Investment

Quantum Systems holt 1,2 Milliarden Dollar in einer der größten DefenseTech-Runden

Vector Ai Drone of Quantum Systems. © Quantum Systems
Vector Ai Drone of Quantum Systems. © Quantum Systems

Der Münchner Drohnenhersteller Quantum Systems hat eine der größten Finanzierungsrunden in der Geschichte der europäischen Defence-Tech-Branche abgeschlossen. Wie das Unternehmen am Mittwoch bekannt gab, wurde eine Series-D-Runde über 1,2 Milliarden US-Dollar unterzeichnet. Die Post-Money-Bewertung steigt damit auf rund 8 Milliarden US-Dollar – mehr als eine Verdoppelung gegenüber der vorherigen Runde. Noch Ende 2025 war das 2015 gegründete Unternehmen aus Gilching bei München nach einer 180-Millionen-Euro-Runde mit etwa 3 Milliarden Euro bewertet worden.

Angeführt wird die Runde gemeinsam von Blackstone, Noteus, Airbus und Advent. Dazu kommt ein Konsortium aus Crossover- und langfristig orientierten institutionellen Investoren, darunter BOND, Fidelity Management & Research Company, Wellington Management, A.P. Moller Holding und Elephant Lake Ventures. Auch bestehende Geldgeber wie Balderton und HV Capital beteiligen sich erneut. Morgan Stanley agierte als exklusiver Finanzberater und Placement Agent der Transaktion.

Wofür das Kapital eingesetzt wird

Die Mittel sollen laut Unternehmen in vier Bereiche fließen: den Ausbau der Produktionskapazitäten, die Absicherung der Lieferketten, die Skalierung der Lieferinfrastruktur in verbündeten Märkten sowie die Weiterentwicklung von Software und Künstlicher Intelligenz. Quantum Systems betreibt derzeit Produktionsstandorte in Deutschland, der Ukraine, den USA, Australien, Rumänien, Großbritannien und den baltischen Staaten.

Strategisch will das Unternehmen den Übergang von unbemannten Einzelplattformen zu einer interoperablen Systemfamilie beschleunigen, die über die eigene Missionssoftware MOSAIC UXS vernetzt wird. Co-CEO und Mitgründer Florian Seibel formuliert den Anspruch, einen „Neo-Prime der nächsten Generation“ aufzubauen – also einen neuen Typ von Verteidigungskonzern, der klassischen Rüstungs-Primes wie Rheinmetall oder Lockheed Martin Konkurrenz machen soll. CFO Jonas Jarosch verweist auf dreistelliges Umsatzwachstum und zweistellige Profitabilität; das Unternehmen bezeichnet sich als profitabel.

Im Zuge der Runde vertiefen Airbus Defence and Space und Quantum Systems zudem ihre strategische Zusammenarbeit. Beide Unternehmen wollen ihre Kompetenzen in Architektur, Software und KI bündeln, um die Entwicklung souveräner europäischer Verteidigungstechnologien zu beschleunigen. Airbus-Defence-Chef Michael Schöllhorn sieht darin einen Schritt, über die Rolle eines klassischen Defence Prime hinauszugehen und vernetzte Verteidigungsökosysteme mitzugestalten.

Diese Produkte hat Quantum Systems bereits

Quantum Systems hat sich mit senkrecht startenden Aufklärungsdrohnen (eVTOL) einen Namen gemacht, die zivile Vermessungstechnik und militärische Aufklärung abdecken:

Vector ist das Flaggschiff des Unternehmens: eine senkrecht start- und landefähige Aufklärungsdrohne mit rund 2,8 Metern Spannweite, bis zu 180 Minuten Flugzeit und einer Reichweite von bis zu 60 Kilometern. Das tragbare System ist innerhalb weniger Minuten einsatzbereit und liefert hochauflösende Echtzeit-Videos für ISR-Missionen (Intelligence, Surveillance, Reconnaissance). Mit „Vector AI“ existiert inzwischen eine Variante, die KI für Navigation, Steuerung und Aufklärung nutzt. Zu den Kunden zählen unter anderem die Ukraine, die Bundeswehr, Spanien, Australien und Rumänien.

Scorpion ist eine Multikopter-Konfiguration des Vector: Flügel und Heck werden abgenommen und durch Ausleger ersetzt, wodurch dasselbe Grundsystem für andere Missionsprofile genutzt werden kann.

Twister ist ein leichteres Kurzstrecken-Aufklärungssystem mit 3,8 Kilogramm Startgewicht, 90 Minuten Flugzeit und rund 15 Kilometern Reichweite, das etwa für Spezialkräfte konzipiert ist und aus dem sogenannten Drone Port – einem Container, aus dem drei Drohnen vollautomatisch starten können – auch im Schwarm eingesetzt werden kann.

Trinity Pro ist die zivile Kartierungs- und Vermessungsdrohne des Unternehmens. Die Plattform ist seit 2018 am Markt, hat über 75.000 Flugstunden absolviert und kann pro Flug rund 700 Hektar abdecken. Sie trägt wechselbare Sensoren von RGB- über Multispektral-Kameras bis LiDAR und kommt in Landvermessung, Bergbau, Landwirtschaft und Infrastrukturinspektion zum Einsatz.

Strila ist das jüngste Projekt: eine Abfangdrohne gegen jet-getriebene Kampfdrohnen, entwickelt in Kooperation mit dem ukrainischen Hersteller WIY Drones. Quantum Systems bringt das System in die Serienproduktion – die Ukraine hat im März 2026 die Lieferung von 15.000 Strila-Abfangdrohnen an ihre Nationalgarde beauftragt.

Dazu kommt die Software-Ebene: Neben der Missionssoftware MOSAIC UXS, die die verschiedenen Plattformen zu einem vernetzten Gesamtsystem verbinden soll, gehören die Bodenkontrollsoftware QBase 3D und der eigene Skynode-Autopilot zum Portfolio.

Bewährungsprobe Ukraine

Der Krieg in der Ukraine hat die Entwicklung des Unternehmens maßgeblich geprägt. Seit April 2022 liefert Quantum Systems Vector-Drohnen an die ukrainischen Streitkräfte, betreibt mittlerweile eigene Produktionsstandorte im Land und gibt an, dass die eigenen Systeme dort allein im Jahr 2025 mehr als 19.000 Missionen geflogen sind. Diese einsatzerprobte Referenz gilt in der Branche als wesentlicher Treiber der internationalen Nachfrage – und dürfte auch für die Investoren der aktuellen Runde ein zentrales Argument gewesen sein.

Blackstone-Manager David Kaden verweist auf den „strukturellen Wandel“ des europäischen Verteidigungsmarkts und den damit verbundenen Kapitalbedarf. Tatsächlich fließt seit der russischen Invasion und der Debatte um europäische Verteidigungsfähigkeit deutlich mehr Wagniskapital in Defence-Tech – Quantum Systems ist neben Helsing das prominenteste deutsche Beispiel dieses Booms.

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