Homeoffice, Tempolimits, Fahrverbote: Energieagentur rät zu Maßnahmen gegen Ölkrise
Das Hochschießen des Ölpreises (Brent) auf aktuell etwa 109 US-Dollar/Barrel in Folge des Irankriegs jagt derzeit Schockwellen durch die globale Wirtschaftswelt – und stellt nunmehr auch viele Länder vor die Frage, wie man mit der Teuerung (+50% im Vergleich zum Vorjahr) umgehen kann. Parallel dazu zieht auch der Preis für Gas ordentlich an, der wiederum könnte Folgen auch für den Strompreis haben (viele Gaskraftwerke erzeugen Strom). Insgesamt gehen Ökonomen nunmehr von einer wieder steigenden Inflation aus.
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat deswegen einen Katalog konkreter Maßnahmen veröffentlicht, mit denen Regierungen, Unternehmen und Haushalte auf die stark gestiegenen Energie- und Kraftstoffpreise reagieren können. Der Krieg im Nahen Osten hat die größte Ölversorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarkts ausgelöst.
Hintergrund: Warum die Preise steigen
Durch den Konflikt ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, über die normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs transportiert werden, nahezu zum Erliegen gekommen. Der Ausfall von täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukten hat die Märkte erheblich angespannt. Der Rohölpreis überstieg die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel, während Raffinierieprodukte wie Diesel, Kerosin und Flüssiggas (LPG) noch stärker im Preis stiegen.
Als erste Reaktion haben die IEA-Mitgliedsländer am 11. März die Freigabe von 400 Millionen Barrel aus strategischen Reserven beschlossen, die größte Notfallfreigabe in der Geschichte der Agentur. Die IEA betont jedoch, dass angebotsseitige Maßnahmen allein nicht ausreichen, um den Schock vollständig abzufedern.
„Der Krieg im Nahen Osten verursacht eine schwere Energiekrise, einschließlich der größten Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarkts. Ohne eine rasche Lösung werden die Auswirkungen auf Energiemärkte und Volkswirtschaften immer gravierender“, so IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol.
Zehn Maßnahmen zur Nachfragereduzierung
Der neue IEA-Bericht „Sheltering from Oil Shocks“ konzentriert sich auf die Nachfrageseite. Der Schwerpunkt liegt auf dem Straßenverkehr, der rund 45 Prozent der weltweiten Ölnachfrage ausmacht. Darüber hinaus werden Maßnahmen für Luftfahrt, Kochen und Industrie vorgeschlagen.
Straßenverkehr
- Homeoffice, wo möglich: Weniger Pendelverkehr reduziert den Kraftstoffverbrauch direkt.
- Tempolimit auf Autobahnen um mindestens 10 km/h senken: Niedrigere Geschwindigkeiten verringern den Verbrauch bei Pkw, Transportern und Lkw.
- Öffentliche Verkehrsmittel fördern: Eine Verlagerung vom Pkw auf Bus und Bahn kann die Ölnachfrage kurzfristig senken.
- Fahrverbote nach Kennzeichen in Großstädten: Wechselseitige Zufahrtsbeschränkungen reduzieren Staus und kraftstoffintensives Fahren.
- Fahrgemeinschaften und spritsparendes Fahren: Höhere Fahrzeugauslastung und Eco-Driving senken den Verbrauch schnell.
- Effizienz im Güterverkehr steigern: Bessere Fahrweise, Fahrzeugwartung und Laderaumoptimierung können den Dieselverbrauch senken.
Flüssiggas und Luftfahrt
- LPG-Einsatz im Verkehr umlenken: Fahrzeuge, die sowohl mit LPG als auch mit Benzin betrieben werden können, sollen auf Benzin umgestellt werden, um LPG für Kochen und andere wesentliche Zwecke zu schonen.
- Flugreisen vermeiden, wo Alternativen bestehen: Weniger Geschäftsreisen per Flugzeug entlasten den Kerosinmarkt kurzfristig.
- Auf moderne Kochlösungen umsteigen: Elektrische Kochgeräte und andere Alternativen können die Abhängigkeit von LPG verringern.
Industrie
- Flexibilität bei petrochemischen Rohstoffen nutzen: Industriebetriebe können LPG durch andere Ausgangsstoffe wie Naphtha ersetzen und so LPG für dringende Verwendungszwecke freisetzen. Kurzfristige Effizienz- und Wartungsmaßnahmen können den Ölverbrauch zusätzlich senken.
Rolle der Regierungen
Die IEA empfiehlt Regierungen, durch eigene Vorbildfunktion, regulatorische Maßnahmen und gezielte Anreize voranzugehen. Dabei solle sichergestellt werden, dass Unterstützungsleistungen für Verbraucher zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt und auf die Bedürftigsten ausgerichtet werden. Erfahrungen aus früheren Krisen zeigten, dass zielgenaue Unterstützungsmechanismen wirksamer und fiskalisch nachhaltiger seien als breit angelegte Subventionen.
Die IEA veröffentlichte parallel eine Übersicht aller nachfrageseitigen Maßnahmen, die Regierungen seit Beginn der Krise angekündigt haben. Demnach ergreifen bereits viele Länder Schritte zum Schutz der Verbraucher durch Einspar- und Finanzierungsmaßnahmen. In Österreich etwa wurde die Spritpreisbremse beschlossen.
Einschränkungen der Maßnahmen
Die IEA räumt ein, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen das Ausmaß der unterbrochenen Versorgung nicht vollständig ausgleichen können. Sie könnten jedoch dazu beitragen, die Kosten für Verbraucher zu senken, die Marktspannungen zu verringern und Kraftstoffe für wesentliche Zwecke zu schonen, bis die normalen Lieferströme wieder aufgenommen werden. Als langfristig entscheidend gilt die Wiederherstellung des freien Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus.


