Stripe und Advent wollen Bezahl-Riesen PayPal um nur 53 Milliarden Dollar kaufen
Der Zahlungsdienstleister Stripe und der Private-Equity-Investor Advent International haben ein gemeinsames Übernahmeangebot für PayPal Holdings vorgelegt. Geboten werden 60,50 US-Dollar je Aktie, was den Fintech-Pionier mit mehr als 53 Milliarden US-Dollar bewertet, wie Reuters unter Berufung auf zwei mit der Sache vertraute Personen berichtet. Das entspricht einem Aufschlag von rund 28 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag. Das Angebot wurde demnach Anfang Juli übermittelt und ist mit Finanzierungszusagen von Banken über rund 50 Milliarden US-Dollar unterlegt; eine erste Kontaktaufnahme habe es bereits im April gegeben, PayPal habe darauf bislang nicht reagiert.
Dem Vorschlag zufolge würden Stripe und Advent PayPal gemeinsam zu gleichen Teilen besitzen und das Unternehmen nicht zerschlagen. Eine Garantie, dass die Annäherung tatsächlich in eine Transaktion mündet, gibt es nicht. Advent lehnte eine Stellungnahme ab, PayPal und Stripe reagierten zunächst nicht auf Anfragen.
Vom 360-Milliarden-Konzern zum Übernahmeziel
Die Dimension des Angebots macht den Absturz von PayPal sichtbar: Auf dem Höhepunkt im Jahr 2021 lag die Marktkapitalisierung bei rund 360 Milliarden US-Dollar – in diesem Jahr fiel sie zeitweise auf etwa 36 Milliarden US-Dollar. Allein in den vergangenen zwölf Monaten verlor die Aktie mehr als 40 Prozent. Kostete ein Anteilsschein vor fünf Jahren noch rund 300 US-Dollar, waren es zuletzt nur noch etwa 41 US-Dollar.
Die Gründe für den Wertverfall sind vielschichtig. PayPal, Ende der 1990er-Jahre gegründet und ein früher Pionier des digitalen Bezahlens, geriet zunehmend unter Konkurrenzdruck, weil Konsumenten alternative Bezahlmethoden annahmen und Rivalen wie Apple Pay und Google Pay Marktanteile gewannen. Hinzu kamen jahrelang schwächelndes Wachstum und ein sich verschärfender Wettbewerb im digitalen Zahlungsverkehr, wodurch ein Großteil der während der Pandemie aufgebauten Bewertung wieder verpuffte. Beobachter führten zudem an, dass es dem Unternehmen nicht gelungen sei, die eigene Technologie zu modernisieren und mit den Rivalen Schritt zu halten – zugleich galt PayPal angesichts seiner globalen Bedeutung seit Monaten als deutlich unterbewertet.
Auch personell kam PayPal nicht zur Ruhe: Anfang Februar wurde der CEO wegen der negativen Geschäftsentwicklung mit sofortiger Wirkung abgesetzt. Seit März steht Enrique Lores an der Spitze, der einen umfassenden Turnaround eingeleitet hat; im April wurde das Unternehmen in drei eigenständige Geschäftsbereiche aufgeteilt.
Der „Newcomer“, der keiner mehr ist
Dass ausgerechnet Stripe zum Käufer werden könnte, illustriert die Verschiebung der Kräfteverhältnisse im Payment-Sektor. Das 2010 von den Brüdern Patrick und John Collison gegründete Unternehmen ist zwar nach wie vor nicht börsennotiert, hat PayPal beim Wert aber längst überholt: Bei einem Tender Offer für Mitarbeiteraktien im Februar erreichte Stripe eine Bewertung von 159 Milliarden US-Dollar – ein Plus von rund 74 Prozent gegenüber den 91,5 Milliarden US-Dollar vom Februar 2025. Damit wird Stripe aktuell etwa dreimal so hoch bewertet wie das Übernahmeangebot für PayPal.
Hinter dem Bewertungssprung stehen operative Zahlen: Das über Stripe abgewickelte Zahlungsvolumen stieg 2025 um 34 Prozent auf 1,9 Billionen US-Dollar, das Unternehmen bezeichnet sich als „robust profitabel“ – das entspricht rund 1,6 Prozent des globalen BIP. Zudem expandiert Stripe aggressiv in Zukunftsfelder: Mit der 1,1 Milliarden Dollar schweren Übernahme der Stablecoin-Plattform Bridge, dem Kauf des Wallet-Anbieters Privy und der Mitentwicklung der Payment-Blockchain Tempo positioniert sich das Unternehmen im Krypto-Bereich, während es mit dem Agentic Commerce Protocol und Partnerschaften mit OpenAI und Microsoft früh auf KI-gesteuerten Handel setzt. Einen Börsengang schließt John Collison vorerst aus – ein IPO wäre derzeit „eine Lösung auf der Suche nach einem Problem“.
Während PayPal also mit Altlasten, Marktanteilsverlusten und einem Konzernumbau kämpft, sitzt Stripe auf einem wachsenden, profitablen Geschäft mit privater Rekordbewertung – und nutzt die historisch niedrige Bewertung des einstigen Branchenprimus für einen Zugriff, der vor fünf Jahren undenkbar gewesen wäre. Stripe und Advent wollen die Gespräche nun in den kommenden Wochen vorantreiben.

