Eurozone

Trotz Rekord-Inflation erhöht EZB die Leitzinsen nicht, entgegen dem Kurs der USA

Europäische Zentralbank in Frankfurt. © Paul Fiedler on Unsplash
Europäische Zentralbank in Frankfurt. © Paul Fiedler on Unsplash

Jene, die in eher risikoreiche Angelegenheiten investieren, werden das gerne hören, jene, die eine weiter steigende Inflation fürchten, eher nicht. Jedoch: Anders als die US-Notenbank Fed hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag beschlossen, die Leitzinsen bei quasi Null zu belassen. Damit wird weiter an der ultralockeren Geldpolitik festgehalten, Geld in der Eurozone bleibt damit vorläufig billig. Die angekündigte Zinswende in den USA ab März hat, wie mehrmals berichtet, ja bereits dafür gesorgt, dass Tech-Aktien und Krypto-Assets krachen gingen.

In der Eurozone liegt die Inflationsrate bei mittlerweile 5 Prozent, in Deutschland bei 5,7 Prozent, in Österreich bei mittlerweile 5,1 Prozent. Das ist noch nicht auf dem Niveau der USA (7 Prozent), aber doch deutlich über dem Level von 2 Prozent, das die EZB ja immer anstrebt. Bei der EZB liest sich das derzeit noch so:

„Um sein symmetrisches Inflationsziel von 2 % zu unterstützen und im Einklang mit seiner geldpolitischen Strategie geht der EZB-Rat davon aus, dass die EZB-Leitzinsen so lange auf ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden, bis er feststellt, dass die Inflationsrate deutlich vor dem Ende seines Projektionszeitraums 2 % erreicht und sie diesen Wert im weiteren Verlauf des Projektionszeitraums dauerhaft hält, und er der Auffassung ist, dass die Entwicklung der zugrunde liegenden Inflation hinreichend fortgeschritten ist, um mit einer sich mittelfristig bei 2 % stabilisierenden Inflation vereinbar zu sein. Dies geht unter Umständen damit einher, dass die Inflation vorübergehend moderat über dem Zielwert liegt.“

Inflation erreicht in Österreich 5,1% – höchster Wert seit 37 Jahren

Genau, „moderat“. Die EZB steht aber vor dem Problem, dass sie die Konjunktur mit der Erhöhung der Leitzinsen abwürgen könnte. Besonders hart würde das südeuropäische Mitgliedsstaaten treffen, die sich in der Corona-Krise zusätzlich stark verschuldet haben. Kredite würden teurer werden – ein großes Problem. Allerdings gibt es auch den wichtigen Beisatz:

„Der EZB-Rat ist bereit, alle seine Instrumente gegebenenfalls anzupassen, um sicherzustellen, dass sich die Inflation mittelfristig bei seinem Zielwert von 2 % stabilisiert.“

Nur eine Frage der Zeit

Mit „alle Instrumente“ sind neben App (Programm zum Ankauf von Vermögenswerten), PEPP (Pandemie-Notfallankaufprogramm) und Refinanzierungsbedingungen für Banken eben auch die Leitzinsen gemeint. Wenn sich die Situation weiter verschärft, könnte die EZB natürlich immer noch die Leitzinsen erhöhen.

Vorerst aber soll mal das Pandemie-Notfallankaufprogramm (PEPP) im März 2022 auslaufen – über dieses wurden bisher monatlich bis zu 80 Milliarden Euro in Wertpapiere investiert, ergo in den europäischen Markt gepumpt. Statt PEPP kommt aber nun APP daher – also das erwähnte Programm zum Ankauf von Vermögenswerten. Dieses ist quasi ein Intermezzo, bis die Leitzinsen dann tatsächlich erhöht werden. So heißt es seitens EZB:

„Der Umfang der monatlichen Nettoankäufe im Rahmen des APP wird sich im zweiten Quartal auf 40 Mrd € und im dritten Quartal auf 30 Mrd € belaufen. Dies steht im Einklang mit der im Dezember 2021 beschlossenen schrittweisen Reduzierung der Ankäufe von Vermögenswerten und stellt sicher, dass der geldpolitische Kurs weiterhin mit einer mittelfristigen Stabilisierung der Inflation beim Zielwert des EZB-Rats vereinbar ist. Ab Oktober wird der EZB-Rat die Nettoankäufe von Vermögenswerten im Rahmen des APP in einem monatlichen Umfang von 20 Mrd € so lange fortsetzen, wie dies für die Verstärkung der akkommodierenden Wirkung seiner Leitzinsen erforderlich ist. Der EZB-Rat geht davon aus, dass die Nettoankäufe beendet werden, kurz bevor er mit der Erhöhung der EZB-Leitzinsen beginnt.“

Die Erhöhung der EZB-Leitzinsen steht also bereits im Raum – es fragt sich nur mehr, wann sie kommen.

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