Russland

Russland zwingt Österreich und Deutschland zurück zu Kohlekraftwerken

Der Verbund-Standort in Mellach © Verbund
Der Verbund-Standort in Mellach © Verbund

Kann sich noch wer an den April 2020 erinnern? Damals, als der Verbund den Kohlebetrieb im Fernheizkraftwerk Mellach in der Steiermark eingestellt hat und damit das letzte Kohlekraftwerk Österreichs abschaltete? Und wenig später der ehemalige Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber der Klimaschutzministerin Leonore Gewessler in einem „historischen Moment“ das letzte Stück Kohle überreichte? Es war ein „weiteren Schritt zum Ausstieg aus fossilen Energien“, hieß es damals.

Nun, dieser Tage wird die Geschichte revidiert. Denn durch den Ukrainekrieg sind vor allem Österreich und Deutschland, besonders abhängig von russischem Gas, in eine Energiekrise der Sonderklasse geschlittert. Und deswegen hat der Verbund jetzt verkündet: Er wird das Kohlekraftwerk Mellach südlich von Graz für eine Reaktivierung vorbereiten. Zuvor war geplant, aus dem Standort einen Innovations-Hub für Brennstoffzellen und Batteriespeicherlösungen zu machen. Doch das ist vom Tisch, Mellach könnte bald wieder Kohle verbrennen. Vor der Entshceidung ist es mehrere Tage in Folge zu einer Senkung der Gasmengen seitens Russland an Österreich gekommen.

Halbleere Gasspeicher

Der Liefermengenbeschränkung um bis zu 60 Prozent sollen technische Probleme bei der Ostseepipeline Nord Stream 1 zugrunde liegen, allerdings kommen sie auch ziemlich zeitnah zum Besuch des deutschen Kanzlers in Kiew. Auch deswegen meinen viele Beobachter:innen, dass die Drosselung der Gasmengen (auch Frankreich oder Italien sind betroffen) politisch motiviert ist.

Das Mellacher Kohlekraftwerk zu reaktivieren, dazu wurde der Verbund nach einer Beratung zwischen Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP), Wirtschaftsminister Martin Kocher und Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) angewiesen. Man wolle sich auf den Ernstfall vorbereiten, falls gar kein Gas mehr aus Russland geliefert wird. In Österreich sind die Gasspeicher zu 42 Prozent gefüllt.

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler übernimmt letztes Kohle-Stück von Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. © BMK/ Cajetan Perwein
Klimaschutzministerin Leonore Gewessler übernimmt letztes Kohle-Stück von Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. © BMK/ Cajetan Perwein

Das letzte Kohlekraftwerk Österreichs ist Geschichte. Energie aus Kohle aber nicht.

Starke Teuerungen für Konsument:innen

In Deutschland, neben Österreich besonders abhängig vom russischen Gas, ist man zu ähnlichen Schritten gezwungen. Wie die dpa berichtet, will Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei der Stromproduktion stärker auf Kohlekraftwerke setzen und mit Milliarden-Anreizen Unternehmen dazu bringen, mehr auf Gas zu verzichten. So will man es schaffen, die Gasspeicher für den Winter auffüllen zu können. In Deutschland sind derzeit 96 Kohlekraftwerke aktiv, ein Ausstieg war bis 2038 geplant. Konkret plant Habeck, Gaskraftwerke vom Netz zu nehmen und stattdessen auf Kohlekraftwerke zurückgreifen. Das sei für eine „Übergangszeit“ geplant.

Wie abhängig wir in Österreich vom russischen Gas sind, spürten zuletzt Wiener:innen und Steirer:innen. Wien Energie und Energie Steiermark kündigten starke Preissteigerungen ab Herbst an – die Fernwärme Wien steigert die Preise um 45 Euro/Monat im Schnitt, die Energie Steiermark erhöht die Gaspreise ab September um 58 Prozent.

45 Euro/Monat zusätzlich: Drastische Preiserhöhung bei Fernwärme Wien

 

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