Pflegia: Pflege-Jobportal macht Exit an französischen Private-Equity-Investor
Der französische Private-Equity-Investor Ardian hat eine Mehrheitsbeteiligung am Berliner Jobportal Pflegia erworben. Das gab das Unternehmen am Mittwoch bekannt. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht genannt. Die drei Gründer Lennart Steuer, Felix Westphal und Masoud Shahryari bleiben an Bord und sollen das Unternehmen gemeinsam mit dem Growth-Team von Ardian weiterentwickeln.
Pflegia wurde 2019 gegründet und positioniert sich als Vermittlungsplattform für Festanstellungen im Gesundheitswesen. Das Geschäftsmodell basiert auf einem umgekehrten Bewerbungsprozess („Reverse Recruiting“): Pflegekräfte hinterlegen ihre Qualifikationen und Präferenzen auf der Plattform, ein eigens entwickelter Algorithmus schlägt passende Arbeitgeber vor – die sich dann aktiv bei den Kandidat:innen bewerben. Zeitarbeit vermittelt das Unternehmen nach eigenen Angaben nicht, der Fokus liegt auf langfristigen Festanstellungen. Arbeitgeber zahlen erfolgsbasiert.
900.000 registrierte Pflegekräfte
Nach Unternehmensangaben sind mittlerweile mehr als 900.000 Bewerber:innen aus dem Gesundheitswesen auf der Plattform registriert, rund 10.000 Gesundheitseinrichtungen nutzen sie bundesweit. Monatlich vermittelt Pflegia demnach etwa 1.000 Pflegekräfte in feste Anstellungen; aktuell sind rund 30.000 offene Stellen ausgeschrieben. 2024 erweiterte das Unternehmen sein Angebot mit Praxia, einer eigenen Plattform für Personal in Arzt- und Zahnarztpraxen.
Hintergrund des Geschäftsmodells ist der strukturelle Personalmangel in der Pflege: In Deutschland fehlen seit Jahren Fachkräfte im Gesundheitswesen, was die Nachfrage nach effizienteren Recruiting-Lösungen befeuert.
Expansion in Europa geplant
Mit dem neuen Mehrheitseigentümer will Pflegia sein internationales Wachstum beschleunigen und den Einsatz von KI in der Personalvermittlung ausbauen. „Gemeinsam wollen wir unser internationales Wachstum beschleunigen, unsere KI-Kompetenz weiter ausbauen und das Pflegia-Modell in neue Märkte bringen“, erklärten die drei Gründer in einer Aussendung.
Für Ardian ist die Beteiligung der zweite Growth-Deal in kurzer Folge nach einem Investment in Spanien – und ein weiterer Ausbau der Präsenz in Deutschland. Die 1996 gegründete Investmentgesellschaft verwaltet oder berät nach eigenen Angaben ein Vermögen von rund 200 Milliarden US-Dollar für mehr als 1.920 Investoren und ist an 22 Standorten weltweit vertreten. Romain Chiudini und Geoffroy de La Grandière, Managing Directors im Growth-Team, sprachen von einem Gründerteam mit „Umsetzungsstärke und fundierter Branchenexpertise“, das man vom nationalen Champion zum europäischen Marktführer entwickeln wolle – organisch wie durch Zukäufe.

