaben zu Werksschließungen machte Volkswagen nicht, doch die Zeichen stehen auf Sturm.
Proteste von Volkswagen-Angestellten
Berichten zufolge könnten weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze wegfallen. Die Zukunft von vier deutschen Werken gilt als unsicher: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Volkswagen bestätigte diese Angaben bislang nicht. Bereits Ende 2024 hatten Vorstand und Arbeitnehmervertretung den Abbau von 35.000 Stellen vereinbart, vor allem über Altersteilzeit. Während der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag protestierten Tausende Mitarbeiter:innen an mehreren Standorten.
Betriebsratschefin Daniela Cavallo hatte dem Vorstand zuvor ein Ultimatum gestellt und forderte, Blume solle sich bis Freitag konkret gegenüber der Belegschaft erklären. Der Umgang des Vorstands mit den Beschäftigten sei aus ihrer Sicht „respektlos“. IG-Metall-Chefin Christiane Benner kündigte Widerstand an: „Eine Schließung von vier Standorten werde die Gewerkschaft nicht hinnehmen“, sagte sie. In Zwickau versammelten sich Hunderte Beschäftigte vor den Werkstoren.
Hintergrund der Sparpläne ist ein massiver Rückgang der Neuwagenverkäufe in Europa. Verglichen mit der Zeit vor der Pandemie liegt das Minus bei rund 16 Prozent. Hinzu kommt wachsender Wettbewerbsdruck aus China, wo lokale Hersteller mit günstigeren E-Autos punkten. Im vergangenen Jahr erzielte Volkswagen bei 322 Milliarden Euro Umsatz nur noch 9,3 Milliarden Euro Vorsteuergewinn. Als weitere Belastungsfaktoren nennt der Konzern geopolitische Spannungen, steigende Zölle und zunehmende regulatorische Anforderungen.

