Interview

„Bestandssicherung meines Lebenswerks“: Biogena-CEO Albert Schmidbauer über den Börsengang

Biogena-Gründer Albert Schmidbauer. © Biogena
Biogena-Gründer Albert Schmidbauer. © Biogena

Reploid hat den Börsengang im Sommer 2025 geschafft, Emerald Horizon vor wenigen Wochen, und soll im August Biogena folgen: In Österreich tut sich wieder mehr in Sachen Börsenaktivitäten von Wachstumsunternehmen. Albert Schmidbauer, der Kopf von Biogena, ist die treibende Kraft hinter dem geplanten Börsengang der Salzburger, bei dem am Ende eine Bewertung des Unternehmens von 475 Millionen Euro stehen soll. Welche Ziele will er mit und an der Börse erreichen, darüber spricht Schmidbauer heute im Podcast mit Trending Topics – und unten gibt es das Transkript zum Nachlesen.

Trending Topics: Bevor wir uns auf das Thema Börse stürzen – wo steht Biogena 2026?

Albert Schmidbauer: Wir sind mitten auf unserem Expansionskurs, im Hyperwachstumsmodus sozusagen. Wir hatten letztes Jahr 44 Prozent Wachstum und haben die 100 Millionen Euro Umsatz übersprungen. Derzeit sind wir am Weg in Richtung 150, 155 Millionen – unser Geschäftsjahr endet am 30.9. Es geht uns sehr gut, es gibt gute Resonanz, wir bringen laufend Innovationen hervor und eröffnen laufend neue Standorte.

Woher kommt dieses starke Wachstum, das ja nicht jedes österreichische Unternehmen vorzeigen kann?

Das kommt aus unterschiedlichsten Ecken. Wir haben in 20 Jahren eine sehr solide Basis gebaut und viele neue, innovative Divisions herausgebracht. Aus dem Klassik-Sortiment heraus haben wir uns mit Dingen wie Biogena One, Aesthetics oder zuletzt sogar Biogena Pets für unsere Vierbeiner innovative Felder geschaffen, in denen wir wachsen. Und generell gibt es einen Trend zu Gesundheit, einen Trend zu Longevity. Dort sind wir keine Neuankömmlinge – das machen wir im Grunde seit 20 Jahren. Man hat es vor 15 oder 20 Jahren nur noch nicht Longevity genannt.

Ihr kommt aus dem Bereich der Mikronährstoffe. Wann habt ihr euch entschieden, neben diese Kernprodukte andere Dinge zu stellen? Eine Biogena Plaza gegenüber der Oper in Wien zu eröffnen, hat auf den ersten Blick wenig mit Mikronährstoffen zu tun.

Auf den ersten Blick möglicherweise nicht, aber wir verstehen uns ja nicht als Food-Supplement-Company oder Kapsel-Company, sondern als Gesundheitsdestination, als Gesundheitsökosystem. Wir arbeiten schon viele Jahre sehr umfassend an Gesundheit und Wohlbefinden. Wir machen seit Jahren Diagnostik, seit Jahren die Biogena Academy, wo wir Wissen verbreiten. Der Schritt in Richtung zusätzlicher Services wie Biohacking oder die neuen Produktdivisionen ist eher ein logischer als ein unlogischer. Jetzt werden wir eben in verschiedensten Dimensionen sichtbar als Gesundheitsökosystem.

Wie ist das damals eigentlich entstanden, vor 20 Jahren? Was war der Kick-off für dich?

Zu Beginn war es noch sehr stark von Mikronährstoffen und Nahrungsergänzungen dominiert. Vor 20 Jahren war das zur Therapiebegleitung und präventiv eher etwas Neues. Ich habe wirklich viele Klinken geputzt und acht bis zehn Besuche bei Ärzten am Tag gemacht. Es war viel Überzeugungsarbeit notwendig, und ich habe viele schroffe Abfuhren bekommen. Ich bin aber dabei geblieben und habe, glaube ich, die ersten 800 Arztpraxen selbst aufgebaut. Dann habe ich begonnen, Außendienstmitarbeiter einzustellen, und wir sind Schritt für Schritt gewachsen. Heute haben wir 30.000 Partnerärzte und Therapeuten – das stellt eine unglaubliche Kraft dar, die wir als Community mitbringen.

