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Rückblick auf 2022 – das waren die größten „Fails“ des Jahres

Unsere Fails. © Ryan McGuire / Pixabay
Unsere Fails. © Ryan McGuire / Pixabay

2022 war ein Jahr der multiplen Krisen, neuen Herausforderungen und einschneidenden Änderungen in vielen Bereichen. Nicht alles ging gut: Elon Musk machte und macht sich zum Clown, Sam Bankman-Fried sitzt in Haft und in das Metaverse will gleich gar niemand – weder freiwillig noch unfreiwillig. Wir zeigen, welche Fails sonst noch in Erinnerung bleiben.

Elon Musk und die Twitter-Übernahme

Zuletzt sollte die Community die Reißleine ziehen: Elon Musk kaufte sich 2022 nach längeren Rechtsstreitigkeiten endlich Twitter – nur um dann zu merken, dass das nicht überall gut ankommt. Musk legte sich mit der Belegschaft an, mit Menschen, die anderer Meinung waren und kommentierte den ganzen Irrsinn auch noch in Echtzeit auf Twitter. Dort kam es im Dezember dann auch zur finalen Abstimmung: Soll Elon Musk CEO von Twitter bleiben? Klare Antwort: Nein. So schnell kann es gehen: Vom vermeintlichen Retter der Redefreiheit zum immer verrückter werdenden Hauptdarsteller einer der größten Possen überhaupt. Es wird sich zeigen, wie es mit Twitter 2023 weitergeht.

Elon Musk lässt über sich als Twitter-CEO abstimmen – und es sieht nicht gut aus

Terra/LUNA: Der Lehman Brother-Moment der Kryptobranche

Es war der “Lehman Brother”-Moment der Krypto-Industrie: Der “Stablecoin” Terra USD (UST) und der damit verknüpfte LUNA-Token gingen innerhalb weniger Tage den Bach hinunter – und rissen im Mai ein etwa 60 Milliarden Dollar großes Loch in die Krypto-Welt. Dann fing die Lawine ins Rollen an und erfasste auch den Krypto-Fonds Three Arrows Capital (3AC), Voyager Digital, BlockFi, Celsius Network oder Nuri. Ausgelöst wurde der Kollaps durch zwielichtige Abverkäufe von UST-Token – und da ermitteln US-Behörden, ob nicht Sam Bankman-Fried von FTX höchstpersönlich dahinter stecken könnte.

Terra-Kollaps: So lief der Angriff auf LUNA und UST ab

FTX: Vom Kryptomilliardär zum Steuerbetrüger

Sam Bankman-Fried wird auch ein eher unschöne Weihnachtsferien haben: Vom Krypto-Milliardär zum Häfenbruder – das muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Zur Erinnerung: Gelder der Kryptobörse FTX flossen in einen Hedegfonds, der Bankman-Fried gehörte. Das Kapital des Fonds wiederum wurde hauptsächlich in FTT gehalten, einer Kryptowährung, die FTX quasi ohne Gegenwert ausgab. Heißt: Der Gründer transferierte Kundengeld in die eigene Tasche. Das ging nicht lange gut: Als Kunden das investierte Geld abziehen wollten, implodierte die Börse und musste Konkurs anmelden. Sam Bankman-Fried ist mittlerweile wegen Betrugs angeklagt, er wurde am 12. Dezember auf den Bahamas festgenommen.

FTX-Gründer Sam Bankman-Fried wegen geplanten milliardenschweren Betrugs angeklagt

Das Metaverse bleibt leer

Stell dir vor, es ist Metaverse – und keiner geht hin. In Anspielung auf einen bekannten Songtitel soll hier auch das traurige Dasein von Decentraland und Co nicht unerwähnt bleiben. Dabei hatte alles so schön begonnen: Mark Zuckerberg und Co wollen uns künftig im Internet Freunde treffen sehen, ganz wie im Film mit virtuellen Avatar und Virtual Reality. Meta holte sich prominente Unterstützung und gab Konzerte in der eigenen Horizon World. Blöd nur: So richtig gut kam das nicht an, ein volles (virtuelles) Haus sieht anders aus. Die EU wiederum dachte sich, dass das auch besser gehen muss – geht es sicher, nur nicht wenn das Ziel ist, junge Menschen für die EU zu begeistern. Zu wenig Party, zu viel Politik. Ganze sechs (!) Nutzer:innen wollten sich die 380.000-Euro-Party nicht entgehen lassen.

Decentraland: Gähnende Leere im Blockchain-Metaverse

Startup-Politik: Österreich mit Verbesserungspotenzial

Der „State of European Tech Report 2022“ des skandinavischen VCs Atomico und seiner Partner hat sich in den letzten Jahren als Zeugnisverteilung für Europa in Sachen Startups und Tech-Investments etabliert. Darin enthalten ist auch ein Überblick über den Status quo der Startup-Politik in den europäischen Ländern. Österreich schneidet nicht gut ab: Das Wort „Austria“ kommt auf den 115 Seiten des Reports 4 Mal vor, und drei Erwähnungen betreffen drei Grafiken. In diesen soll gezeigt werden, welche Reformen die Länder gemacht haben, um den Startup- bzw. Tech-Sektor zu fördern. Bei Österreich finden sich lediglich zwei Häkchen: Ein Hakerl bekommt die Alpenrepublik bei staatlicher Anschubfinanzierung (z.B. Eigenkapital, Zuschüsse, Darlehen), ein zweites Hakerl in der Kategorie Immigration Reform/Visa. Ansonsten glänzt Österreich durch Abwesenheit. inländisches Arbeitsrecht, Mitarbeiter:innenbeteiligung („Stock options“), Maßnahmen für mehr Diversity, administrative Erleichterungen für Startups, Procurement, ein staatlicher Dach-Fonds (Fund of Fund), Reformen für Pensionsfonds, Steuer-Incentives für Investments, Reformen für Börsengänge und den Kapitalmarkt? Fehlanzeige.

