Porträt

Kern-Tec: Wie ein Wiener Startup aus Abfall Superfood und eine Alternative zu Mikroplastik schafft

Kern-tec hat die aws First Pitch Night gewonnen © aws /partybox
Kern-tec hat die aws First Pitch Night gewonnen © aws /partybox

Es gibt wahrscheinlich wenige Studenten, die nicht unter dem Druck der Deadline zu Höchstleistungen motiviert werden. Michael Beitl und Luca Fichtinger haben bewiesen, dass der Tag der Abgabe sogar vielversprechende Geschäftsideen erzwingen kann.

Die beiden Studenten brauchten während ihres WU-Studiums „Entrepreneurship und Innovation“ dringend eine Startup-Idee für den Kurs „Garage“. „Michael kommt aus dem Mostviertel und kennt viele Obstverarbeiter“, erklärt Fichtinger. Einen Tag vor der Abgabe fragte Beitl, ob es in der Branche ein drängendes Problem gebe und traf damit ins Schwarze. Der Beginn von Kern-Tec.

Importe aus Asiens mangels Technologie

„Kernspaltung“ hat in diesem Fall nichts mit Atomenergie zu tun. Es geht tatsächlich um Steinobst-Kerne. Zwetschken, Kirschen, Marillen, Pfirsiche. Bisher wurden vor allem die Samen aus Marillenkernen aus Asien importiert, obwohl es in Europa nicht an dem Rohstoff mangeln würde.

„Es scheitert an der Möglichkeit, Schale und Kern zu trennen, ohne den weichen Teil zu verletzen. Die zweite Herausforderung ist die Trennung von Schale und Samen“, erklärt Fichtinger. In Asien passiert das per Hand, in Europa wäre das allerdings zu teuer. Die Folge: „Wir haben mit Großproduzenten aus Österreich, Deutschland und Italien gesprochen und die haben jedes Jahr 2.000 bis 3.000 Tonnen von diesen Kernen, die sie entsorgen müssen“.

Ab Mai werden Kerne gespalten

Fichtinger und Beitl arbeiten nun an einer Technologie, die das Aufspalten und Trennen automatisiert. Die Schalen werden gebrochen, aber nicht so stark zerdrückt, dass das Innere kaputt geht. „Auch beim Sortieren haben wir eine Lösung gefunden, mit der wir mit wenig Energieaufwand zu einer Reinheit von 100 Prozent kommen“, sagt der Jungunternehmer. Jetzt wird die Technologie verfeinert, bevor Kern-Tec ein Patent einreichen will. Im Frühjahr werden die beiden WU-Studenten das Unternehmen gründen und ab Mai sollen bereits große Mengen an Kernen geknackt werden.

Zu Beginn wird Kern-Tec ein reines Verarbeitungs-Unternehmen bleiben. „Solange wir die Maschinen nicht patentiert haben, denken wir auch kein Lizenzmodell an“, erklärt Fichtinger. Die Samen wird das Startup für die Produktion von Lebensmitteln und Kosmetika weiterverkaufen. Die Samen der Steinobstkerne seien ernährungsphysiologisch enorm hochwertig und enthalten beispielsweise mehr Proteine und mehrfach ungesättigte Fettsäuren als andere Superfoods. Für die Kosmetikindustrie sind vor allem die Öle interessant. „Herstellern von Naturkosmetik ist es schon lange ein Dorn im Auge, dass sie Produkte aus Asien importieren müssen“, sagt der Gründer.

Gegen Mikroplastik bei Kosmetik und Reinigung

Aber auch die Schalen hätten große Vorzüge, so Fichtinger. Die sind nämlich härter als beispielsweise Mandelschalen. Das macht sie für Peelings in der Kosmetikbranche interessant, aber auch für einen ganz anderen Einsatzzweck: als ökologisches Strahlmittel. „Bisher werden zum Strahlen von Oberflächen Sand, Glas oder Plastik verwendet“, erklärt der Unternehmer und: „Da kommt uns das Verbot von Mikroplastik in Reinigungsmitteln und Kosmetik ab 2020 sehr entgegen“.

Bisher hat sich Kern-Tec vor allem aus aws-Förderungen und Preisgeldern diverser Challenges finanziert. Für den Marktstart ist das Team aber auf der Suche nach „smart money“, wie Fichtinger sagt. Der Traumkandidat: Ein Business Angel mit Fokus auf Lebensmittelproduktion und -handel.

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