Und warum hast du dich ursprünglich für Mikronährstoffe entschieden? Wo kam die Idee her?

Ich bin gelernter Unternehmensberater und habe Biogena bei Ärzten kennengelernt – es war also keine Gründerstory, sondern eine Übernahme-Story. Ich habe das Thema gesehen, es hat mir sehr gut gefallen, und ich habe die ersten Erfolge im Freundes- und Bekanntenkreis und eben bei Ärzten gesehen: dass unsere Präparate und Konzepte verschiedenste Therapiekonzepte sehr gut unterstützen können. Ich habe mich damals auch mit den großen Wellen auseinandergesetzt, den Kondratieff-Zyklen. Zu dieser Zeit war IT und Telekommunikation gerade der fünfte Zyklus, und manche haben schon spekuliert, dass der sechste Gesundheit und Wohlbefinden sein wird. Das hat sich in der Zwischenzeit sehr stark bestätigt – vielfach läuft heute der Überbegriff Longevity darüber. Ich bin dann all in gegangen: Ich habe meinen Job als Unternehmensberater an den Nagel gehängt, sogar mein kleines Immobilienportfolio, das ich für später vorbereitet hatte, verwertet, mir finanzielle Mittel bei Familie und Freunden besorgt und gesagt: Es gibt keinen Plan B, wir ziehen Plan A durch.

Was hat dich überzeugt, all in zu gehen? Waren es die ersten Zahlen?

Es waren die ersten Erfahrungen. Ich habe gesehen, dass wir viel bewegen können. Nach einer Weile wurde ich wirklich durchempfohlen und musste nicht mehr Klinken putzen. Wir sind dann von 2006 weg mit einem Durchschnittswachstum von 25 Prozent gewachsen – und von Beginn an profitabel. An den ersten Jahresumsatz kann ich mich erinnern: 1,6 Millionen Euro. Das hat sich in der Zwischenzeit quasi verhundertfacht. Heuer werden wir in Richtung 155, 160 Millionen Euro gehen.

Die Arztpraxen sind also nach wie vor ein ganz wichtiger Vertriebskanal?

Absolut. Dahinter steht der zielgerichtete Einsatz unserer Konzepte – nicht der wahllose. Und da ist man bei medizinischen Profis am besten aufgehoben, weil die am besten verstehen, wie sie unsere Produkte und Services begleitend zu ihren Therapien einsetzen. So haben wir das aufgebaut. Natürlich ist in der Zwischenzeit das B2C-Geschäft enorm angewachsen, und wir haben jetzt auch Dinge, die stärker in der Breite verankert sind. Aber diese DNA steckt noch immer in uns: Bei uns ist Wissenschaft wahnsinnig wichtig. Wir haben ein Team mit rund 25 akademisch ausgebildeten Experten. Hinter jedem Produkt, jeder Serviceleistung, jeder Diagnostik steckt immer Wissenschaft. Das zeichnet uns aus, und deswegen vertrauen uns so viele Menschen.

Biogena-Gründer Albert Schmidbauer. © Biogena
Biogena-Gründer Albert Schmidbauer. © Biogena

Du hast am Anfang viel Ablehnung erfahren. Was hat die Ärzte letztlich überzeugt?

Der Einsatz in der Praxis. Häufig habe ich vereinbart: Es gibt drei Präparate kostenlos, aber ich hätte gerne Feedback zum Einsatz bei konkreten Anwendungsfällen. Das hat sich bewährt, weil die Ärzte dann gesehen haben: Das bewirkt wirklich etwas, es unterstützt meine Therapie. So sind wir Schritt für Schritt weitergegangen. Aber ja, das war sehr mühsam. Da braucht man eine dicke Elefantenhaut – entwickelt dabei aber auch eine tolle Resilienz. Und Resilienz schadet in den letzten Jahren auf keinen Fall.

Gehen wir zum Thema Börse. Es ist ja kein klassischer IPO, sondern ein Börsenlisting. Führ uns bitte durch den Prozess.