Schlechtes Zeugnis für Österreichs Startup-Politik im „State of European Tech Report“

NFTs: In der Abwärtsspirale

2022 war kein Jahr für den Krypto-Markt (siehe auch die Abschnitte FTX und Terra). Damit einhergehend war es aber auch kein Jahr für digitale Kunst: Nachdem NFTs in den Monaten davor in aller Munde waren, kräht danach Ende dieses Jahres so gut wie kein Hahn mehr. Der Affe aus dem gelangweilten Yachtclub ist aus der Medienöffentlichkeit verschwunden, die Zahl der Kritiker:innen wächst dafür stark an. Anfang des Jahres wurden der Analyseplattform “Dune” zufolge auf den NFT-Plattformen Handelsvolumen von über einen Milliarde US-Dollar erreicht – pro Tag. Zur Mitte des Jahres lag das Volumen bei etwa 20 bis 30 Millionen US-Dollar. Der Hauptgrund dafür: Der fallende Ethereum-Kurs, der über das Jahr über 70 Prozent Kursverlust verzeichnete.

Herbe Verluste: NFT-Markt liegt am Boden

COP 27: So retten wir das Klima nicht

Die Reaktionen nach Ende des Klimagipfels waren irgendwo zwischen ehrlicher Enttäuschung, Fassungslosigkeit und Wut angesiedelt. Zwei Wochen lang verhandelten Politiker:innen die Zukunft des Planeten – und mussten am Ende viele Kompromisse präsentieren. Ja, es gibt nun (oder bald) einen Ausgleichsfonds für ärmere Staaten und ja, in einigen Unterpunkten wurden strengere Vorgehensweisen beschlossen. Das große Damoklesschwert “fossile Energien” bleibt aber: Der Ausstieg aus ebendiesen misslang deutlich, zu viele Staaten stiegen auf die Bremse. Was bleibt, ist eine von Coca-Cola maßgeblich gesponserter Klimagipfel, eine viel zitierte verpasste Chance und Beteuerungen, dass im kommenden Jahr alles besser wird. Derzeit steuern wir mindestens 2,5 Grad Celsius Erderwärmung zu.

Klimakonferenz COP27: Das große Bangen ums 1,5-Grad-Ziel

Scale-up-Stellenabbau: Tausende Mitarbeiter:innen wurden entlassen

Bitpanda musste 2022 rund 30 Prozent der Belegschaft entlassen, bei vielen anderen Kryptobörsen war es sogar noch mehr. Zuletzt erwischte es auch GoStudent: Das Nachhilfe-Unicorn setzte etwa 200 Personen vor die Tür. „Ein paar Tage vor Weihnachten fast die halbe Belegschaft zu informieren, dass der Jahreswechsel Arbeitslosigkeit bringt, ist ein fatales Vorgehen. Wenn sich die Geschäftsführung mit Expansionsbestrebungen übernommen hat, dann kann nicht ein Kahlschlag bei Jobs die erste Alternative sein“, erklärte Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft GPA, dazu. Überraschend kam die Ankündigung aber nicht unbedingt: International bauten zahlreiche Scale-ups Stellen ab, von Klarna über Tesla bis hin zu Stripe.

Gewerkschaft GPA: GoStudent kündigt über 200 Beschäftigte

Zu wenig Finanzierungen für Frauen-Startups

90 Prozent aller Finanzierungsmittel für Startups in Österreich gehen an Männer bzw. rein männlich besetzte Gründerteams. Dabei wird das Geld insgesamt nicht weniger: Im ersten Halbjahr 2022 floß so viel Kapital wie noch nie in die heimischen Jungunternehmen. Einzig: Die Verteilung passt nach wie vor nicht. “Mehr als neun von zehn investierten Euros” würden an männlich besetzte Gründerteams gehen, erklärt Florian Haas von EY. Der Anteil an weiblichen Gründern liegt bei rund einem Fünftel, im Investorenbereich sogar noch darunter.

„Extraordinarily horrible“: Frauenteams bekommen nur 1% der Startup-Investments

Rückgang bei Europa-Investments

In der ersten Jahreshälfte 2022 übertrafen die Investments in Tech-Unternehmen in Europa den Vorjahres-Wert um vier Prozent. Dabei blieb es aber nicht: In der zweiten Jahreshälfte nahmen die Investments allerdings deutlich ab und pendelten sich bei 85 Milliarden US-Dollar ein. Damit liegen sie deutlich unter dem Vorjahrs-Rekord (über 100 Milliarden US-Dollar). Der Wert börsennotierter und privat-gehaltener europäischer Tech-Unternehmen seit Beginn des Jahres um über 400 Milliarden US-Dollar gesunken, wodurch auch der Gesamtwert des Ökosystems von seinem Spitzenwert (3,1 Billionen US-Dollar) Ende 2021 auf nun 2,7 Billionen US-Dollar fiel. 2022 entstanden außerdem „nur“ 31 neue Einhörner, 2021 waren es noch 105 gewesen. Kein klassischer Fail, aber dennoch ein merklicher Rückgang.

Investments in Europas Tech-Unternehmen gingen zurück, zwei Drittel weniger neue Unicorns

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