Interview

Sachbezug für E-Dienstwagen: „Weniger Netto für Mitarbeiter, mehr Lohnnebenkosten für Unternehmen“

Martin Rada von vibe moves you. © vibe moves you
Martin Rada von vibe moves you. © vibe moves you

Die geplante Einführung eines Sachbezugs für E-Dienstwagen sorgt in Österreich für hitzige Debatten: Unternehmer:innen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, eine Petition von Biogena-Gründer Albert Schmidbauer macht Druck, und in der Belegschaft wächst die Unsicherheit. Doch ist das Aus für den E-Dienstwagen wirklich besiegelt?

Im Interview erklärt Martin Rada, Geschäftsführer des österreichischen E-Auto-Aboanbieters vibe moves you, warum der Business Case für E-Mobilität trotz neuer Regeln intakt bleibt, was ein TCO-Vergleich über vier Jahre tatsächlich aussagt – und weshalb steigende Spritpreise und geopolitische Krisen den Trend zum E-Auto eher beschleunigen als bremsen.

Herr Rada, aktuell sorgen die Pläne für einen Sachbezug für E-Dienstwagen in Österreich für Aufregung? Was ist die große Sorge dabei?

Die große Sorge ist, dass hier Vertrauen verspielt wird: Unternehmen haben ihre Flottenstrategie im Vertrauen auf den Null-Sachbezug umgestellt – und jetzt dreht die Politik mitten im Spiel an den Regeln. Für Mitarbeitende heißt das weniger Netto, für Unternehmen mehr Lohnnebenkosten und Erklärungsbedarf – das wirkt wie ein Bremsklotz genau in dem Moment, in dem die Verkehrswende Fahrt aufgenommen hat.

Es gibt sogar eine Petition gegen den Sachbezug, initiiert von BIogena-Gründer Albert Schmidbauer. Verstehen Sie den Unmut vieler Unternehmer:innen dabei?

Ja, absolut. Viele Unternehmer:innen haben in Ladeinfrastruktur und E-Flotten investiert und fühlen sich jetzt verunsichert, weil die Politik scheinbar während des Spiels die Regeln ändert. Das ist nachvollziehbar.

Ich sehe darin aber eher eine kurzfristige Welle der Verunsicherung. Ähnliche Debatten gab es auch bei anderen Anpassungen, etwa bei der motorbezogenen Versicherungssteuer. Am Ende bleibt entscheidend: Der Business Case für E-Mobilität hängt nicht allein am Sachbezug. E-Fahrzeuge sind über die Gesamtkosten weiterhin wirtschaftlich attraktiv – und genau darauf wird sich der Markt wieder fokussieren.

Trifft es E-Dienstwagenfahrer und E-Fuhrparkbetreiber gleichermaßen?

Betroffen sind beide Seiten – aber auf unterschiedliche Weise. Dienstwagenfahrer sehen plötzlich, dass ihr bisher steuerfreier Benefit besteuert wird, und das sorgt verständlicherweise für Ärger. Fuhrparkbetreiber wiederum zahlen mehr Lohnnebenkosten und müssen ihren Leuten erklären, warum klimafreundliche Mobilität jetzt auf der Gehaltsabrechnung teurer aussieht – obwohl sie wirtschaftlich und klimapolitisch genau das Richtige tun.

Warum fällt die Gesamtkostenrechnung weiterhin zugunsten von E-Autos aus? Können Sie das anhand von Zahlen festmachen?

Die wirtschaftliche Realität dreht sich immer stärker zugunsten von E-Autos. In unseren TCO-Vergleichen kommt ein klassisch geleaster Mittelklasse-Verbrenner über vier Jahre schnell auf 75.000 bis 80.000 Euro Gesamtkosten, während das vergleichbare E-Auto im Abo – inklusive künftigem Sachbezug – rund 15.000 bis 20.000 Euro darunter liegt. Niedrigere Energie‑ und Wartungskosten, NoVA-Befreiung, Vorsteuerabzug und der reduzierte Sachbezug sind harte Fakten – daran ändert auch ein politischer Stimmungswechsel nichts.

Wie könnten die neuen Regeln den Absatz von E-Autos in Österreich beeinflussen?

Damit erreicht die Politik das, was niemand ernsthaft wollen kann: Verunsicherung und Investitionsstopp bei Unternehmen, die eigentlich gerade auf E-Mobilität umstellen wollten. Mittel- und langfristig wird sich der Markt aber wieder an den Zahlen orientieren – und die sprechen eindeutig fürs E-Auto. Wer dauerhaft mit teurem Diesel fährt, zahlt am Ende drauf, egal wie laut heute der Sachbezug diskutiert wird. Und am Ende bleibt der Verbrenner auch in Zukunft fast doppelt so teuer.

Im März gab es in europäischen Märkten einen Sprung von 50 % nach oben bei Neuzulassungen von BEVs, Auslöser sind der Irankrieg und die stark gestiegenen Treibstoffpreise. Sehen Sie, dass dieser Trend anhält?

Ja, denn hohe Spritpreise wirken wie eine Lupe: Sie machen sichtbar, wie teuer Verbrenner im Alltag wirklich sind. Jede geopolitische Krise, jeder Preissprung an der Tankstelle ist im Grunde gute Werbung für E-Mobilität – und die Menschen verstehen das sehr schnell, wenn sie ihre monatlichen Kosten vergleichen. Wer heute in reine Verbrennerflotten investiert, setzt faktisch auf das teurere und klimapolitisch riskantere Modell von gestern.

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