Begonnen hat der Weg damit, dass ich meine oberste Holding, die Biogena International AG, die in Deutschland gesessen ist, weil ich von dort aus gegründet habe, nach Österreich in die Biogena Good Vibes AG eingebracht habe. Das ist jetzt die oberste Holding, eine Aktiengesellschaft in Österreich. Diese Holding macht eine vorbörsliche Aktienemission über einen digitalen Kanal – so wie wir auch unsere Anleihen platziert haben. Nach Abschluss dieser Emission gibt es den Firmenbucheintrag und anschließend das Listing am Direct Market Plus der Wiener Börse, wo auch schon unsere kleinere Biogena Group Invest AG notiert, die aktuell 3,89 Prozent an der Biogena-Gruppe hält.

Bei diesem vorbörslichen Aktienverkauf nehmt ihr rund 20 Millionen Euro ein?

Genau, definiert sind zwischen 20 und 25 Millionen Euro. Wir sind auf einem guten Weg und haben schon über 1.000 neue Aktionäre, die wir in der Biogena-Gruppe begrüßen können. Sehr erfreulich ist, dass davon weit über 70 Prozent Biogena-Kund:innen sind. Das freut mich besonders, weil das die Grundidee ist: dass unsere Aktionäre Kund:innen sind und unsere Kund:innen Aktionäre. Ich glaube, das ist eine Top-Kombination, weil unsere Community dann nicht nur unsere Produkte und Services konsumiert, sondern auch am Unternehmen beteiligt ist.

Wenn ich jetzt Aktien bei der vorbörslichen Emission kaufe – kann ich sie nach dem Listing an der Wiener Börse handeln?

Absolut. Sie werden ins Depot gebucht und sind dann am Direct Market Plus ganz normal jeden Tag handelbar. Der Vorteil der vorbörslichen Zeichnung ist, dass man zu einem fixen Preis kauft. Der basiert auf einer Unternehmensbewertung von 450 Millionen Euro, durch Gutachten abgesichert. Anschließend lässt man die Marktkräfte spielen.

Das heißt, Post-Money seid ihr dann bei rund 470 Millionen Euro?

475, je nachdem, wie hoch der Emissionserlös sein wird.

Bei rund 155 Millionen Euro Umsatz entspricht das einem Umsatz-Multiple von etwa drei.

Was in unserer Branche als absolut moderat gilt – gerade wenn man das Wachstumspotenzial bedenkt. Man darf nicht vergessen, und ich erwähne das häufig, weil es sehr außergewöhnlich ist: Wir haben die Produktionskapazität für 500 Millionen Euro Umsatz fertig dastehen, inklusive aller Maschinen. Wir haben zwei Werke – Koppl mit rund 300 Millionen Kapazität und einen neuen Standort in Liefering mit 200 Millionen Kapazität, den wir vor allem für neue Darreichungsformen wie Pulver-Sachets gebaut haben und der in einer Woche in Betrieb geht. Wir können uns also voll auf Wachstum konzentrieren und darauf, diese Produktionskapazität auszulasten. Geplant ist, bis 2030/2031 diese 500 Millionen zu erreichen.

Einer der größten Hebel ist Deutschland. Wir haben dort ungefähr gleich viel Umsatz wie in Österreich – der Unterschied ist nur, dass Deutschland etwa zehnmal so viele Einwohner hat. Deutschland ist für uns auch kein wirklicher Exportmarkt: Aus Salzburg betrachtet, so nahe an der Grenze, sehen wir den deutschen Markt als Home-Market. Die Plaza-Standorte, die man aus der Operngasse kennt, eröffnen wir jetzt zum Beispiel im September in München, außerdem in Frankfurt im neuen Four-Frankfurt-Zentrum, wo wir als Ankermieter angefragt wurden. In Düsseldorf haben wir an der Königsallee 88 schon eine Plaza. Der deutsche Markt wächst in unserer Branche mit 9,2 Prozent per anno – wir wachsen derzeit etwa dreimal so schnell.

