PV-Anlagen sollen 2026 spürbar teurer werden, warnen Branchenexperten
Die Phase historisch niedriger Preise für Photovoltaikanlagen neigt sich dem Ende zu, warnen Experten. Gleich mehrere Faktoren treffen zusammen: Chinas Abkehr von Exportvergünstigungen, steigende Rohstoffpreise und ein angespannter Markt für Batteriekomponenten. Experten aus der Branche rechnen mit spürbaren Preissteigerungen noch im laufenden Jahr.
China schafft Exportvergünstigungen ab
Der wichtigste Auslöser für die erwarteten Preissteigerungen kommt aus Peking. Das chinesische Finanzministerium hat gemeinsam mit der staatlichen Steuerverwaltung angekündigt, die Mehrwertsteuer-Exportvergünstigungen für Photovoltaikmodule zum 1. April 2026 vollständig abzuschaffen. Chinesische Hersteller konnten bislang bei Exporten von einer Steuerrückerstattung profitieren, die es ihnen ermöglichte, Produkte zu besonders niedrigen Preisen in internationale Märkte zu bringen.
Es handelt sich bereits um die zweite größere Anpassung innerhalb kurzer Zeit. Zum 1. Dezember 2024 war die Exportsteuerrückerstattung für Photovoltaikprodukte bereits von 13 auf 9 Prozent gesenkt worden. Mit der vollständigen Abschaffung ab April 2026 entfällt dieser Kostenvorteil nun gänzlich. Da fast 90 Prozent der in Deutschland verkauften Solarmodule aus China stammen, hat diese Entscheidung unmittelbare Auswirkungen auf den europäischen Markt.
Für Batterieprodukte gilt eine abgestufte Regelung: Zwischen dem 1. April und dem 31. Dezember 2026 wird der Rabattsatz von neun auf sechs Prozent gesenkt. Die vollständige Abschaffung folgt dann zum 1. Januar 2027. Diese gestaffelte Anpassung soll Batterieherstellern Spielraum geben, bestehende Lieferverträge und Produktionspläne anzupassen.
Die Maßnahme betrifft verschiedene Warengruppen entlang der gesamten PV- und Speicher-Wertschöpfungskette. Im Bereich Solar fallen darunter monokristalline Siliziumwafer, nicht verbaute Solarzellen sowie fertige Solarmodule. Im Bereich Batterien sind Lithium-Ionen-Batteriezellen und Batteriespeicher ebenso betroffen wie Vorprodukte für Lithium-basierte Batterien, darunter Lithiumhexafluorophosphat und Lithium-Nickel-Kobalt-Manganoxide.
Rohstoffpreise verschärfen den Kostendruck
Parallel zur veränderten Exportpolitik Chinas haben sich wichtige Rohstoffpreise deutlich verteuert. Besonders auffällig ist die Entwicklung beim Silber: Der internationale Silberpreis überschritt bis Ende 2025 zeitweise die Marke von 70 US-Dollar je Unze und verzeichnete im Jahresverlauf einen kumulierten Anstieg von über 130 Prozent. Silber ist als zentrales Material im Metallisierungsschritt von Solarzellen schwer kurzfristig zu ersetzen und macht derzeit rund 15 Prozent der gesamten Modulkosten aus.
Auch Polysilizium, der zentrale Rohstoff für die Herstellung von Solarzellen, hat sich merklich verteuert. Nachdem chinesische Hersteller ihre Produktion gedrosselt hatten, um ein bestehendes Überangebot einzudämmen, stieg der Spotpreis von rund vier Euro je Kilogramm im Sommer auf inzwischen rund 6,39 Euro (Stand: 19. Januar 2026). Das entspricht einem Anstieg von über 37 Prozent gegenüber dem Vorjahressommer.
Hinzu kommen gestiegene Preise bei Aluminium, das für die Rahmen der Module benötigt wird, sowie ein starker Preisanstieg bei Lithiumcarbonat, das für Batteriespeicher relevant ist. Letzteres kostet aktuell mehr als doppelt so viel wie noch vor sechs Monaten.
Was Branchenexperten erwarten
Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer von 1KOMMA5°, beziffert die unmittelbaren Auswirkungen der chinesischen Exportpolitik klar:
„Allein die Abschaffung der Exportvergünstigungen wird den Modulpreis um rund zehn Prozent steigen lassen. Durch die zusätzlichen hohen Rohstoffpreise erwarten wir bei einzelnen Komponenten Preissteigerungen von 15 bis 20 Prozent. Mittelfristig sind davon auch Privatkundinnen und -kunden betroffen.“
Schall ergänzt mit Blick auf den Zeitpunkt der Preiswirkung:
„Sobald sich die politischen Maßnahmen, Produktionskürzungen und hohen Rohstoffpreise vollständig in den Lieferketten widerspiegeln, ist mit steigenden Preisen auf dem deutschen Markt zu rechnen. Wer also mit dem Gedanken spielt, in eine Photovoltaikanlage zu investieren, profitiert jetzt noch von den aktuell günstigeren Preisen.“
Auch der österreichische PV-Systemanbieter Enerix ordnet die Entwicklung ein. Das Unternehmen weist darauf hin, dass eine dreimonatige Übergangsphase gilt, bevor die neue Regelung vollständig in Kraft tritt. Produkte, die bereits vor dem Stichtag in Containern nach Europa verschifft wurden, bleiben zu den bisherigen Konditionen vergünstigt. Ob und in welchem Umfang die höheren Exportkosten tatsächlich in den Angebotspreisen ankommen, hänge laut Enerix von Wettbewerb, Lagerbeständen und Vertragsstrukturen ab.
Hintergründe der chinesischen Entscheidung
Hinter der neuen Exportpolitik steht ein industriepolitischer Kurswechsel. Mit der Anpassung der Exportförderung reagiert die chinesische Regierung auf strukturelle Überkapazitäten in Teilen der Solar- und Batterieindustrie. Diese hatten den Preisdruck verstärkt, Margen sinken lassen und handelspolitische Spannungen in wichtigen Importmärkten verschärft. Ziel der Maßnahme ist es demnach, den Preisverfall bei Photovoltaikprodukten zu bremsen, Überkapazitäten abzubauen und Handelskonflikten vorzubeugen.
Auf dem deutschen Markt sind die gestiegenen Rohstoff- und Exportkosten bislang noch nicht in vollem Umfang angekommen. Die Preise für Solarmodule sind bisher nur leicht gestiegen. Branchenbeobachter gehen jedoch davon aus, dass sich dies im Laufe des Jahres 2026 ändern wird, sobald sich die veränderten Rahmenbedingungen vollständig durch die Lieferketten gearbeitet haben.


