Trade Republic geht mit Preisvergleich für Aktien und Co PFOF-Verbot aus dem Weg
Einen Tag nach dem endgültigen Inkrafttreten des EU-weiten Verbots von Payment for Order Flow (PFOF) präsentiert Trade Republic seine Antwort: Der Berliner Neobroker führt eine neue Handelstechnologie ein, die Kundenorders künftig automatisch zum Bestpreis unter allen relevanten Börsen ausführt. Grundlage ist ein aggregiertes Orderbuch, das Echtzeitkurse von 30 globalen Handelsplätzen – darunter Xetra, Euronext, NYSE und Nasdaq – zusammenführt und den jeweils günstigsten Kauf- bzw. besten Verkaufskurs ermittelt, unabhängig von der Ordergröße.
An der Preisstruktur ändert sich vorerst wenig: Kunden zahlen weiterhin 1 Euro Abwicklungspauschale pro Trade (zuzüglich Fremdkosten und Spreads). Wer den Handelsplatz selbst wählen will, kann neu sogenannte Direktpreis-Orders für 2 Euro pro Trade platzieren – als Market-, Limit- oder Stop-Order. Die App zeigt dazu das aggregierte Orderbuch sowie die Orderbücher einzelner Börsen kostenlos in Echtzeit an. Parallel startet das Unternehmen ein selbst entwickeltes Web Terminal für aktive Anleger:innen mit professionellem Charting, Screenern, Portfolio-Analysen und Live-Marktdaten – ohne zusätzliche Kosten.
„Mit über 10 Millionen Kunden können wir Menschen Zugang zu Tools und Marktinfrastruktur geben, die bislang institutionellen Investoren, Banken und Hedgefonds vorbehalten waren“, sagt Mitgründer Christian Hecker.
Warum die EU PFOF verboten hat
Der Zeitpunkt der Ankündigung ist kein Zufall. Seit dem 1. Juli 2026 ist Payment for Order Flow in der gesamten EU untersagt – jenes Provisionsmodell, auf dem das Geschäft der Neobroker über Jahre aufgebaut war. Beim PFOF leiten Broker die Orders ihrer Kund:innen an bestimmte Handelsplätze oder Market Maker weiter und erhalten dafür eine Rückvergütung aus der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Für Anleger:innen wirkte der Handel dadurch nahezu kostenlos, die Broker verdienten im Hintergrund an den weitergeleiteten Aufträgen.
Genau darin sah der EU-Gesetzgeber ein strukturelles Problem: Broker könnten versucht sein, Orders nicht an den Handelsplatz mit dem besten Preis für die Kund:innen zu leiten, sondern an jenen, der die höchste Provision zahlt. Mit der MiFIR-Reform wurde PFOF deshalb bereits zum 28. März 2024 EU-weit verboten. Deutschland nutzte allerdings eine Übergangsregelung (Art. 39a MiFIR), die das Modell für inländische Kund:innen noch bis zum 30. Juni 2026 erlaubte. Diese Frist ist nun ausgelaufen.
Was das Verbot Trade Republic kostet
Für Trade Republic ist der Wegfall alles andere als eine Randnotiz. Zwar hat das Fintech, das mittlerweile eine Vollbanklizenz hält und über 150 Milliarden Euro an Kundenvermögen verwaltet, seine Erlöse seit 2023 diversifiziert – etwa über das Zinsangebot auf Einlagen und die Karte mit Saveback. Laut Hecker machten die PFOF-Einnahmen zuletzt aber noch knapp 20 Prozent des Umsatzes aus. Im letzten veröffentlichten Geschäftsjahr 2023/2024 setzte das Unternehmen 340 Millionen Euro um; inzwischen dürfte der Umsatz deutlich höher liegen. Je nach Größenordnung könnte dem mit 12,5 Milliarden Euro bewerteten Berliner Fintech damit ein Betrag im hohen zwei- bis dreistelligen Millionenbereich pro Jahr entgehen.
Trade Republic hat sich auf diesen Einschnitt vorbereitet: Bereits im Jänner 2026 erhielt eine Tochtergesellschaft von der BaFin die Lizenz zum Betrieb eines eigenen multilateralen Handelssystems (MTF). Bislang lief der Großteil der Orders über die Lang & Schwarz Exchange, an der Trade Republic strategisch beteiligt ist. Konkurrent Scalable Capital war schneller: Der Münchner Neobroker betreibt schon seit Ende 2024 gemeinsam mit der Börse Hannover einen eigenen Handelsplatz namens European Investor Exchange (EIX) und wickelt dort als Market Maker den Großteil der Kundenorders ab – verdient wird am Spread statt an Rückvergütungen.