Der zweite sehr wichtige Punkt: Wir öffnen im Oktober 2026 erstmals den Apothekenkanal, in Deutschland und Italien gleichzeitig. Es ist schon sehr besonders, dass wir unseren bisherigen Weg ohne Apotheken geschafft haben, obwohl Apotheken einer der wichtigsten Absatzkanäle für unsere Produktgruppe sind. Das ist ein großer Wachstumshebel. Und auch unser E-Commerce-Geschäft, das sehr gut läuft – wir gewinnen ungefähr 20.000 bis 30.000 neue Kunden pro Monat –, werden wir weiter forcieren. Die Mittel gehen also alle in diese Wachstumsfaktoren hinein, und die Produktionsbasis haben wir schon.

Die 20 Millionen aus der Emission gehen also ziemlich eins zu eins in den Vertrieb?

Genau: in Vertriebsstandorte, Plazas und Stores, vor allem in Deutschland, in Vertrieb, Marketing, Kommunikation, in verstärkte E-Commerce-Aufwendungen und noch bessere CRM-Systeme. Es ist schön, dass man sich vollständig darauf konzentrieren kann und nicht im Hintergrund noch die Frage lösen muss, wie und wo man produziert. Für uns kommt nur infrage, dass wir selbst produzieren. Wir haben einen so hohen Qualitätsanspruch, dass wir mit Lohnherstellern nicht zurechtkämen.

Vor ein paar Monaten hatten wir Dalibor Cicman, den Gründer von GymBeam, zu Gast – der setzt auch stark auf vertikale Integration. Warum ist das in eurem Bereich so wichtig?

Ich sehe das als extrem essenziell, kann es mir gar nicht anders vorstellen. Wir machen auch Qualitätskontrolle, Produktentwicklung, den ganzen Wissenschaftsservice und die Retail-Flächen selbst. Wir haben aktuell 145 Kolleg:innen, allesamt zertifizierte Mikronährstoffberater, die in unseren Stores und Plazas Kunden beraten. In Sachen Gesundheit macht es einen Unterschied, ob ich rote oder blaue Socken kaufe oder ob ich es mit Gesundheit zu tun habe. Gesundheit hat einen enormen Stellenwert – zum einen wegen der demografischen Entwicklung, zum anderen interessiert sich die Jugend heute schon sehr früh für gesundes Leben. Das ist eher neu, früher haben sich junge Menschen unkaputtbar gefühlt. Diese beiden Klammern spielen uns hinein und sorgen für Rückenwind.

Es gibt jede Menge reine Online-Marken, denen fehlt aber genau dieser Ankerpunkt: Was ist, wenn ich eine Frage habe und niemand hilft mir am Telefon? Wo ist überhaupt die Produktion? Wir haben aktuell 33 Standorte – Plätze, wo die Menschen hingehen können. Dieses hybride Modell aus Online-Services und physischen Standorten schätzen die Kund:innen offensichtlich sehr.

Wie teilt sich der Vertrieb bei euch ungefähr auf – eigene Standorte, Ärzte, künftig Apotheken, D2C?

E-Commerce macht in der Zwischenzeit 70 Prozent aus. Die Customer Journey ist allerdings oft so, dass der erste Auftrag in einer Plaza oder einem Store passiert und die weiteren Bestellungen dann online. Und wenn ich Fragen habe oder zwischendurch einen schnellen Vitamin-D-Test, einen Cholesterin-Test oder eine Knochendichtemessung brauche, finden die Menschen wieder zu den Standorten. Wir haben auch unheimlich schnelle Lieferzeiten: Wir liefern zu 96 Prozent innerhalb von 48 Stunden aus – auch hier, weil wir die Logistik selbst betreiben. Und wir haben eine Weiterempfehlungsrate von weit über 95 Prozent, und weit über 95 Prozent vertragen unsere Produkte. Das hat mit unserem Reinsubstanzen-Prinzip zu tun, mit dem Weglassen von allem, was man nicht braucht. In vielen Firmen gibt es vielleicht eine gute Produktidee, aber dann kommt das Marketing und sagt, die Kapsel sollte rot sein – da kommen die ersten Farbstoffe dazu. Dann kommt der Ingenieur aus der Produktion und sagt, mit diesem nicht-pflanzlichen Schmiermittel läuft die Maschine runder. Das sind alles Dinge, die du im Produkt nicht brauchst. Deswegen sagen wir gerne: Wir machen Rezepturen für Menschen und nicht für Maschinen.

Du hast eine eigene Logistik erwähnt?

Einen Logistik-Standort, wo wir Picking und Versand machen – natürlich arbeiten wir dann mit Post, DHL und Co. Eigene LKWs haben wir nicht, wir liefern in 70 Länder der Welt, das wäre ein bisschen übertrieben. Man muss schon erkennen, wo die Grenze ist. Aber Lagerhaltung, Picking, Verpackung und Versandvorbereitung machen wir selbst: Unser Logistikzentrum schickt aktuell 100.000 bis 120.000 Pakete im Monat raus. Das ist von hoher Qualität, und das schätzen unsere Kunden.

Was ist eigentlich das meistverkaufte Produkt? Gibt es einen Bestseller?

Ja, das ist unser Siebensalz Magnesium. Ein sehr besonderes Magnesium, das wir wissenschaftlich entwickelt haben und das aus sieben Magnesiumsalzen besteht. Das Besondere daran: Jedes Salz löst sich bei unterschiedlichen pH-Werten auf, und jeder Mensch hat in seinem Verdauungssystem unterschiedliche pH-Werte. Damit stellen wir sicher, dass es gut resorbiert und gut vertragen wird. Ganz viele Menschen sagen: Das Siebensalz Magnesium ist das erste Magnesium, das ich gut vertrage. Ich weiß gar nicht, wann das Wachstum dieses Produkts aufhört – es steht noch immer an der Spitze und wird das, glaube ich, auch die nächsten Jahre.

Vermarktet ihr das gezielt aggressiv, oder ist das ein Selbstläufer?

Ein totaler Selbstläufer. Magnesium ist eines der meist verwendeten Produkte im Segment Nahrungsergänzung, aber die Menschen suchen teilweise jahrelang verzweifelt nach einem Präparat, das sie gut vertragen, das ihre Symptome lindert und nicht zu Problemen im Verdauungstrakt führt. Selbstverständlich gehen Werbebudgets automatisch verstärkt dorthin, was am besten läuft, keine Frage. Aber der Hauptgrund ist einfach das überragende Produkt. Ganz ursprünglich haben wir uns natürlich gefragt: Brauchen wir jetzt noch ein Magnesiumpräparat? Unsere Wissenschaftsabteilung hat es entwickelt, und seitdem läuft das unaufhörlich.

Ihr geht jetzt auch in die Apotheken – Deutschland, Italien. Was hat euch bisher davon abgehalten? Das wäre ja ein naheliegender Vertriebskanal.

Das hat einen sehr klaren Hintergrund. Ich hatte für Apotheken und den Rest unterschiedliche Markenkonzepte und Firmen. Die Firma Nicapur habe ich 2019 verkauft, und Teil der Vereinbarung war, dass wir mit der Marke Biogena fünf Jahre lang nicht in Apotheken gehen. Früher waren wir also mit einem Zwei-Marken-Konzept drinnen, dann eine Weile gar nicht, und jetzt gehen wir mit der Marke Biogena hinein.

Das heißt, du weißt schon, wie das funktioniert, und hast die Frist abgewartet?

Ja, wobei wir eine Weile gar nicht wussten, ob wir das überhaupt machen. Am Ende des Tages ist es ein herausfordernder Kanal, das muss man schon sagen: sehr klare Strukturen, hoher Anspruch, manche Apotheken werden bis zu viermal am Tag beliefert, es gibt ein mehrstufiges System mit Pharmagroßhandel und Apotheken. Erst in den letzten Monaten haben wir uns entschlossen, weil auch dort Beratung und Fachexpertise gut funktionieren. Das ist natürlich eine Wachstumschance: In Österreich gibt es rund 1.300 Apotheken, in Deutschland etwa 14.000, in Italien ähnlich viele. Ein mächtiger Kanal mit Beratung und Fachexpertise – wir finden, der passt.

Und die Produkte dort sind weiterhin keine Medikamente?

Nein, das ist eine scharfe Abgrenzung. Wir sind nicht im Medikamentenbereich tätig. Wir therapieren nicht, sondern wir begleiten Therapiekonzepte ernährungsphysiologisch. Das ist der Unterschied zu Medikamenten. Aber der Apothekenkanal ist natürlich ein richtiger für diese Kategorie von Produkten. Und wir gehen nicht nur mit Lifestyle-Produkten hinein, sondern mit dem gesamten Sortiment, das mittlerweile aus weit über 400 Produkten besteht.

Noch eine Nachfrage zur Börse: In Österreich gab es zuletzt wieder mehr Aktivität von Wachstumsunternehmen – Reploid 2025, Emerald Horizon vor ein paar Wochen. Hast du beobachtet, wie die das gemacht haben?

Um ehrlich zu sein, nicht ganz so genau. Wir gehen seit vielen Jahren in vielen Bereichen einfach unseren Weg. Als 2015 das Alternativfinanzierungsgesetz in Kraft getreten ist, waren wir die erste Firma, die über die Ziellinie gegangen ist. Wir haben fast 20 Runden gedreht: zu Beginn klassisches Crowdinvesting über Nachrangdarlehen, seit einer Weile sehr professionell Anleihen – die letzte Anleihe ist vor fünf, sechs Wochen mit 20 Millionen Euro über die Bühne gegangen, und diese Anleihen sind auch immer börsengelistet. Wir gehen also schon eine ganze Weile einen sehr eigenständigen Weg, auch jetzt wieder mit der Kapitalerhöhung als Publikumsplatzierung. Fast 1.000 Menschen zeichnen digital – andere brauchen dafür Finanzvertriebsorganisationen. Wir machen das aus unserer Community heraus, weil die so stark hinter uns steht: eine Million Kunden und über 30.000 Partnerärzte. Das ist ein riesiges Netzwerk, mit dem wir seit vielen Jahren in wechselseitigen Beziehungen sehr gut vernetzt sind.

Das heißt, die kannst du – salopp gesagt – jederzeit per Newsletter aktivieren?

Ja, klar. Es gibt mehrere zigtausend Kunden, die dezidiert in unseren CRM-Systemen registriert sind und sich wünschen, auch zu Finanzthemen informiert zu werden. Viele Investor:innen laden sich nicht einmal die wirtschaftlichen Unterlagen herunter – die vertrauen uns einfach. Wenn du einer Firma seit Jahren vertraust, wenn es dir bei der Verwendung der Produkte besser geht, dann investierst du auch. Die durchschnittlichen Investments liegen bei circa 10.000 Euro. Viele sind schon mehrere Runden mit uns durchgegangen, haben mehrfach ihr Geld zurückbekommen und immer ihre Zinsen. Wenn ich schon in der fünften Runde bin und es hat immer super geklappt, habe ich ein anderes Vertrauensverhältnis zu dieser Firma.

Wie würdest du diese Investor:innen charakterisieren?

Sie kommen aus unserem Kundenstamm heraus. 30 bis 35 Prozent kommen aus Deutschland, mit einem gewissen Schwerpunkt bei Menschen zwischen 40 und 60 – das hat natürlich mit verfügbarem Einkommen zu tun. Generell sind unsere Kund:innen eher besser gebildet und einkommensstärker. Daraus resultiert auch das durchschnittliche Investment von 10.000 Euro. Bei anderen, die sich an Kunden richten, ist oft von 500, 1.000 oder 1.500 Euro die Rede. Da sind wir mit 10.000 Euro pro investierender Person schon ziemlich an der Spitze.

2026 ist für dich also ein gutes Zeitfenster? Ursprünglich war ja eher Richtung 2028 gedacht.

Da war die Idee, dass wir noch eine längere Wachstumsphase haben, vielleicht ein paar Pre-IPO-Investoren reinnehmen und dann ab 2028 den großen IPO hinlegen – mit allem, was dazugehört: Investmentbanken, Roadshows und so weiter. Wir haben uns dagegen entschieden, weil wir gesagt haben: Was wir eigentlich wollen, ist die Transparenz eines voll gelisteten Unternehmens. Das macht den Unterschied, wenn die gesamte Company an der Börse ist. Und wir wollen die Handelbarkeit. Deswegen gab es im Vorfeld auch eine Incentive-Aktien-Transaktion: Im Augenblick besitzen Management und Mitarbeiter rund 9 Prozent. Je nach Emissionserlös kommen jetzt zwischen 3,5 und 5,5 Prozent dazu, und mit der angedachten Verschmelzung mit der Group Invest AG potenziell nochmal 3,5 Prozent.

Damit hat man dann schon einen ganz vernünftigen Streubesitz – ein Listing, bei dem man 95 Prozent der Aktien selbst hält, wäre ja sinnlos. Vom Volumen her hätten wir, soweit ich mich nicht täusche, sogar die Voraussetzungen für den Standard Market schon erfüllt. Und wir planen durchaus weitere Kapitalerhöhungen, sodass wir dann ein sehr vernünftiges börsengelistetes Unternehmen sind – relevant für Österreich, relevant für die Branche, mit einem entsprechenden Streubesitz, sodass die Liquidität gegeben ist. Das ist auch so etwas wie die Bestandssicherung meines Lebenswerks. Ich halte eine börsengelistete AG für eine sehr geeignete Unternehmensform, um den Bestand dauerhaft abzusichern: In eine AG kann kommen, wer will, und es kann gehen, wer will – ganz anders als die Dramen, die sich rund um einzelne GmbHs, Bewertungen und Co. abspielen. Da fühle ich mich sehr wohl.

Ist das Ziel, irgendwann in den ATX aufzusteigen?

Absolut, natürlich – und das meine ich wirklich ernst.

Da muss man aber schon Richtung Milliardenbewertung gehen, oder?

Ja, klar. Der Markt gibt es her, unsere Branche gibt es her. Um die 500 Millionen zu erreichen, brauchen wir eigentlich nur den DACH-Raum plus Italien – mehr ist in den Plänen gar nicht drin. Wir exportieren schon jetzt in rund 70 Länder und führen viele Gespräche mit potenziellen Lizenznehmern für riesige Länder, aber davon ist in den Plänen nichts enthalten. Das sind alles Opportunitäten, die noch dazukommen können. Und nachdem in unserer Branche Umsatzmultiples von 3 bis 3,5 und EBITDA-Multiples von 17 bis 30 bei den letzten Transaktionen gesehen wurden, ist nicht ausgeschlossen, dass das einmal in Milliardenbewertungen geht. Würde man 600, 700, 800 Millionen Umsatz machen – was wir in den nächsten fünf, sechs Jahren gut erreichen zu können glauben –, kann man sich ausrechnen, wie hoch die Bewertung wäre. Da kann man schon Platz haben, um Eingang in den ATX zu finden.

Warum auch die Wiener Börse? Wir stehen dazu, dass wir eine österreichische DNA haben: dass wir in Österreich produzieren, Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen und uns an die Gesetze halten. Wir haben auch keine Holdings irgendwo, sondern die Holdings sitzen ganz normal in Salzburg. Insofern stehen wir dazu, auch hier konsequent zu sein und an der Wiener Börse unseren Platz zu finden. Die internationalen Interessenten werden diesen Platz finden.

Biogena ist eine sehr starke Marke, sicher sehr bekannt in Österreich. Wie denkst du über Markenführung? Unter dieser Dachmarke kannst du ja künftig noch viele weitere Produkte platzieren.

Markenführung ist für uns unglaublich wichtig, da sind wir seit Jahren sehr konsequent. Das sieht man, wenn man unsere Plazas betritt oder unseren Produktionsstandort, die Biogena Good Health World in Koppl, anschaut – da wird nichts dem Zufall überlassen. Die Marke hat in Österreich jetzt eine Bekanntheit von 42 Prozent, Tendenz stark steigend, in Deutschland kommen wir noch nicht über 10 Prozent hinaus. Alles, was mit Gesundheit und Wohlbefinden zu tun hat, kann man unter der starken Dachmarke Biogena subsumieren. Wir sehen einen deutlichen Unterschied, ob wir Produkt- und Servicekonzepte unter Biogena herausbringen oder unter anderen Marken. Wir hatten Experimente, wo wir für andere Zielgruppen komplett mit einer jungen Marke rausgegangen sind, die nicht Biogena heißt – da waren wir nicht ganz so erfolgreich. Marken wirken stark, und da bleiben wir dran. Natürlich passen wir sehr auf, was zu uns passt – man kann eine Marke auch verwässern, indem man Dinge macht, die nicht dazugehören. Aber Dinge wie Biohacking-Services, Diagnostik, Kurse, Fortbildungen und Masterclasses passen meiner Meinung nach perfekt in das Gesundheitsökosystem.

Es ist ja nicht selbstverständlich, dass eine rund 20 Jahre alte Marke noch frisch und jung wirkt – und offenbar besser performt als neu geschaffene Marken. Wie macht ihr das?

Das ist ein Feld, auf das ich persönlich noch immer sehr genau schaue. Wir haben die Marke auch schon mehrfach verändert – nicht radikal, sondern im Sinne von Evolution, nicht Revolution. Ich glaube, es hängt damit zusammen, dass man beweglich ist, was Angebote und Zielgruppen betrifft. Und wir hören unseren Kunden sehr genau zu. Das wäre, glaube ich, etwas, das vielen Marken guttäte. Dadurch sind wir in vielen Bereichen am Punkt.

Was kann man unter dieser Marke noch alles platzieren – und was auf keinen Fall? Man könnte ja auch einen Handy-Tarif oder einen Stromtarif für Biogena machen.

Ich glaube, es braucht diesen starken Gesundheits-, Longevity- und Wellbeing-Bezug. Wir haben viele Projekte in der Pipeline, bei denen wir jeweils sehr genau geprüft haben, ob das wirklich dazu passt. Um ein Beispiel zu nennen, das wir schon kommuniziert haben: Wir planen sogenannte Welcome-to-yourself-Resorts. Das sind hochqualitative, aber trotzdem einfach gehaltene Resorts, in denen wir in erster Linie Stille und Abgeschiedenheit verkaufen. Menschen sollen dorthin kommen können, wo sie zu sich finden – Welcome to Yourself im wahrsten Sinne des Wortes. Das hängt unserer Meinung nach nicht an einem 5.000-Quadratmeter-Spa, sondern daran, dass ich wirklich zur Ruhe kommen kann und nicht dauernd Leute treffe.

Die Resorts sind so konzipiert, dass du eine Woche lang gar niemanden sehen musst, wenn du nicht willst: tolle Häuser mit 60, 70 Quadratmetern, die alles haben, was man braucht – zum Beispiel eine Bücherwand mit mindestens 500 Büchern, 250 englische, 250 deutsche, zu Themenfeldern rund um Gesundheit und Wohlbefinden, sodass du in den Urlaub nichts mitnehmen musst. Die Resorts liegen in weitläufigen Landschaften von mindestens 300, 400 Hektar. Alle, denen ich bisher davon erzählt habe, haben gesagt: Da möchte ich hinfahren. Ich möchte nicht mit 150 anderen Leuten am Frühstückstisch sitzen, sondern einfach Ruhe haben, lesen, ausgedehnte Spaziergänge machen, Sonnenuntergänge und einfaches, aber gutes Essen genießen. Daneben gibt es noch ein paar andere Projekte, über die ich jetzt noch nicht sprechen kann – aber der Bezug zu Gesundheit, Wohlbefinden und Longevity wird immer dabei sein. Wir werden nicht versuchen, beliebige Themen mit der Marke Biogena aufzuwerten. Das prüfen wir sehr genau, weil wir wissen, dass es mit dem Wert der Marke zu tun hat.

Allerletzte Frage: Der Solo-Urlaub mit Biogena – mit oder ohne WLAN?

Das haben wir tatsächlich schon durchdiskutiert. Es wird den berühmten Schalter geben: Wenn ich gar nicht mehr anders kann und kurz vor der Verzweiflung bin, kann ich ihn einschalten, vielleicht für eine halbe Stunde. Standardmäßig ist aber vorgesehen, dass man tatsächlich einmal abschaltet – einen Fernseher wird es in diesen Locations zum Beispiel nicht geben. Da wir aber Gäste haben werden, die Verantwortung tragen und für Notfälle erreichbar sein müssen, ist das quasi als Backup-Sicherheitskonzept vorgesehen. Im Grunde möchten wir, dass die Menschen zu sich kommen, zur Ruhe kommen, sich viel bewegen, viel in der Natur sind – und nicht auch noch Urlaubsstress haben.

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